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10.07.2021

11:50

Rohstoffknappheit

Entspannung bei Rohstoffen? NRW-Wirtschaftsminister sieht Anzeichen für Ende des Preisbooms bei Bauholz

Von: Dietmar Neuerer

Auf Deutschlands Baustellen hat sich der Materialmangel in den vergangenen Wochen weiter verschärft. Doch es gibt Hoffnung auf eine Rückkehr zur Normalität.

Die Preise für Schnittholz sind nahezu explodiert. dpa

Gefällte Fichten

Die Preise für Schnittholz sind nahezu explodiert.

Berlin Der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) sieht mit Blick auf die Rohstoffknappheit und die damit verbundenen Rekordpreise erste Anzeichen für eine Entspannung der Lage.

„Hauptursache für die Lieferengpässe ist der wirtschaftliche Aufschwung, der erfreulich schnell und deutlich an Fahrt aufgenommen hat“, sagte Pinkwart dem Handelsblatt. „Für einige Rohstoffe zeichnet sich derzeit zumindest wieder die Hoffnung auf eine Rückkehr zur Normalität der Preise ab, beispielsweise für Holz, wo die Sägewerke auf Hochtouren arbeiten.“

Mittelfristig kann aus Sicht Pinkwarts die Abschaffung der derzeit geltenden Beschränkung für den Einschlag von Fichtenholz (Einschlagsverordnung) für „zusätzliche Entspannung“ sorgen. Um dem drastischen Preisanstieg und Lieferengpässen beim Bauholz entgegenzuwirken, hatte kürzlich auch Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) vorgeschlagen, wieder mehr gesunde Fichten in Deutschland zu fällen.

Hintergrund ist eine Regelung, die erst im April in Kraft trat und damals den Preisverfall bei Fichtenholz stoppen sollte. Nach einer Verordnung des Bundeslandwirtschaftsministeriums dürfen Waldbesitzer und Forstbetriebe im laufenden Wirtschaftsjahr bis Ende September nicht mehr so viel Fichtenholz wie zuvor einschlagen. Erlaubt sind maximal 85 Prozent der durchschnittlichen Erntemenge der Jahre 2013 bis 2017.

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    Wegen Trockenheit, einer Borkenkäferplage und Stürmen mussten in den vergangenen Jahren sehr viele Fichten geschlagen werden. Die Folge waren übervolle Holzlager und sinkende Preise. Inzwischen hat sich die Lage jedoch umgekehrt, die Baubranche klagt nun über Holzmangel.

    Ifo-Institut: Baustoffmangel verschärft sich weiter

    Auf Deutschlands Baustellen hat sich der Materialmangel in den vergangenen Wochen weiter verschärft. Außerdem berichten die Bauunternehmen mittlerweile nahezu flächendeckend über steigende Preise. Das meldete das Münchener Ifo-Institut am Donnerstag nach seiner jüngsten Umfrage in der Branche.

    Demnach leidet im Hochbau mittlerweile über die Hälfte der Betriebe – 50,4 Prozent – unter verspäteter Anlieferung von Baumaterialien. Im April war noch weniger als ein Viertel der Betriebe von Lieferengpässen betroffen. Daneben berichten aktuell 95 Prozent der befragten Baufirmen, dass die Einkaufspreise in den vergangenen drei Monaten gestiegen seien.

    Knapp und teuer sind demnach sowohl Stahl als auch Schnittholz und Kunststoffteile wie Dämmstoffe. Der Tiefbau leide ebenfalls, aber etwas weniger stark.

    Wirtschaftsminister Pinkwart sprach sich dafür aus, Firmen angesichts steigender Holzpreise vor ungeplanten Kostenrisiken zu schützen. „Bei laufenden Bauprojekten gebietet es die Fairness, dass die Vertragspartner bei Preissprüngen Kompromisse aushandeln“, sagte er. „Bei Neuaufträgen können auch Preisgleitklauseln helfen, Auftragnehmer vor dem Risiko von Preissteigerungen zu schützen.“

    Grafik

    Pinkwart sieht außerdem die EU-Kommission in der Verantwortung, Maßnahmen zu ergreifen. Die EU sei jetzt „gefordert, sich für eine Lockerung von Ex- und Importbeschränkungen, Handelsabkommen und den Abbau von Sonder- und Strafzöllen einzusetzen, um die internationalen Warenströme endlich wieder ungestört laufen zu lassen“.

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