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14.11.2018

17:39

Die Förderung wird in der Internetbranche positiv aufgenommen. Nun muss die Wirtschaft weitere Anwendungslösungen finden. AP

Steuermilliarden für KI-Projekte

Die Förderung wird in der Internetbranche positiv aufgenommen. Nun muss die Wirtschaft weitere Anwendungslösungen finden.

Neue Regulierung gefordert

Internetwirtschaft begrüßt Steuermilliarden für KI – und fordert technologiefreundliche Regeln

Von: Dana Heide, Sebastian Matthes

Drei Milliarden Euro für Künstliche Intelligenz – die Förderung der Bundesregierung kommt in der Branche gut an. Doch bei der Umsetzung bleibt noch viel zu tun.

Berlin, Düsseldorf Die Strategie der Bundesregierung zur Künstlichen Intelligenz (KI) ist bei der deutschen Wirtschaft auf Zustimmung gestoßen. „Mit ihrer KI-Strategie bringt die Bundesregierung ein wichtiges und drängendes Thema voran“, sagte Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK), dem Handelsblatt.

Die Mitglieder der Bundesregierung sind am Mittwoch in Potsdam zu ihrer zweitägigen Digitalklausur zusammengekommen. Dort wollen sie die wichtigsten Vorhaben in der Digitalpolitik besprechen und ihre neue Strategie zur Künstlichen Intelligenz beschließen. Gerade auf diesem Feld droht Deutschland im Rennen mit China und den USA den Anschluss zu verlieren.

Der Plan der Bundesregierung sieht unter anderem eine Förderung der Technologie mit drei Milliarden Euro vor. Damit sollen etwa 100 neue Professuren für Künstliche Intelligenz gefördert werden.

Bundesarbeitsminister Hubertus Heil (SPD) und Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) betonten zum Auftakt der Klausur am Mittwoch, dass Deutschland nicht nur führend in der KI-Forschung werden müsse, sondern dass die Ergebnisse auch von Firmen umgesetzt werden müssten. „Der digitale Wandel, vor allem die Künstliche Intelligenz, bringt neue Chancen für die Wirtschaft mit sich“, sagte Altmaier. „Sie schafft mehr Produktivität, neue Geschäftsmodelle.“

Die Unternehmensberatung McKinsey schätzt das jährliche Wachstumspotenzial durch Künstliche Intelligenz allein in Deutschland auf 1,3 Prozentpunkte bis 2030.

Dass die Technologie deutschen Unternehmen ungeahnte Chancen und neue Geschäftsmodelle eröffne, sieht auch DIHK-Hauptgeschäftsführer Wansleben. „Leider sorgen Politik und Verwaltung aber bislang nicht dafür, dass die Künstliche Intelligenz ihren volkswirtschaftlichen Nutzen entfalten kann“, kritisiert Wansleben. Rund zwei Drittel der im DIHK organisierten Unternehmen beklagten etwa Rechtsunsicherheiten bei der Nutzung von Daten.

„Damit Künstliche Intelligenz schnell in der Praxis ankommt, brauchen wir ein besseres Innovationsklima, technologiefreundliche Regeln, eine engere Vernetzung von Wirtschaft und Forschung, weniger Bürokratie und eine belastbare digitale Infrastruktur aus Glasfaser- und 5G-Netzen“, forderte Wansleben.

Auch der Bundesverband der Deutschen Industrie (BDI) begrüßte zwar, dass die Bundesregierung mit der KI-Strategie „erste Wegmarken“ setzt, um den Rückstand aufzuholen. Allerdings kritisierte Iris Plöger, Mitglied der BDI-Hauptgeschäftsführung, wie der DIHK eine Rechtsunsicherheit beim Datenschutz. „Die grundlegende Vereinheitlichung von Auslegung und Anwendung des Datenschutzrechts ist dringend notwendig“, forderte sie.

Firmen sind in der Pflicht

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Die Große Koalition will mit einer neuen KI-Strategie der deutschen Wirtschaft zur Weltmarktführerschaft verhelfen. Das hat nicht nur wirtschaftliche Gründe.

Der Bundesverband Digitale Wirtschaft (BVDW) lobte hingegen den in der KI-Strategie festgelegten Grundsatz, die Verfügbarkeit und den Austausch von Daten zu fördern und Datenpartnerschaften zwischen Unternehmen zu unterstützen. „In dieser Hinsicht ist der Bundesregierung mit der KI-Strategie ein wichtiger Schritt gelungen“, sagte BVDW-Vizepräsident Stephan Noller, in dem Verband unter anderem zuständig für Künstliche Intelligenz, dem Handelsblatt.

Deutsche Unternehmen haben im Vergleich zu ihren Konkurrenten etwa aus China und den USA tendenziell weniger Freiheiten beim Sammeln und Auswerten von Daten. Die Regeln zum Schutz der Privatsphäre sind in Europa strenger, die Bürger sensibler, was das Teilen ihrer Daten angeht.

Die weltgrößten Onlinehändler und sozialen Netzwerke kommen nicht nur wegen der schieren Größe des Marktes längst aus Asien und Amerika und verfügen über eine immense Sammlung von Daten, mit denen sie ihre Algorithmen trainieren können.

Dennoch sehen Unternehmen das Wettrennen um die Künstliche Intelligenz als noch nicht entschieden an. „Die Chance, ein europäisches Gegengewicht zu China und den USA aufzubauen, ist noch da“, sagte Claudia Nemat, Vorstandsmitglied der Deutschen Telekom. „Wir sollten sie engagiert nutzen – mit unserem demokratischen Wertesystem“, forderte sie. Denn für die Entwicklung von KI sei Europas digitale Ethik ein wesentlicher Wettbewerbsvorteil.

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KI-Unternehmer Chris Boos, der Mitglied des Digitalrats der Bundesregierung ist, sieht dabei nun die Unternehmen selbst in der Pflicht. Die Strategie helfe, die Stärken Deutschlands in der Forschung auszubauen, und sie sei eine Grundlage für datenbasierte Geschäftsmodelle, sagte er dem Handelsblatt. Nun liege es an der Wirtschaft. „Die Unternehmen müssen viel mehr tun als die Regierung, sie müssen KI in ihren Geschäftsalltag integrieren, sonst helfen auch neue KI-Strategien nicht.“

Zu wenig Fokus auf Bürger

In ihrer Strategie hatte die Bundesregierung vor allem den kleinen und mittelständischen Unternehmen starken Nachholbedarf beim Thema KI bescheinigt.

Defizite sehen Wirtschaft und Wissenschaft in der KI-Strategie bei der Vermittlung von Wissen über die Technologie in der Bevölkerung. „Mittel- und langfristig wird die Entscheidung über den Erfolg einer Marke ,AI made in Germany‘ in der Gesellschaft fallen“, sagte Christoph Igel vom Deutschen Forschungszentrum für Künstliche Intelligenz (DFKI) dem Handelsblatt.

Die Qualifizierung der Menschen und eine breite Aufklärung der Gesellschaft im Dialog werden die gesamtgesellschaftlichen Herausforderungen dabei sein. „Und gerade bei diesen wichtigen Fragen bleibt das Strategiepapier klare, zukunftsweisende und vertrauensbildende Antworten schuldig“, kritisiert er.

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Kommentare (1)

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Herr Alan Koska

14.11.2018, 12:59 Uhr

Das bedeutet aber, dass mehr Studenten in Informatik/Statistik/Mathematik benötigt werden. Die Zahlen nehmen ab. Stattdessen studiert jeder BWL, Jura und Genderstudies. Traurig aber wahr.

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