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10.10.2022

14:45

OECD-Migrationsausblick

Deutschland ist wichtigstes nicht englischsprachiges Zielland für ausländische Studierende

Von: Frank Specht, Barbara Gillmann

Die Einwanderung von EU-Bürgern nach Deutschland hat ihren Zenit überschritten. Umso wichtiger wird es, Fachkräfte und besonders ausländische Studierende aus Drittstaaten anzulocken.

Deutschland ist als Zielland für ausländische Studierende attraktiver geworden. dpa

Voller Hörsaal an der Universität Göttingen

Deutschland ist als Zielland für ausländische Studierende attraktiver geworden.

Berlin Ausländische Studierende können einen wichtigen Beitrag leisten, den Fachkräftemangel in Deutschland zu bekämpfen. Der Anteil der Akademiker, die nach Abschluss des Studiums zum Arbeiten hierbleiben, ist in den zurückliegenden Jahren deutlich gestiegen. Und wer bereits hier studiert hat, integriert sich besser in den deutschen Arbeitsmarkt als andere Zuwanderer. Darauf weist die Industrieländerorganisation OECD in ihrem neuen Migrationsausblick hin.

Die Situation internationaler Studierender ist darin ein vom Bundesbildungsministerium gefördertes Schwerpunktthema. Thomas Liebig, leitender Ökonom in der Abteilung für Internationale Migration der OECD, sieht dennoch Nachholbedarf: „Deutschland könnte das Potenzial ausländischer Studierender noch besser nutzen“, sagt er.

Bundesbildungsministerin Bettina Stark-Watzinger (FDP) erklärte die Attraktivität Deutschlands mit den „hervorragende Studienbedingungen und den im internationalen Vergleich guten Möglichkeiten, nach dem Studium als Fachkraft in Deutschland zu bleiben“. Doch es sei noch mehr möglich: „Dieses enorme Fachkräftepotenzial sollten wir künftig noch besser ausschöpfen“, sagte sie dem Handelsblatt. Sie wolle sich daher dafür einsetzen, „die Bedingungen für die Visaerteilung, Einreise und den Aufenthalt für internationale Studierende und Forschende weiter zu verbessern.“

Insgesamt waren im Jahr 2020 in Deutschland 369.000 Studentinnen und Studenten aus dem Ausland immatrikuliert, was acht Prozent aller international Studierenden in den 38 OECD-Ländern entspricht. Unter den Zielländern lag die Bundesrepublik damit hinter den englischsprachigen Nationen USA, Großbritannien und Australien auf dem vierten Rang. „Deutschland hat klar Frankreich hinter sich gelassen als wichtigstes nicht angelsächsisches Zielland“, sagt Liebig.

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    Zwei von fünf ausländischen Studierenden in Deutschland stammen aus Asien, wobei China, Indien und Syrien die Hauptherkunftsländer sind. Gemessen an den Studienbedingungen – hierzulande werden in der Regel keine Studiengebühren erhoben – und den Möglichkeiten, schon parallel zum Studium zu arbeiten und später als Fachkraft zu bleiben, zählt Deutschland nach Einschätzung der OECD mit zu den attraktivsten Nationen. Nur die Schweiz, Norwegen und Finnland schneiden hier noch besser ab. Deutschland hat schon einiges getan, um hierzulande ausgebildete Akademiker zum Bleiben zu bewegen. So können Studierende aus Drittstaaten beispielsweise ihre Aufenthaltserlaubnis nach Abschluss des Studiums für bis zu 18 Monate verlängern lassen, um sich einen Job zu suchen.

    Studierende bleiben nach Abschluss länger in Deutschland

    Maßnahmen wie diese hätten mit dazu beigetragen, dass die Bleibequoten gestiegen seien, schreibt die OECD. Fast zwei von drei Migranten, die 2015 zum Studieren hierhergekommen seien, hielten sich 2020 noch in Deutschland auf – meist als Erwerbstätige. Fünf Jahre zuvor lag die Bleibequote der im Jahr 2010 eingewanderten Studierenden nur bei 54 Prozent. Im Bemühen, ausländische Studierende für einen längerfristigen Aufenthalt zu gewinnen, belege Deutschland nach Kanada einen Spitzenplatz unter den Industrieländern.

    Die OECD weist darauf hin, dass Studierende aus dem Ausland in Deutschland überdurchschnittlich häufig ein ingenieurwissenschaftliches Fach belegen. Das ist deshalb bedeutsam, weil der Fachkräftemangel in Berufen, die eine Ausbildung in Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften oder Technik (MINT) erfordern, besonders groß ist.

    Dass ausländische Studierende während des Studiums schon deutsche Gepflogenheiten kennen lernen und die Sprache lernen, begünstigt ihre Arbeitsmarktintegration. Fünf Jahre nach der Einreise liegt ihre Beschäftigungsquote mit 77,5 Prozent höher als bei Zuwanderern insgesamt mit 71 Prozent.

    Allerdings seien ausländische Studierende auch nicht die „eierlegende Wollmilchsau der Erwerbsmigration“, weil sie beispielsweise den Bedarf an beruflich Gebildeten nicht deckten, sagt Liebig. Zudem trage die akademische Ausbildung den Bedürfnissen des Arbeitsmarkts nicht immer hinreichend Rechnung.

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    Dennoch lohne die Anstrengung, Deutschland noch attraktiver für Studierende aus dem Ausland zu machen. „Beispielsweise könnte man mehr für die Sprachförderung im Inland und in den Herkunftsländern tun und auch im Ausland noch stärker für ein Studium in Deutschland werben“, sagt Liebig.

    Wie der OECD-Migrationsausblick weiter zeigt, dürfte Deutschland im laufenden Jahr eine Rekordeinwanderung erleben, was vor allem auf die ukrainischen Geflüchteten zurückzuführen sei. Dagegen hat die Migration von Bürgern anderer EU-Länder nach Deutschland ihren Zenit wohl überschritten. Im Jahr 2021 kamen noch weniger als im ersten Coronajahr 2020. „Die Dynamik ist da ganz klar raus“, sagt Liebig. Umso wichtiger werde es für Deutschland, Migranten aus Ländern außerhalb der EU anzuziehen.

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