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15.03.2021

06:55

Robert Koch-Institut

Infektionszahlen steigen dramatisch – Notbremsen-Lockdown zu Ostern wird wahrscheinlich

Von: Donata Riedel

RKI-Experten erwarten in der Woche nach Ostern eine Corona-Inzidenz zwischen 200 und 500. Viele Lockerungsschritte dürften deswegen ausfallen.

Mehrere NRW-Kommunen mit niedrigen Corona-Zahlen nutzen die Möglichkeit lokaler Lockerungen und bieten Einkaufsbummel. dpa

Einkaufen in Bielefeld

Mehrere NRW-Kommunen mit niedrigen Corona-Zahlen nutzen die Möglichkeit lokaler Lockerungen und bieten Einkaufsbummel.

Berlin Die gerade erst zum 8. März eingeführten Lockerungen dürften in einigen Bundesländern womöglich vor Ostern wieder enden. In den vergangenen Tagen ist die Inzidenz bundesweit stark gestiegen: Der Wert gibt an, wie viele Menschen je 100.000 Einwohner sich in den vergangenen sieben Tagen mit dem Coronavirus angesteckt haben.

Er lag am Montagmorgen bei 82,9, wie das Robert Koch-Institut (RKI) mitteilte. Am Sonntag hatte der Wert noch 79 betragen, vor einer Woche hatte er bei 68,0 gelegen.

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Im jüngsten Lockerungsbeschluss von Kanzlerin und Ministerpräsidenten ist ab einer Inzidenz von 100 eine Notbremse vorgesehen: Überall dort, wo sie an drei Tagen überschritten wird, sollen automatisch wieder die Lockdown-Regeln vom 7. März gelten: Blumenläden, Gartencenter, Baumärkte, Kosmetikstudios und Sportstätten müssten wieder schließen.

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    Ebenso dürfte der Schulunterricht und die Kitabetreuung wieder eingeschränkt werden. Ebenso müssten „Click and Meet“-Angebote von Innenstadtläden beendet werden, und Flugschulen, Museen und Zoos wieder schließen. Treffen in Privaträumen wären wieder auf einen Haushalt plus eine fremde Person beschränkt.

    Das RKI geht in seinem Lagebericht von Samstag von dramatisch steigenden Infektionszahlen aus. Bis Ostern könnten wieder täglich 30.000 Neuinfektionen gezählt werden, wie zum bisherigen Höchststand an Weihnachten. In der Woche darauf dürften die Fallzahlen weiter steigen. Die dritte Welle könnte sich dann mit weit über 40.000 täglichen Neuinfektionen höher auftürmen als die zweite Welle, die bis Ende Februar abgeflaut war.

    Als Ursache nennt das RKI die britische Virusmutante B 1.1.7, die stärker ansteckend ist als das ursprüngliche Coronavirus, und vermutlich auch mehr schwere Krankheitsverläufe bei jüngeren Menschen verursacht. Die Inzidenz könnte in der Woche nach Ostern zwischen 200 und 500 liegen, warnte das RKI.

    Impfungen stocken

    Der Münchener Mathematikprofessor Christian Fries hat ausgerechnet und auf Twitter gepostet, wie viele Tage es in einzelnen Bundesländern dauern wird, bis die Inzidenz wieder über 100 liegt, sollten die Zahlen weiter so stark steigen wie in den letzten drei Tagen: In Bayern sind es sechs Tage, in Hessen sieben, in NRW zehn, in Baden-Württemberg elf Tage. Auch die Deutschland-weite Inzidenz dürfte in elf Tagen wieder über 100 liegen. Thüringen, Sachsen und Sachsen-Anhalt verzeichnen bereits jetzt eine Inzidenz über 100.

    Der Städte- und Gemeindebund warnte am Sonntag vor dem Scheitern der Öffnungsstrategie. „Wenn wir nicht mehr Mut beweisen und Dinge schnell und praxisorientiert lösen, gefährden wir die Öffnungsperspektiven“, sagte Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg den Zeitungen der Funke Mediengruppe. Es müsse alles dafür getan werden, schnellstmöglich so viele Menschen wie möglich zu impfen.



    Dafür fehlt es allerdings weiterhin an ausreichend Impfstoff. Daran dürfte sich in den nächsten Wochen noch wenig ändern: Am Freitag hatte der Hersteller Astra-Zeneca angekündigt, statt der zuletzt versprochenen 220 Millionen Dosen nur noch 100 Millionen bis zur Jahresmitte an die EU-Staaten zu liefern, und begründete dies mit Exportbeschränkungen.

    EU-Ratschef Charles Michel hatte am Dienstag kritisiert, die USA und Großbritannien hätten „eine regelrechte Sperre verhängt für den Export von Impfstoffen oder Impfstoff-Komponenten“. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) monierte, dass in den vergangenen Monaten „bestimmte Produkte die USA nicht verlassen haben“.

    Schnelltests sollen Lockerungen begleiten

    Es dürfte daher bis Mai oder gar Juni dauern, bis genügend Menschen geimpft sein werden, um die Infektionen zu bremsen. In der Zwischenzeit sollen Schnelltests die Lockerungen begleiten – eigentlich. Allerdings sind sie bisher vielerorts noch nicht in ausreichender Anzahl vorhanden.

    Epidemiologen, darunter der SPD-Politiker Karl Lauterbach, hatten bereits anlässlich des Lockerungsbeschlusses vor einem Jo-Jo-Effekt gewarnt und empfohlen, mit den Lockerungen zu warten, bis die Inzidenz deutlich unter 35 liegt. Ministerpräsidenten und Kanzlerin hatten jedoch eine Kehrtwende weg von der Ziel-Inzidenz 35 vollzogen und die Lockerungen bereits für Inzidenzen zwischen 50 und 100 beschlossen.

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