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24.06.2021

12:39

Rohstoffknappheit

Wegen Lieferengpässen: Altmaier will mehr Fichten fällen lassen

Der Bundeswirtschaftsminister will gegen den Holzmangel vorgehen. Derzeit geltende Beschränkungen sollen schnellstens rückgängig gemacht werden.

Nach einer Rechtsverordnung dürfen Waldbesitzer und Forstbetriebe im laufenden Wirtschaftsjahr bis Ende September nicht mehr so viel Fichtenholz wie zuvor einschlagen. dpa

Gefällte Fichten

Nach einer Rechtsverordnung dürfen Waldbesitzer und Forstbetriebe im laufenden Wirtschaftsjahr bis Ende September nicht mehr so viel Fichtenholz wie zuvor einschlagen.

Berlin, Düsseldorf Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) will dem drastischen Preisanstieg und Lieferengpässen beim Bauholz entgegenwirken. Dazu schlägt er vor, wieder mehr gesunde Fichten in Deutschland zu fällen. Die derzeit geltende Beschränkung für den Einschlag von Fichtenholz solle „schnellstmöglich“ rückgängig gemacht machen, heißt es in einem Papier vor, das der Deutschen Presse-Agentur vorlag.

Zuerst hatte die „Rheinische Post“ darüber berichtet. Altmaier dringe auf eine Einigung mit den zuständigen Ressorts noch in dieser Legislaturperiode.

Er schlägt weiter vor, ein Verzicht auf Konventionalstrafen sei sinnvoll, wenn die Rohstoffknappheit kausal für eine verzögerte Leistung sei. Außerdem heißt es in dem Papier: „Zusätzlich zur Verbesserung der Versorgung mit Holz und Holzprodukten aus heimischem Anbau, werden wir uns bei Holz exportierenden Ländern dafür einsetzen, dass internationale Handelshemmnisse abgebaut werden.“

In dem Vorschlagspapier heißt es außerdem: „Wir haben es bei Nadelschnittholzprodukten mit Preissteigerungen von durchschnittlich rund hundert Prozent innerhalb der Jahresfrist zu tun.“ Bauunternehmen, die bislang Holz just in time für konkrete Aufträge eingekauft hätten, könnten trotz guter Konjunktur keine neuen Aufträge mehr annehmen. Lieferengpässe sowie Preisanstiege seien auch für andere Baustoffe zu verzeichnen.

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    Die Ursachen für diese Entwicklungen seien vielschichtig, heißt es. „Waldschäden und Borkenkäferbefall reduzieren die Frischholz- und erhöhen die Schadholzmengen drastisch.“ Die Sägewerke hätten aufgrund der Schadholzmengen ihre Kapazitätsgrenzen erreicht.

    Erst Preisverfall, dann Holzmangel

    Hinzu kämen politische Faktoren, die den internationalen Handel mit Holz als Rohstoff bremsen, sowie coronabedingte Reduzierungen der Produktion und Störungen in den Lieferketten. „Wir müssen diesen krisenhaften Entwicklungen, die Bauindustrie, Bauhandwerk und Holzwirtschaft betreffen, entschlossen entgegentreten.“

    Der Wirtschaftsminister dringt auf eine Einigung mit den zuständigen Ressorts noch in dieser Legislaturperiode. dpa

    Peter Altmaier

    Der Wirtschaftsminister dringt auf eine Einigung mit den zuständigen Ressorts noch in dieser Legislaturperiode.

    Nach einer Rechtsverordnung des Bundeslandwirtschaftsministeriums, die nach Zustimmung des Bundesrats im April in Kraft trat, dürfen Waldbesitzer und Forstbetriebe im laufenden Wirtschaftsjahr bis Ende September nicht mehr so viel Fichtenholz wie zuvor einschlagen – nur noch maximal 85 Prozent der durchschnittlichen Erntemenge der Jahre 2013 bis 2017.

    Wegen einer Borkenkäferplage, Trockenheit und Stürmen mussten in den vergangenen Jahren sehr viele Fichten geschlagen werden, Folge waren übervolle Holzlager und Preisverfall. Die Verordnung sollte helfen, die Preise zu stabilisieren. Die Waldbesitzer bekamen für die Einschränkungen Steuererleichterungen. Inzwischen hat sich die Lage jedoch umgekehrt, die Baubranche klagt nun über Holzmangel.

    Der nordrhein-westfälische Wirtschaftsminister Andreas Pinkwart (FDP) warb zudem für Maßnahmen gegen die stark gestiegenen Holzpreise, um Handwerksformen zu entlasten. „Die aktuell erhöhten Risiken an den Rohstoffmärkten dürfen nicht allein den kleinen und mittleren Unternehmen und ihrer Beschäftigten aufgebürdet werden“, sagte der Vorsitzende der Wirtschaftsministerkonferenz dem Handelsblatt. „Deshalb sollten bei neuen Vergabeverfahren Preisgleitklauseln zugelassen werden, wo immer und soweit das rechtlich zulässig ist, um die Auftragnehmer vor ungeplanten Kostenrisiken zu schützen“.

    Bei Preisgleitklauseln können sich Handwerksbetriebe das Recht einräumen, bei einer Erhöhung der Kosten den Preis anzupassen. Damit können Rohstoffkosten variabel an Kunden weitergegeben werden.

    Der Zentralverband des Deutschen Handwerks (ZDH) begrüßt den Vorstoß. Allerdings bräuchten Handwerksbetriebe auch bei laufenden Verträgen, „die zu ganz anderen Kostenbedingungen kalkuliert wurden, ebenfalls ein gewisses Entgegenkommen der öffentlichen Auftraggeber, um die rasanten Beschaffungspreiserhöhungen betrieblich auffangen zu können“, sagte ZDH-Generalsekretär Holger Schwannecke dem Handelsblatt.

    Pinkwart sagte dazu: „Bei laufenden Verträgen sollten die Vertragsparteien aufeinander zugehen und pragmatische Lösungen suchen.“

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