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23.11.2021

20:11

Rennen um CDU-Vorsitz

Serap Güler – Die mögliche neue CDU-Generalsekretärin will die Partei sozialer ausrichten

Von: Jan Hildebrand

Noch-Kanzleramtschef Helge Braun will die 41-Jährige zur Generalsekretärin machen, sollte er CDU-Chef werden. Die Integrationspolitikerin gilt als starke Kandidatin, polarisiert aber auch in der Partei.

Die Kölner Politikerin bezeichnet sich als Kind einer Arbeiterfamilie. Sie will die CDU sozialer ausrichten. dpa

Serap Güler bei ihrer Pressekonferenz mit Helge Braun

Die Kölner Politikerin bezeichnet sich als Kind einer Arbeiterfamilie. Sie will die CDU sozialer ausrichten.

Berlin Dem Überraschungskandidaten ist gleich noch eine Überraschung gelungen: Zunächst war der geschäftsführende Kanzleramtschef Helge Braun, 49, etwas belächelt worden, als er ankündigte, sich um den CDU-Vorsitz zu bewerben. Gegen die beiden Konkurrenten Norbert Röttgen und Friedrich Merz sei Braun einigermaßen chancenlos, so die Einschätzung vieler in der Partei.

Einige dieser Kritiker sind nun etwas leiser geworden. Das liegt vor allem an dem Team, das Braun präsentierte. Er tritt zusammen mit der Kölner Bundestagsabgeordneten Serap Güler und der Digitalpolitikerin Nadine Schön an. „Starke Frauen“ würden künftig eine „starke Rolle“ spielen, sagte Braun.

Falls der Noch-Kanzleramtschef zum CDU-Vorsitzenden gewählt wird, will er Güler zur neuen Generalsekretärin machen. Sie bekäme damit eine Schlüsselrolle beim Wiederaufbau der CDU nach der historischen Niederlage bei der Bundestagswahl.

Auch für Güler ist das eine unerwartete Wende. Die 41-Jährige hatte in ihrem Wahlkreis gegen den SPD-Gesundheitsexperten Karl Lauterbach klar verloren. Und zunächst sah es so aus, als hätte sie damit auch den Einzug in den Bundestag verpasst. Doch dann schaffte sie es doch noch über die Landesliste. Und nun kämpft die neue Bundestagsabgeordnete zusammen mit Braun um die CDU-Führung.

Es ist ein weiterer Schritt einer Politikerin, die eine Aufstiegsgeschichte verkörpert. Gülers Vater, ein sogenannter türkischer Gastarbeiter, war Bergmann, ihre Mutter ging später putzen. „Ich bin Kind einer Arbeiterfamilie“, sagte Güler bei ihrem Auftritt mit Braun.

Sie selbst machte eine Ausbildung zur Hotelfachfrau, bevor sie Kommunikationswissenschaften an der Universität Duisburg-Essen studierte. Sie wisse, wie es sei, für andere Leute das Bett zu machen oder das Bad zu putzen, sagte sie. Entsprechend will Güler die CDU als Partei der hart arbeitenden Menschen positionieren.

Mit dieser Strategie stehen Braun und seine Wunsch-Generalsekretärin nicht allein. Auch Merz und Röttgen haben angekündigt, das Soziale wieder stärker betonen zu wollen. Alle drei Bewerber um den CDU-Posten eint die Erkenntnis, dass die SPD mit klaren Versprechen wie einer stabilen Rente oder bezahlbaren Mieten bei den Wählern gepunktet hat.

Güler, die auch Mitglied beim Arbeitnehmerflügel CDA ist, könnte solch eine sozialere Positionierung glaubwürdig verkaufen. Und sie zeigt als Frau mit Migrationshintergrund, dass die CDU kein Altherrenklub ist.

Integrieren und polarisieren

Güler, die dem Bundesvorstand seit neun Jahren angehört, gilt als Vertraute von Noch-CDU-Chef Armin Laschet. In seiner Zeit als nordrhein-westfälischer Ministerpräsident war sie Integrationsstaatssekretärin. Entsprechend wird sie von vielen auf dem liberalen Parteiflügel verortet. Versuche, die CDU nach rechts zu verschieben, kritisiert sie deutlich. Als in einem Thüringer Wahlkreis der frühere Verfassungsschutzpräsident Hans-Georg Maaßen als Bundestagskandidat nominiert wurde, rügte sie ihre Parteifreunde öffentlich: „Ihr habt echt den Knall nicht gehört.“

Trotzdem will sie sich in keine Parteischublade stecken lassen. Tatsächlich vertritt sie auch konservative Positionen in der Sicherheitspolitik. Sie warnt auch davor, die Integrationskraft des Landes durch weiteren Zuzug von Migranten zu überfordern.

Trotzdem sehen einige aus dem Merz-Lager Güler kritisch, finden ihren Ton gegenüber konservativen Parteifreunden zu konfrontativ. Schnell wurde angemerkt, dass sie etwa auf Twitter auch viele Parteifreunde blockiert habe. Kann so jemand dann die gesamte Partei vertreten?

„Sie kann diskutieren, manchmal polarisieren und auch integrieren“, sagte Braun über Güler. Polarisierung ist für eine Generalsekretärin durchaus notwendig – sobald die personelle Neuaufstellung der CDU abgeschlossen ist, muss sich das dann gegen den politischen Gegner richten.

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