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23.05.2022

16:20

Müller-Nachfolge

Grünen-Politikerin Ramona Pop wird oberste Verbraucherschützerin

Von: Dietmar Neuerer

Im November kündigte sie ihren Rückzug aus der Berliner Landespolitik an. Jetzt wird die Grünen-Politikerin Pop neue Chefin des Verbraucherzentrale Bundesverbands.

Ramona Pop gehörte seit 2001 dem Berliner Abgeordnetenhaus an und war von 2009 bis 2016 Fraktionsvorsitzende der Grünen. dpa

Ramona Pop

Ramona Pop gehörte seit 2001 dem Berliner Abgeordnetenhaus an und war von 2009 bis 2016 Fraktionsvorsitzende der Grünen.

Berlin Ramona Pop wird Deutschlands oberste Verbraucherschützerin. Die frühere Berliner Wirtschaftssenatorin übernimmt zum 1. Juli die Leitung des Verbraucherzentrale Bundesverbands (VZBV). „Gerade in Krisenzeiten ist ein starker Verbraucherschutz von hoher Bedeutung und gibt den Menschen Sicherheit“, sagte Pop am Montag in Berlin.

Der VZBV ist die Dachorganisation der Verbraucherzentralen in den 16 Bundesländern und weiterer Verbraucherverbände. „Als erfahrene Politikerin und Führungskraft wird sie dem Verbraucherschutz in Deutschland eine starke Stimme geben“, sagte der Vorsitzende des Verwaltungsrats des VZBV, Wolfgang Schuldzinski.

Die 44-Jährige übernimmt die Funktion als Vorständin von Jutta Gurkmann, die den Verband nach dem Ausscheiden des langjährigen Vorstands Klaus Müller vorübergehend geleitet hatte. Müller ist seit März Präsident der Bundesnetzagentur. Sowohl Müller als auch Pop sind Mitglieder der Grünen.

In ihrer neuen Rolle wird Pop angesichts der rapide steigenden Preise in fast allen Lebensbereichen sofort gefordert sein. „Das erste und wichtigste Thema in den aktuellen Zeiten sind die Rechte der Verbraucher vor dem Hintergrund steigender Energiepreise“, sagte die FDP-Verbraucherpolitikerin Judith Skudelny dem Handelsblatt.

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    Bereits seit Anfang des Jahres sei das Problem mit Billigstromanbietern aktuell. Hier müssten nun die Bundesministerien für Wirtschaft und Verbraucherschutz zusammen mit Pop „eine ausgewogene Lösung für die Beteiligten“ finden.

    Özdemir lobt Pop als „starke Fürsprecherin“ für die Verbraucher

    Der SPD-Verbraucherpolitiker Carsten Träger äußerte die Erwartung, dass Pop ein „besonderes Augenmerk“ auf die Interessen und Bedürfnisse von Verbrauchern lege, „die wenig Geld zur Verfügung haben und wegen steigender Lebenshaltungskosten besonders gefordert sind“. Auch aus Sicht des CSU-Verbraucherexperten Volker Ullrich ist das „entscheidende Thema“ für den VZBV die steigende Preisentwicklung und damit die zunehmende Belastung für Verbraucher. „Entlastungen sind das Gebot der Stunde“, sagte Ullrich dem Handelsblatt.

    Ähnlich äußerte sich der Vorsitzende der Verbraucherschutzminister-Konferenz, der Thüringer Ressortchef Dirk Adams (Grüne). Mit Pop bekomme der VZBV eine „starke Stimme“ für die Anliegen des Verbraucherschutzes. „Es ist gerade in den Zeiten hoher Energiepreise wichtig, eine erfahrene Persönlichkeit an der Spitze des Verbandes zu wissen“, sagte Adams dem Handelsblatt.

    Der Vorsitzende des Bundestagsausschusses für Verbraucherschutz, Harald Ebner (Grüne), hob die Wirtschafts-, Energie- und Finanzexpertise Pops hervor. Damit könne sie „eine starke Fürsprecherin für ökologisches und verbraucherfreundlicheres Wirtschaften“ sein.

    „Gerade in Krisenzeiten braucht es einen starken Verbraucherschutz, der unseren Alltag sicher und nachhaltig macht: angefangen bei hohen Energiepreisen über gesunde Lebensmittel mit klarer Kennzeichnung, besseren Schutz vor Schadstoffen und im Digitalbereich bis hin zur privaten Altersvorsorge“, sagte Ebner dem Handelsblatt.

    Der Bundesminister für Ernährung und Landwirtschaft, Cem Özdemir (Grüne), wertete Pops große Erfahrung, ihre Wirtschaftskenntnisse und ihre Vernetzung als einen „Gewinn für den VZBV“.

    Pop war bis Ende vergangenen Jahres Senatorin für Wirtschaft, Energie und Betriebe in Berlin. Zuvor war sie Grünen-Fraktionsvorsitzende im Berliner Abgeordnetenhaus. Für sie sei „der richtige Zeitpunkt gekommen, ein neues Kapitel in meinem Leben aufzuschlagen“, erklärte Pop im November. Auf die Frage, ob sie sich völlig aus der Politik zurückziehe oder etwa in der Bundespolitik neue Aufgaben übernehme, reagierte sie damals ausweichend: „Schauen wir mal.“

    „Ich blicke mit Stolz darauf, wie sich Berlin entwickelt hat“

    Pops Vita ist ungewöhnlich für eine deutsche Politikerin. Sie wurde 1977 in Temeswar in Rumänien geboren und kam elf Jahre später mit Teilen ihrer Familie in die Bundesrepublik. Nach dem Abitur in Münster studierte sie an der dortigen Westfälischen Wilhelms-Universität und an der Freien Universität Berlin Politikwissenschaften. Den Grünen gehört sie seit 1997 an.

    Als sie ihren Rückzug aus der Landespolitik verkündete, ließ Pop prägende Momente ihrer politischen Karriere Revue passieren und erinnerte etwa an ihre Zeit als Grünen-Fraktionsvorsitzende: Nach der gescheiterten Regierungsbildung mit der SPD 2011 habe sie gemeinsam mit anderen hart daran arbeiten müssen, Risse in den eigenen Reihen zu kitten und die Fraktion wieder erfolgreich zu machen. Ein Beleg, dass das gelungen sei, sei die Regierungsbeteiligung der Grünen seit 2016.

    „Ich blicke mit Stolz darauf, wie sich Berlin in den letzten Jahren entwickelt hat“, bilanzierte Pop ihre Regierungszeit. Dazu gehörten 170.000 neue Arbeitsplätze, Berlin als Spitzenreiterin beim Wirtschaftswachstum bei gleichzeitig sinkendem CO2-Ausstoß, der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs. Zudem sei Berlin eine offene und hilfsbereite Stadt für Menschen aus aller Welt. „Dafür hat es sich wirklich gelohnt, alles zu geben.“

    Gleichwohl lief nicht alles rund in Pops Amtszeit als Wirtschaftssenatorin. Unvergessen ist etwa das Debakel um die Internationale Automobilausstellung (IAA). Die Berliner Grünen hatten sich bei einem Parteitag gegen die IAA-Bewerbung ausgesprochen und damit gegen Pop gestellt.

    Nun freut sich Pop auf ihren neuen Job und darauf, „die Interessen und Rechte der Verbraucherinnen und Verbraucher vertreten zu dürfen“.

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