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18.10.2019

10:00

Mathe und Naturwissenschaften

Nationaler Schülertest: Gymnasiasten lassen deutlich nach

Von: Barbara Gillmann

Deutsche Neuntklässler haben seit 2012 keine Fortschritte in Mint-Fächern gemacht. Vor allem Jungen sind in den wirtschaftsrelevanten Fächern schlechter geworden.

Nationaler Schülertest: Gymnasiasten lassen deutlich nach dpa

Lehrerin im Matheunterricht

Die Leistungsfähigkeit deutscher Neuntklässler macht in den Mint-Fächern keine Fortschritte.

Berlin Deutschlands Schüler werden nicht besser – jedenfalls nicht in Mathematik und den Naturwissenschaften. Das zeigt der neue Bildungstrend 2018 des Instituts für Qualitätsentwicklung im Bildungswesen (IQB), der die Ergebnisse mit denen von 2012 vergleicht. In den ostdeutschen Ländern außer Sachsen ist das Niveau der Leistungen der getesteten Neuntklässler sogar gesunken, „wenn auch auf hohem Niveau“, sagte IQB-Chefin Petra Stanat bei der Präsentation der Studie. Im Westen zeigten sich vor allem in Schleswig-Holstein Verschlechterungen. Verbesserungen gab es so gut wie nirgends.

Besonders gut abgeschnitten haben erneut die bayerischen und sächsischen Schüler, dazu diesmal auch die Thüringer. Besonders schlecht sind die Berliner und die Bremer. „Überwiegend ungünstige Ergebnisse“ gab es jedoch auch für Hamburg, Hessen und Nordrhein-Westfalen. Im Schnitt sind die Schüler in Sachsen denen in Bremen um eineinhalb bis zweieinhalb Jahre voraus, heißt es im Bericht.

Im Auftrag der Kultusminister wurden insgesamt 45.000 Neuntklässler an rund 1500 Schulen getestet. Geprüft wurde jeweils, wie viel Prozent der Jugendlichen die von den Kultusministern erarbeiteten Mindeststandards erreichen, beziehungsweise nicht erreichen. Zugewanderte waren nur beteiligt, wenn sie mindestens seit einem Jahr hier zur Schule gehen. Der IQB-Bildungstrend hat die früher üblichen nationalen Pisa-Vergleiche unter den Bundesländern abgelöst.

„Ungünstig entwickelt“ haben sich vor allem die Kompetenzen der Gymnasiasten. Das wiederum hat jedoch nichts mit dem seit Jahren anhaltenden Run auf die Gymnasien zu tun, stellte Stanat klar. Denn seit 2012 habe sich der Anteil der Gymnasial-Schüler nicht weiter erhöht. Im Gegenzug seien die Schüler der Sekundarschulen teilweise besser geworden.

Nachgelassen haben insgesamt vor allem die Jungen – sowohl in Mathe als auch in den Naturwissenschaften. Zugleich habe auch deren Interesse an den für die Wirtschaft so wichtigen Mint-Fächern nachgelassen und die vielfach entscheidende Überzeugung „ich bin gut in diesem Fach“, erläuterte die Wissenschaftlerin.

Steigender Anteil von Schülern mit Migrationshintergrund ohne Auswirkung

Dennoch trauen sich Jungen noch immer deutlich mehr zu als Mädchen - mit Ausnahme von Biologie. „Die Diskrepanz ist viel zu groß“, erläutert Stanat mit Blick auf die tatsächlichen Kompetenzen. Denn lediglich in Mathematik seien die Jungs noch etwas besser als die Mädchen.

Traditionell vorn liegen die Mädchen in Biologie, mittlerweile aber auch in Chemie. In Physik liegen die Geschlechter gleichauf. Die Unterschiede in der Selbsteinschätzung seien vor allem deshalb besorgniserregend, „weil sie einen großen Einfluss auf die Wahl der Leistungskurse in der Oberstufe und vor allem auf die Berufswahl haben“, sagte Stanat.

Mit dem wachsenden Anteil von Zuwandererkindern habe das insgesamt schlechte Ergebnis nichts zu tun, wies die IQB-Chefin eine naheliegende Erklärung zurück. Dieser sei seit 2012 zwar bundesweit von 26 auf 34 Prozent gestiegen. Das treffe aber die Länder, die besonders schlecht abgeschnitten haben „nicht mehr als andere - und trägt daher kaum zur Erklärung der negativen Trends bei“. „Bemerkenswert“ sei allerdings, dass der neue Test erstmals auch alle Schüler erfasst habe, die im Zuge der Flüchtlingswelle 2015 nach Deutschland kamen. Sie stellen rund zwei Prozent der Schüler.

Gewaltig sind allerdings die Unterschiede in der Zusammensetzung der Schülerschaft von Land zu Land: So haben es die Lehrer in Baden-Württemberg und Berlin mit mehr als 40 Prozent Schülern mit Migrationshintergrund zu tun, in Bremen stellen sie sogar die Hälfte. In den ostdeutschen Bundesländern hingegen haben lediglich rund zehn Prozent der Neuntklässler ausländische Eltern oder sind selbst zugewandert. Auch der Lehrermangel könne nicht als Erklärung herhalten. Stanat empfiehlt den Kultusministern stattdessen, vor allem „die Qualität des Unterrichts weiter zu verbessern“.

In Mathematik erreichte fast ein Viertel der Schüler die Mindeststandards nicht. Deutlich mehr waren es in Schleswig-Holstein, im Saarland, Mecklenburg-Vorpommern, Hamburg und Berlin; in Bremen waren es sogar 40 Prozent. Von der nationalen Front können die deutschen Schulen also keine Fortschritt vermelden. Wie sie im internationalen Vergleich abschneiden wird sich im Dezember zeigen: Dann stellt die OECD die Ergebnisse des nächsten Pisa-Test der 15-Jährigen vor.

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Kommentare (1)

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Herr Heiner Krause

18.10.2019, 16:58 Uhr

Mit einer 4 Tage Woche fällt es natürlich schwer etwas für die Bildung zu tun.
Da ist es doch einfacher zur FFF Demo zu gehen, anstatt sich auf den Popo zu setzen und
etwas sinnvolles für die Zukunft zu lernen.

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