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07.09.2017

10:15 Uhr

Radioaktive Abfälle

Deutsche zweifeln an Zeitplan für Atommüll-Endlager

VonSilke Kersting

Gerade wurde die Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Müll offiziell gestartet. Eine Umfrage zeigt: Deutsche sind beim Zeitplan skeptisch. Ein Drittel geht davon aus, dass es gar keine Einigung geben wird.

Wohin mit dem stark strahlenden Erbe? Die Bevölkerung ist skeptisch, dass bis 2031 ein Endlager gefunden wird. dpa

Suche nach einem Endlager für hoch radioaktiven Müll

Wohin mit dem stark strahlenden Erbe? Die Bevölkerung ist skeptisch, dass bis 2031 ein Endlager gefunden wird.

BerlinNur eine Minderheit der Deutschen glaubt daran, dass bis 2031 ein Standort zur Endlagerung hochradioaktiver Abfälle gefunden sein wird. Das zeigt eine Umfrage des Instituts für Demoskopie Allensbach im Auftrag des Deutschen Atomforums (DAtF), die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt. Rund ein Drittel der Befragten geht sogar davon aus, dass es zu gar keiner Einigung kommen wird, wo in Deutschland ein Endlager entstehen könnte.

Am Dienstag hatte die neu gegründete Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) offiziell den Prozess zur Standortauswahl gestartet. Das zugrunde liegende Standortauswahlgesetz, nach dem bis 2031 ein Standort für den stark strahlenden Abfall gefunden werden soll, war bereits im Frühjahr von Bundestag und Bundesrat verabschiedet worden. Grundsätzlich kommen alle Regionen in Deutschland für ein solches Endlager in Frage. Ausgangspunkt ist die „weiße Landkarte“, die eine unvoreingenommene Suche garantieren soll. Keine Region, kein Standort ist tabu, bevor nicht intensive geologische Prüfungen vorgenommen wurden.

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Der Termin 2031 gilt zwar als ambitioniert, aber auch als notwendig, um bei diesem ungelösten Thema vorwärts zu kommen. Bislang lagern die stark strahlenden abgebrannten Brennelemente in Castor-Behältern in Zwischenlagern in unmittelbarer Nähe zu den Atomkraftwerken, deren Zulassungen aber auslaufen, bevor ein neuer Standort gefunden und endgültig fertiggestellt ist.

Laut Allensbach-Studie plädiert eine Mehrheit von 51 Prozent der Befragten zur Lagerung der hoch radioaktiven Abfälle wie bisher an den bestehenden Standorten der Kernkraftwerke, bis ein Endlager in Betrieb genommen werden kann. Nur 19 Prozent befürworten eine zentrale Zwischenlagerung am Standort des zu errichtenden Endlagers. Wenn die bestehenden Zwischenlager weiter genutzt werden sollen, müssen ihre Betriebsgenehmigungen jedoch verlängert werden. Ein Selbstläufer ist das nicht, weil sich im Zeitverlauf immer wieder neu die Frage stellt, ob die bestehenden Zwischenlager angesichts etwa möglicher neuer Terrorgefahren sicher genug sind oder nachgerüstet werden müssen.

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Auch wenn Deutschland entschieden hat, aus der Atomenergie endgültig auszusteigen, setzen andere EU-Länder weiterhin auf Atomkraft – was bei vielen Deutschen auf Unbehagen stößt. In der Allensbach-Umfrage spricht sich eine Mehrheit der Befragten dafür aus, dass EU-Länder, die Kernkraftwerke betreiben, nicht allein über die Zukunft ihrer Anlagen entscheiden sollten. 37 Prozent würden es für richtig halten, die Entscheidung darüber in Absprache mit den jeweiligen Nachbarländern zu treffen. 36 Prozent sind der Meinung, dass die EU darüber entscheiden sollte. Für Unruhe in Deutschland hatten zuletzt vor allem Sicherheitsbedenken bei Meilern im benachbarten Belgien gesorgt.

Die Allensbach-Studie stützt sich auf die persönliche Befragung von insgesamt 1421 Deutschen ab 16 Jahren im August.

Kommentare (5)

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Herr Holger Narrog

07.09.2017, 10:37 Uhr

Das Endlagersuchgesetz ist in der Tat so formuliert und die Gremien so besetzt dass die Suche mit Sicherheit erfolglos bleibt.

Die Konsequenz ist das die Kosten durch den dauerhaften Betrieb von oberirdischen Zwischenlagern maximiert werden, die radioaktive Exposition wird maximiert und das sehr geringe Risiko wird gleichfalls maximiert*.

Hauptziel der grünen, schwarzen und roten Genossen ist wahrscheinlich der 2-stellige Milliardenbetrag den die Versorger an den Staat überwiesen haben. Dieses Geld erlaubt es Posten für verdiente Politiker zu schaffen, Grüne NGO und Institute mit lukrativen Gutachten zu versorgen oder wie auch immer zugunsten des politischen Regimes auszugeben.



*Abgebrannter Kernbrennstoff klingt exponentiell ab. In den ersten Jahren nach der Bestrahlung ist diese so intensiv, dass der Brennstoff im Wasser gelagert werden muss. Nach einigen Jahrhunderten ist der abgebrannte Kernbrennstoff nur mehr etwas radioaktiver ist als Uranerz. Deshalb wäre eine sichere Lagerung in den ersten Jahrzehnten nach der Entnahme aus dem Reaktor prioritär. Später ist die Gefahr geringer als die durch umweltschädliche CdTe Solarzellen die man aus ökoreligiösem Stolz in die Landschaft stellt.

Herr Werner r

07.09.2017, 10:39 Uhr

Laut Nuklearia - Verein für moderne und sichere Kernenergie - kann mit Schnellreaktoren der radioaktive Müll abgebaut werden. Es verbleibt eine geringe strahlende Restmenge mit Abklingzeiten in der Größenordnung von 300 Jahren. Solch ein Schnellreaktor existiert seit 2016 in Russland. Frankreich, Großbritannien u.a. sollen entsprechende Pläne haben. Falls die Mitteilung von Nuklearia zutrifft, wäre das für mich eine denkbare Alternative.

Herr Holger Narrog

07.09.2017, 11:10 Uhr

Hallo Herr Werner,

die Texte in Nuklearia sind optimistisch.

Sachlich gesehen kann man sicherlich den abgebrannten Kernbrennstoff wiederaufarbeiten und als Brennstoff für Schnelle Reaktoren nutzen. Dies entspricht dem Deutschen Energiekonzept der 60 - 80er Jahre.

In der aktuellen Konstellation mit extremen Auflagen und Dokumentationspflichten für kerntechnische Anlagen ist eine solche Vorgehensweise nicht wirtschaftlich.

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