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Neuer EZB-Chef

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Draghis größtes Manko ist seine Herkunft

Im Rennen um die Nachfolge von EZB-Chef Trichet hat sich Finanzminister Schäuble hinter den Kulissen auf den italienischen Notenbankchef Draghi festgelegt. Quelle: Reuters

Im Rennen um die Nachfolge von EZB-Chef Trichet hat sich Finanzminister Schäuble hinter den Kulissen auf den italienischen Notenbankchef Draghi festgelegt.

Für die Besetzung des EZB-Chefpostens gibt es kein klaren Regeln: Nötig ist für seine Ernennung nur ein Mehrheitsbeschluss der 17 Staatschefs der Euro-Länder. Außerdem muss er laut EZB-Statut eine angesehene Person mit Erfahrung in Geld- und Bankangelegenheiten sein. Allerdings gibt es für diesen Beschluss eine Menge ungeschriebener Gesetze: über die Verteilung der Posten zwischen Nord- und Südeuropa, zwischen den großen Ländern Frankreich, Deutschland und Spanien sowie den kleineren Staaten der Währungsgemeinschaft.

Eigentlich hatte Kanzlerin Merkel im vergangenen Jahr den Portugiesen Vitor Constancio als EZB-Vizepräsident gegen Protest von Luxemburg und Italien nur durchgesetzt, um damit den Weg für Weber an der EZB-Spitze freizumachen. Mit Webers Rückzug sieht es so aus, als ob auch der EZB-Chef ein Südländer werden könnte. Denn der einzige Deutsche, der nach Weber in Frage gekommen wäre, ist aus dem Rennen: Denn Klaus Regling, der Chef des Euro-Rettungsfonds ESFS, ist zwar EU-Spitzenbeamter, hat aber keinerlei Erfahrung mit Geldpolitik und Notenbanken.

Auch die geldwertorientierten Chefs der luxemburgischen oder finnischen Zentralbanken, Yves Mersch und Erkki Liikanen sind noch im Gespräch. Gelingt es Merkel nicht, einen von beiden durchzusetzen, dürfte der nächste EZB-Chef wieder aus einem der großen Euroländer stammen. Da Deutschland alle Kandidaten verloren gegangen sind, dürfte vor allem Frankreich versucht sein, den Finger zu heben. Es ist aber unwahrscheinlich, dass nach Jean-Claude Trichet auch der nächste EZB-Präsident aus Frankreich kommt. Zudem war Baque-de-France-Chef Christian Noyer bereist EZB-Vizepräsident. Auch deshalb spricht viel für Draghi.

Draghis größtes Manko ist seine Herkunft: Als Italiener steht er für ein Land mit enormer Staatsverschuldung, das vor der Einführung des Euro für seine hohe Inflation bekannt war. Eine vielleicht noch größere Hypothek ist Draghis Ausflug zur Investmentbank Goldman Sachs, für die er zwischen 2002 und 2005 als Vice Chairman und Managing Director arbeitete. Bei Ausbruch der Griechenland-Krise geriet er dafür in die Kritik: Goldman hatte dem Schuldenland geholfen, mit komplizierten Transaktionen ihre offizielle Schuldenlast kleinzurechnen, um die Wahrheit über den desaströsen Haushalt zu verschleiern. Draghi hat die Vorwürfe von sich gewiesen: "Ich habe nicht einen einzigen Deal mit Regierungen gemacht", sagte er dem Handelsblatt. Die Geschäfte, um die es gehe, seien gemacht worden, bevor er für Goldman tätig gewesen sei.

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    Kommentare (7)

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    simon

    19.04.2011, 13:21 Uhr

    Draghi ist ein Goldman-Alumni....da ist es mir herzlich egal, ob er Italiener ist.

    Draghi wird mit "mark-to-fantasy" weitermachen, und wie sein Vorgänger Trichet die Karre seelenruhig an die Wand fahren lassen. Und die deutschen werden auf den Italiener schimpfen, und dabei den Goldman in Draghi völlig vergessen. Wunderbar, wir zahlen schliesslich immer noch niedrige Zinsen, warum dann nicht noch mehr Kreditjunkies und Dealer retten? Draghi ist auf jeden Fall der Mann dafür, den letzten Rest von Solvenz aus der EURO-Zone in die Taschen von Privaten zu lenken.

    Schliesslich lernt man bei GS nichts anderes.... Ausser vll, vollkommen schwachsinnige Top- und Bottom-calls zu veröffentlichen....

    Zahlmeister

    19.04.2011, 14:17 Uhr

    Was spielt es noch für eine Rolle, ob ein Südeuropäer oder jemand von Merkels Hofschranzen auf den Sessel gehoben wird ? Es geht nur noch um Zeitgewinn für die Großen und um Verarschung und Ausraubung des Volkes !

    Privatbanner

    19.04.2011, 14:27 Uhr

    DANKE!

    Herr Schäuble hat somit einen Platz in der Geschichte sicher!

    Als größter Verräter am deutschen Volke in diesem noch jungen Jahrhundert. Lehrbuchmäßig wird hier ein Fehler nach dem anderen begangen. Im sinne Europas? Mit nichten! Alle Entscheidungen müssen früher oder später in den Untergang des politisch gewollten "Europa Land" münden.

    Herr Schäuble bezahlt diesen Untergang mit dem Wohlstand das sich Deutschland über mehr als 60 Jahre aufgebaut hat, und nun nach nicht einmal 10 Jahren Euro wieder abgeben muss...

    Die Frage die sich mir nun stellt: Ende der Europa Traum mit einem Krieg, oder können sich die einzelnen Staaten friedlich auf eine Rückführung der Nationalstaaten einigen?

    Wie sagt man so schön: Lieber ein Ende mit Schrecken, als ein Schrecken ohne Ende...

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