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22.10.2019

10:38

Novelle des Berufsausbildungsgesetzes

Gewerkschaften und SPD dringen auf Neuregelung des dualen Studiums

Von: Barbara Gillmann, Frank Specht

Die GroKo modernisiert die Berufsausbildung, lässt die beliebte Studienform aber unangetastet. SPD und Gewerkschaften pochen auf Wiedervorlage.

Duales Studium: Gewerkschaften und SPD dringen auf Neuregelung dpa

Erstsemester-Studenten in Hannover

Das duale Studium soll reformiert werden.

Berlin Den Gewerkschaften geht die Novelle des Berufsbildungsgesetzes (BBiG), die voraussichtlich am Donnerstag im Bundestag abschließend beraten wird, nicht weit genug. „Für uns ist klar: Nach der Reform ist vor der Reform“, sagte Hans-Jürgen Urban, geschäftsführendes Vorstandsmitglied der IG Metall, dem Handelsblatt. „Die Bundesregierung muss sich des dualen Studiums annehmen, das eine immer größere Rolle bei der Berufsbildung spielt.“ Daher müsse es auch im Rahmen des BBiG geregelt werden.

Mehr als 100.000 Studierende kombinieren mittlerweile die theoretische Ausbildung an einer Hochschule oder Berufsakademie mit Praxisphasen in Unternehmen. Besonders beliebt ist das duale Studium in technischen und wirtschaftswissenschaftlichen Fächern.

Die IG Metall vermisst jedoch ähnlich wie der DGB und die SPD klare Qualitätskriterien für die Studienphase im Betrieb. Während in der Lehre Gesetze und Tarifverträge greifen, handeln Unternehmen und Studierende im dualen Studium die Praxisphase weitgehend frei untereinander aus, also etwa den Lohn und die Arbeitsbedingungen.

Die SPD hatte in den Verhandlungen mit der Union über das BBiG versucht, das duale Studium einzubeziehen, scheiterte jedoch am Widerstand der Union. Nun ist lediglich ein gemeinsamer Entschließungsantrag geplant: Danach soll das Bundesinstitut für Berufsbildung (BIBB) bis Frühjahr 2022 einen Bericht zur wirtschaftlichen, sozialen und vertragsrechtlichen Lage des dualen Studierenden vorlegen, erklärte die Berichterstatterin Yasmin Fahimi.

Die IG Metall hatte in einer Fallstudie für Baden-Württemberg die unterschiedlichen Angebote unter die Lupe genommen und stieß auf eine nahezu unüberschaubare Vielzahl von Varianten und ein erhebliches Gefälle bei den Qualitätsstandards. Demnach nehmen die Studien- und Prüfungsordnungen der Hochschulen nur wenig Einfluss auf die Praxisphasen. Die meisten Hochschulen sähen sich auch nicht in der Verantwortung, aktiv an der Gestaltung der Ausbildungs- und Praxisphasen mitzuarbeiten, heißt es in der Studie.

Flexibilität als Erfolgsfaktor

Um den gegenwärtigen Flickenteppich bei den Praxisphasen zu beenden, „brauchen wir endlich transparente und einheitliche Spielregeln, damit dual Studierende in der Praxis nicht gegenüber Auszubildenden benachteiligt werden“, sagt Urban. So sollten etwa Mindeststandards für Vergütungs- oder Urlaubsansprüche geregelt werden. Das würde nach Ansicht der IG Metall auch die Autonomie der Hochschulen nicht berühren.

Das Bildungsministerium argumentiert, das duale Studium sei wie das gesamte Hochschulwesen Sache der Länder und könne daher gar nicht im BBiG geregelt werden. Es beruft sich dabei auf ein Gutachten des Verwaltungsrechtlers und Mitglied am Verfassungsgerichtshof Rheinland-Pfalz, Friedhelm Hufen, für das Ministerium, das dem Handelsblatt vorliegt.

Nach Ansicht des FDP-Bildungspolitikers Thomas Sattelberger zeigt die Kontroverse erneut, dass „ohne Kontrolle und Normierung für SPD und Gewerkschaften gar nichts geht“. Nun wollten sie „auch das variantenreiche Duale Studium mit seinem Flaggschiff der Dualen Hochschule Baden-Württemberg unter die Fuchtel“ bekommen, so Sattelberger.

Statt „die wenigen Mängel an Koordination zwischen Studieninhalten und praktischer Erfahrung in einigen Studiengängen durch Auflagen des Akkreditierungsrates präventiv zu beheben, „sollen sie jetzt zum umfassenden Sturm auf das bisher nicht mitbestimmte Duale Studium genutzt werden“, so Sattelberger. „In Wirklichkeit geht es, wie mir ein führender Gewerkschaftsvertreter anvertraute, vor allem um die Erschließung neuer Mitgliederquellen für die Gewerkschaft“, berichtet der FDP-Politiker.

Der bildungspolitische Sprecher der Union, Albert Rupprecht (CSU) meint, „gerade weil das duale Studium nicht starr geregelt war, konnte es sich zum Erfolgsmodell entwickeln“. Nun müsse man „behutsam diskutieren, ob es aus den Kinderschuhen entwachsen ist und stärker reguliert werden sollte – soweit wir als Bundesgesetzgeber hier überhaupt betroffen sind“. Die Grünen tendieren ebenfalls zu der Ansicht, dass das duale Studium samt seiner Praxisphasen Ländersache ist.

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Kommentare (1)

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Herr Ulrich Lehmann

22.10.2019, 13:08 Uhr

Klare inhaltliche Qualitätskriterien für Studienphasen in Betrieben werden von Hochschulen bzw. den genehmigenden Lehrstühlen/Professoren gesetzt. Man nennt es akademische Freiheit - Gewerkschaften und Parteien haben dabei nicht mitzureden!

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