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29.07.2018

16:45 Uhr

Nullzinspolitik

Trotz Niedrigzinsen – diese Länder zeigen Alternativen für Pensionsrücklagen

VonAstrid Dörner, Helmut Steuer, Carsten Volkery

Nicht in jedem Land herrscht Anlagenotstand. Norwegen, die USA und Großbritannien zeigen Alternativen in Zeiten von Null- oder Negativzinsen.

In anderen Ländern werden trotz Null- oder Negativzinsen mehr Erträge für den Wohlfahrtsstaat erwirtschaftet. Reuters

Renditen

In anderen Ländern werden trotz Null- oder Negativzinsen mehr Erträge für den Wohlfahrtsstaat erwirtschaftet.

New York, Stockholm, LondonDie Politik der niedrigen Zinsen belastet die deutschen Sozialkassen. Doch nicht überall herrscht Anlagenotstand, wenn es darum geht, Erträge für den Wohlfahrtsstaat zu erwirtschaften. Das zeigt ein Blick ins Ausland.

Norwegen

Der größte Staatsfonds der Welt, der norwegische Ölfonds, ist bislang von den Null- oder Negativzinsen nicht sehr stark betroffen. Denn der Fonds, der derzeit mehr als 8500 Milliarden Kronen (890 Milliarden Euro) verwaltet und damit einen effektiven Wohlfahrtsstaat auch für künftige Generationen sichern soll, legt sein Geld größtenteils in Aktien an. „2017 war ein außergewöhnlich gutes Jahr für den Fonds“, erklärte dessen Chef Yngve Slyngstad bei der Vorlage der Zahlen.

Der Fonds habe von dem Aktienboom im vergangenen Jahr profitiert. Nach den Vorgaben der norwegischen Regierung darf er bis zu 70 Prozent seines Kapitals in Aktien anlegen. Bis zu 25 Prozent können in Staatsbonds investiert werden, bis zu fünf Prozent in Immobilien.

Mit den Aktieninvestitionen erzielte der Fonds eine Rendite von 19,4 Prozent. Die Staatsbonds kamen dagegen nur auf eine Verzinsung von 3,3 Prozent. Der Wert der Immobilien legte um 2,6 zu. Mittlerweile gehören dem Fonds rund 1,5 Prozent sämtlicher auf der Welt ausgegebener Aktien. Der Fonds wurde eingerichtet, um den Wohlfahrtsstaat weiter finanzieren zu können, nachdem Öl- und Gasquellen versiegt sind.

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Dank der Anlageregeln der Regierung ermöglichen, kann er seine Erträge relativ breit investieren. In Norwegen darf der Fonds indes nicht anlegen, um die heimische Wirtschaft nicht zu überhitzen.

USA

In den USA herrschen bei den Anlagemöglichkeiten der Sozialkassen ähnlich strenge Regeln wie in Deutschland. Der sogenannte Social Security Trust Fund, der mit Steuergeld gefüllt wird und aus dem Leistungen für Rentner, Hinterbliebene und Behinderte finanziert werden können, investiert lediglich in eine besondere Art von US-Staatsanleihen. Anders als andere Treasurys werden diese Anleihen nicht an den Märkten gehandelt.

Sie erzielen jedoch Renditen und orientieren sich bei der Höhe an den Renditen von mittel- bis langfristigen Staatspapieren.

2017 lag die Rendite bei im Schnitt 3,2 Prozent, der Fonds hatte zum Jahresende Anleihen im Wert von 2,9 Billionen Dollar angehäuft. In diesem Jahr muss die Regierung zum ersten Mal auf jene Reserven zurückgreifen, weil die laufenden Einnahmen nicht ausreichen, um den Rentenansprüchen der Ruheständler gerecht zu werden. 

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Großbritannien

Die gesetzliche Rente in Großbritannien fällt im internationalen Vergleich eher niedrig aus. Laut der Industrieländerorganisation OECD kann ein männlicher Durchschnittsverdiener nach der Pensionierung nur 29 Prozent seines früheren Einkommens als Altersgeld erwarten.

Daher ist die Absicherung über Betriebsrenten oder private Vorsorge wichtig. Jeder Arbeitgeber ist verpflichtet, eine betriebliche Altersvorsorge anzubieten. Waren früher feste Pensionszusagen üblich, dominieren heute Direktversicherungen. Die rund 5600 Kassen, die feste Pensionszusagen zu erfüllen haben, schützt der staatliche Pension Protection Fund. Er greift immer dann, wenn ein Unternehmen insolvent ist - wie zuletzt der Carillion-Konzern.

Im jüngsten Bericht zur Lage der Betriebsrenten lautete die Bilanz des Protection Funds, dass 3600 dieser Kassen im Minus waren und nur 2000 im Plus – obwohl es keine gesetzlichen Einschränkungen bei der Investmentstrategie gibt. Insgesamt betrug das Defizit Ende Juni 85,6 Milliarden Pfund (96,7 Milliarden Euro).

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