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14.11.2018

13:47

Schnelles Internet

Der Breitbandausbau wird noch viel teurer als geplant

Von: Daniel Delhaes, Dietmar Neuerer

Der Bund muss mehr als 600 Millionen Euro zusätzlich in den Breitbandausbau stecken. Experten rechnen damit, dass die Kosten weiter steigen.

Die Bundesregierung hat den flächendeckenden Breitbandausbau bis 2025 zugesagt. dpa

Breitbandausbau

Die Bundesregierung hat den flächendeckenden Breitbandausbau bis 2025 zugesagt.

BerlinDer Breitbandausbau in Deutschland verteuert sich massiv. Das geht aus dem Haushaltsentwurf 2019 hervor. Danach muss der Bund weitere 643 Millionen Euro bereitstellen, um Rechnungen für die bereits genehmigten Projekte zum Ausbau des schnellen Internets im ländlichen Raum bezahlen zu können.

Der Bund hatte in der vergangenen Legislaturperiode 3,5 Milliarden Euro bereitgestellt, um den Breitbandausbau im ländlichen Raum zu fördern. Mit dem Geld sollten alle Haushalte bis Ende 2019 zumindest mit Anschlüssen von mindestens 50 Megabit in der Sekunde (Mbit/s) versorgt werden.

Das Ziel hat die Regierung aufgegeben. Ein Grund dafür ist, dass bislang kaum Geld abgeflossen ist und sich die Projekte vielerorts aufgrund mangelnder Kapazitäten erheblich verzögern. Nach Auskunft des Bundes sind bisher 82,9 Prozent der Haushalte mit einem entsprechenden Anschluss versorgt. Während in den größeren Städten mehr als neun von zehn Haushalte einen entsprechenden Anschluss bestellen können, ist dies im ländlichen Raum nur bei jedem zweiten Haushalt möglich.

Von den 643 Millionen Euro, die der Bund nun extra bereitstellen muss, entfallen rund 160 Millionen auf das sogenannte Upgrade. Damit können Kommunen ihre gestellten Förderanträge noch einmal ändern und statt des Ausbaus von 50-Mbit-Anschlüssen gleich die Glasfaserkabel bis in die Häuser verlegen lassen. Damit sind rund eine halbe Milliarde Euro nötig, die die gestiegenen Baukosten decken sollen. Dies entspricht erheblichen Kostensteigerungen.

„Bei einem Teil der in der letzten Legislaturperiode bewilligten Projekte ist eine Aufstockung der Förderung erforderlich, damit diese Projekte möglichst bald umgesetzt werden können“, heißt es zur Begründung in der entsprechenden Vorlage des Finanzministeriums für den Haushaltsausschuss. „Gründe sind Konkretisierungen der Projekte, spürbare Marktpreissteigerungen und – auf Antrag der Kommunen – Upgrade-Kosten.“

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Experten rechnen damit, dass die Kosten weiter steigen. In der Branche ist von einer regelrechten Kostenexplosion von 35 Prozent allein in den vergangenen zwei Jahren die Rede. Als Ursache wird vor allem der politische Druck und die Förderung genannt, mit der die Baukapazitäten am Limit sind. Inzwischen beauftragen Unternehmen wie die Deutsche Telekom bereits Tiefbauer aus ganz Europa, um den Breitbandausbau gewährleisten zu können.

Konkrete Zahlen werden Ende des Monats erwartet, wenn der Bundesverband Breitbandkommunikation (BREKO) eine entsprechende Studie vorstellt. Das Wissenschaftliche Institut für Infrastruktur und Kommunikationsdienste (WIK) hat dazu untersucht, inwiefern die Tiefbaukapazitäten ein Engpass beim Breitbandausbau sind und wie er behoben werden kann.

Im Sommer hatte das Bundesverkehrsministerium bereits einen Gipfel zu der Frage abgehalten. Damals hatten Experten empfohlen, einen langfristigen Förderplan zu erstellen. „So können die Tiefbaukapazitäten besser verteilt und ein weiterer Anstieg der Tiefbaupreise zumindest begrenzt werden“, erklärte damals BREKO-Geschäftsführer Stephan Albers.

Für dieses Jahr hat Breitbandminister Andreas Scheuer (CSU) aber bereits eine weitere Milliarde Euro angekündigt. Allein in diesem Jahr sollen Länder und Kommunen für weitere Schulen, Krankenhäuser und Gewerbegebiete Anträge auf Bundeshilfen stellen können.

Bis zum Ende der Legislaturperiode will die Regierung weitere zwölf Milliarden Euro Fördermittel bereitstellen, da sie jetzt nicht mehr das Ziel verfolgt, flächendeckend nicht nur Anschlüsse mit 50 Mbit/s zu ermöglichen, sondern gleich Glasfaseranschlüsse bis in die Häuser zu verlegen, was deutlich höhere Kosten verursacht. Die Branche selbst investiert jährlich mehr als acht Milliarden Euro in den Breitbandausbau.

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Der Bund bestreitet, dass es einen Zusammenhang zwischen Fördermitteln und höheren Baukosten gibt. „Es ist zu erwarten, dass in der Bauwirtschaft eine nachfragegerechte Erhöhung der Baukapazitäten erfolgen wird“, heißt es in einer Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der FDP-Fraktion im Bundestag.

Deren Verkehrspolitiker Oliver Luksic hält die Prognose für abwegig. „Statt den Breitbandausbau voranzutreiben, hat die Bundesregierung laut eigener Aussage keine Kenntnisse über Kostensteigerungen und hofft unrealistischer Weise auf wachsende Kapazitäten im Bausektor um ihren eigenen Zeitplan zu erfüllen“, sagte Luksic dem Handelsblatt.

Er fürchtet mit weitere Verzögerungen beim Netzausbau. „Die fehlenden Kapazitäten und steigenden Kosten im Tiefbausektor verlangsamen den Breitbandausbau zusehend, abgesehen von falschen politischen Weichenstellungen.“

Doch der Druck der Wirtschaft ist enorm, den Breitbandausbau zügig voran zu bringen. „Gerade in den ländlichen Regionen ist das Internet für neue Geschäftsmodelle leider oft viel zu langsam“, klagt Martin Wansleben, Hauptgeschäftsführer beim Deutschen Industrie- und Handelskammertag.

Mehr als 20.000 Gewerbegebiete seien immer noch nicht ans Glasfasernetz angeschlossen. „Und auch der Ansatz der Bundesregierung, mehr Haushalte, Schienen, Autobahnen und Bundesstraßen mit 5G-Mobilfunk zu versorgen, wird nicht ausreichen, um überall schnelles Internet zu bekommen.“

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Hinzu kommt, dass die meisten Haushalte in Deutschland noch gar keinen direkten Glasfaseranschluss haben und der flächendeckende Ausbau bis 2025 kaum gelingen dürfte, den die Bundesregierung zugesagt hat. Deutschlandweit verfügen laut Bundesregierung aktuell nur 8,5 Prozent der Haushalte über einen solchen sogenannten FTTB/H-Anschluss (Fibre to the Home). „Die neuesten Zahlen zum Stand des Glasfaserausbaus in Deutschland machen mich fassungslos“, sagte Daniela Kluckert (FDP), stellvertretende Vorsitzende des Ausschusses für Verkehr und digitale Infrastruktur, dem Handelsblatt.

Demnach kann in Schleswig-Holstein bereits jeder fünfte Haushalt auf einen Glasfaseranschluss verweisen, in Berlin ist es nur einer von Hundert. „Gerade für die hier ansässige Start-Up-Branche sind das unhaltbare Zustände“, sagte Kluckert. „Sie zeigen das ganze Ausmaß des Scheiterns der Bundesregierung.“ Digitalisierung brauche eine leistungsfähige Netzinfrastruktur. „Wir dürfen den digitalen Wandel nicht noch weiter verschlafen.“

Tatsächlich gibt es ohne Glasfaseranschlüsse auch keine schnellen Mobilfunknetze, müssen die Masten doch ans Breitbandnetz angeschlossen werden. Daher erhöhen inzwischen auch die Bahnindustrie sowie die kommunalen Verkehrsbetriebe erhöhen den Druck. So fordern deren Verbände VDB und VDV entlang aller Schienenwege ein hoch leistungsfähiges Mobilfunknetz mit „weit über 50 Mbit/s, um eine adäquate Versorgung im digitalen Zeitalter zu erreichen“, wie es in einem Forderungspapier heißt.

Das Mobilfunknetz müsse noch „vor 2022 auf 5G-Standard“ ausgebaut werden. Dazu müsse „der Bund seiner Netzausbauverpflichtung gerecht werde“. Ohne die Digitalisierung des Schienenverkehrs sei es nicht möglich, dass politische Ziel zu erreichen, „die Zahl der Kunden bis zum Jahr 2030 zu verdoppeln“.

Ende des Monats wir die Bundesnetzagenturen bekannt geben, zu welchen Vorgaben sie im Frühjahr 2019 Funkfrequenzen für den neuen Mobilfunkstandard 5G vergeben wird. Bislang ist vorgesehen, dass die Netzbetreiber entlang der Schienenwege 100 Mbit bis Ende 2022 bereitstellen, auf 15.000 Kilometern mit weniger als 2000 Fahrgästen am Tag sollen später versorgt werden.

Kommentare (3)

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Herr Hans Henseler

14.11.2018, 16:38 Uhr

Der Bund - sind dass die, die staendig gegen die Dieselautos klagen? Kann unsere Regierung nicht die Telekom-Konzerne verpflichten das zu tun? Und koennen die Anbieter der Leistungen nicht die Preise erhoehen? 600 Mio. sind nicht viel Geld fuer ein ganzes Land -
verglichen mit BER eine Kleinigkeit.

Herr Achim Brueser

14.11.2018, 17:03 Uhr

"Die Kosten steigen" - na und? Über was reden wir denn hier: Über einen extrem wichtigen Ausbau der Infrastruktur des 'Technologie-Standortes Deutschland'. Wir hängen anderen Ländern -auch bei diesem Punkt- meilenweit hinterher. Und wenn man einmal davon ausgeht, dass ein flächendeckender Breitbandausbau letztlich auch für Unternehmen elementar ist, rechnet sich das noch ganz schnell. Im Gegensatz zu vielen anderen Wahlgeschenken und ausgeprägter Klientelpolitik enstehen daduch Umsatzerlöse und Steuereinnahmen.

Herr Siegfried Breyer

15.11.2018, 08:36 Uhr

2 Sachen, die ich nicht wirklich verstehe.
a) Warum reden wir nur von Glasfaseranschlüssen? Ich habe keine Glasfaser im Haus aber aktuell 160 MB mit der Option bis auf 800 MB gehen zu können. Via TV Kabel. Was sagt also die Zahl mit der Glasfaser bis ins Haus? Gar nichts, weil die mögliche Bandbreite wichtig ist und nicht die Technologie.
b) Warum benötige ich an jedem Ort die ganz hohe Bandbreite ? Einen grossen Teil meiner Anwendungen kann ich in die Cloud auslagern und dort die datenübertragungsintensiven Anwendungen betreiben. Lokal in meinem Unternehmen kann ich dann mit deutlich reduzierter Bandbreite die erfassten Daten be-/verarbeiten.

Ich bin etwas überrascht von der Fokussierung auf eine Technik wie Glasfaser, wirklich wichtig sind die Modelle, wie ich mein Geschäft abwickeln kann und da sind Potentiale vorhanden, die nicht auf Glasfaser bis im letzten Winkel angewiesen sind.

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