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17.03.2016

14:19 Uhr

Petry kontra Hayali

AfD-Chefin sorgt mit Attacke auf Journalistin für Empörung

VonDietmar Neuerer

Zweimal wird AfD-Chefin Petry ins ZDF-„Morgenmagazin“ eingeladen, zweimal kommt sie nicht. Weil die Moderatorin den Vorgang öffentlich kommentiert, bringt Petry Konsequenzen ins Spiel. Entsprechend sind die Reaktionen.

AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry: Heftiger Streit mit dem ZDF. AP

Frauke Petry

AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry: Heftiger Streit mit dem ZDF.

BerlinDass sich zwischen dem ZDF und der AfD ein Konflikt anbahnen könnte, deutete sich am Dienstag an. Zu diesem Zeitpunkt war der Sender mit zwei Interviewangeboten an Parteichefin Frauke Petry zum AfD-Triumph bei den Landtagswahlen ins Leere gelaufen. Am Montag erschien Petry zum vereinbarten Gespräch im „Morgenmagazin“ einfach nicht, eine Anfrage für den darauffolgenden Tag lehnte sie aus Termingründen ab.

Als der erste Ausfall bekannt wurde, sah sich Sprecher der Partei, Christian Lüth, am Montag bereits genötigt, dem Eindruck entgegenzuwirken, Petry habe verschlafen. Petry habe den Termin in ihrem Kalender übersehen, erklärte er. Später hieß es, der Termin sei wegen eines Hackerangriffs auf die Server der AfD im E-Mail-Postfach untergegangen.

Einen Tag später, nachdem sich das Thema seinen Weg durch die sozialen Medien bahnte und teils hämisch diskutiert wurde, legte Lüth nach und schrieb bei Twitter: „Gibt es nichts Wichtigeres in der Republik? Geplatztes Interview mit Dunja Hayali.“

Inzwischen haben die nicht stattgefundenen Interviews eine dermaßen große Wichtigkeit angenommen, dass Petry am Mittwochabend mit einer Pressemitteilung reagierte. Und irgendwie scheint sich damit zu bewahrheiten, was der „Tagesspiegel“ zuvor vermutet hatte: „Auch am Dienstag kam die AfD-Parteichefin Frauke Petry nicht zum ZDF-„Morgenmagazin“ wie am Tag zuvor. Liegt es an der ZDF-Moderatorin?“, schrieb die Zeitung.

Die Gesichter der AfD

Alexander Gauland, Bundesvorsitzender

Gauland gilt als gewiefter Taktiker und mächtigster Mann der AfD. Als Vorsitzender der Bundestagsfraktion hält er bereits viele Fäden in der Hand. Gauland ist dem rechtsnationalen Flügel verbunden. Flügel-Gründer Höcke ist aus seiner Sicht ein „Nationalromantiker“. Für das ehemalige CDU-Mitglied Gauland ist die AfD die dritte Karriere. Als junger Politiker war er die rechte Hand des CDU-Politikers und früheren hessischen Ministerpräsidenten Walter Wallmann. Später wurde Gauland in Potsdam Herausgeber der „Märkischen Allgemeinen“.

Jörg Meuthen, Co-Bundesvorsitzender

Meuthen arbeitete vor seinem Einstieg in die Politik als Professor für Volkswirtschaft an der Hochschule für öffentliche Verwaltung in Kehl. Im Juli 2015 wurde er auf einem stürmischen Parteitag in Essen als Repräsentant des wirtschaftsliberalen Flügels zum Co-Vorsitzenden der AfD neben Frauke Petry gewählt. 2016 zog er als AfD-Spitzenkandidat in den Landtag von Baden-Württemberg ein. Später näherte sich Meuthen dem rechtsnationalen Flügel um den Thüringer AfD-Landeschef Björn Höcke an. Anfang November kündigte er seinen Wechsel von Stuttgart ins Europäische Parlament an.

Georg Pazderski, Parteivize

Pazderski ist Landes- und Fraktionschef der Berliner AfD. Dem Bundesvorstand gehörte er bisher als Beisitzer an. Schrille Töne sind dem ehemaligen Oberst im Generalstab der Bundeswehr genauso ein Graus wie politische Korrektheit. In einer Rede im Berliner Abgeordnetenhaus erzählte er, wie sein polnischer Vater als Jugendlicher für die Deutschen Zwangsarbeit leisten musste. In dem Vorstoß für einen Parteiausschluss von Höcke sah er eine „große Chance für die AfD, im bürgerlichen konservativ-liberalen Lager Fuß zu fassen“.

Albrecht Glaser, Parteivize

Glaser war früher CDU-Mitglied und Stadtkämmerer in Frankfurt am Main. Der AfD-Spitze gehörte der Bundestagsabgeordnete aus Hessen schon bisher als Stellvertreter an. In der Partei ist Glaser durch seine Arbeit als Leiter der Programmkommission gut vernetzt. Die damalige Parteivorsitzende Frauke Petry schlug ihn 2016 als Kandidaten für die Wahl des Bundespräsidenten vor. Bei der Wahl durch die Bundesversammlung erhielt der chancenlose Glaser mindestens sieben Stimmen aus anderen Parteien. Im Oktober kandidierte er für das Amt des Bundestagsvizepräsidenten und fiel dreimal durch. Die anderen Parteien begründeten ihre Ablehnung mit Äußerungen Glasers zur Religionsfreiheit und zum Islam.

Kay Gottschalk, Parteivize

Gottschalk ist Mitglied im größten AfD-Landesverband Nordrhein-Westfalen. Der Bundestagsabgeordnete galt als Verbündeter von Frauke Petry. Nach ihrem Rückzug twitterte er: „Frauke Petry will also nicht unserer Fraktion angehören. Das ist schade!“ Mittlerweile er auf die Gauland-Linie eingeschwenkt. Beim Parteitag in Hannover wurde er vor dem Kongresszentrum von Demonstranten an der Hand verletzt. Daraufhin sprach er vor den Delegierten von „Linksfaschisten“. Deren Gesichter seien „stumpf und empathielos“, rief Gottschalk den laut klatschenden und johlenden AfDlern zu. „Die hätten auch (...) ein KZ führen können.“

Tatsächlich geht Petry in ihrer Pressemitteilung ins Volle und teilt heftig gegen die „Morgenmagazin“-Moderatorin aus. Sie wirft Hayali vor, seit Montag über Twitter und andere Online-Medien wiederholt interne Kommunikationsdaten über eine in ihr Fernsehformat veröffentlicht zu haben. Hayali hatte zuvor via Twitter erklärt: „Wenn jemand nicht auftaucht, wir aber in der Sendung mehrfach auf alle Gesprächspartner hinweisen, ist eine Erklärung notwendig.“ Ausführlicher kommentierte Hayali die von Petry nicht wahrgenommenen Interviewtermine auf ihrer Facebook-Seite unter der Überschrift „Frauke Petry und das ZDF morgenmagazin – eine kurze Erklärung, weil viele von Ihnen gefragt haben, was denn da los sei.“

Die Vorwürfe Petrys gegenüber der ZDF-Journalistin gipfelten schließlich darin, dass sie dem Sender in ihrer Pressemitteilung nahelegte, Hayali aus dem Verkehr zu ziehen („Es sieht so aus, als würde im MoMa dringend frischer Wind gebraucht.“). Die AfD-Chefin begründete dies unter anderem damit, dass Hayali, die sie als „offensichtliche Politaktivistin“ bezeichnete, eine „Skandalisierung“ des Vorgangs betrieben habe.

Mit ihrer Attacke hat Petry heftige Reaktionen ausgelöst, etwa auf ihrer Facebook-Seite, auf der sie die Pressemitteilung veröffentlichte. Und auch das ZDF reagierte. Der Deutsche Journalisten-Verband (DJV) griff Petry frontal an.

„Das sieht der AfD ähnlich: Journalisten, die sich gegenüber der Rechts-Partei kritisch verhalten, werden persönlich diffamiert und in die Ecke von Politaktivisten gerückt“, sagte DJV-Sprecher Hendrik Zörner dem Handelsblatt. Die Wahrheit sei vielmehr, dass Petry und ihre Mitarbeiter nicht in der Lage gewesen seien, vereinbarte Interviewtermine einzuhalten. Dabei hätten sie sich „in Widersprüche verstrickt, als sie die Patzer rechtfertigen wollten“.

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