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03.09.2019

20:07

Schulpolitik

Flickenteppich Schulsystem: FDP fordert zentrale Prüfungen für Abitur und Mittlere Reife

Von: Barbara Gillmann

Deutschland hat 16 verschiedene Schulsysteme. Die Noten der Schüler miteinander zu vergleichen, ist daher schwierig. Das will die FDP nun ändern.

Die FDP will den Bildungsföderalismus reformieren. dpa

Schüler schreiben Abiturprüfungen

Die FDP will den Bildungsföderalismus reformieren.

Berlin 16 Bundesländer, 16 unterschiedliche Bildungssysteme – damit wollen die Liberalen jetzt Schluss machen. Immer mehr belaste der „schulpolitische Flickenteppich“ in Deutschland Schüler, Lehrer und Eltern. Es sei höchste Zeit, um mit „bundesweiten Abschlussprüfungen für die Mittlere Reife und das Abitur für mehr Chancengleichheit zu sorgen“. Das geht aus einem Positionspapier hervor, das die FDP-Bundestagsfraktion auf ihrer Klausurtagung an diesem Mittwoch beschließen will.

„Ausgerechnet die Bildung als alleinige Kernkompetenz der Länder zu betrachten, ist aus der Zeit gefallen“, sagte Katja Suding, Vize-Fraktionsvorsitzende und Bildungsexpertin der FDP. Es könne nicht so bleiben, dass „Schulabschlüsse und die Voraussetzungen, sie zu erreichen, nicht vergleichbar sind“. Schließlich habe selbst das Bundesverfassungsgericht 2017 ein „länderübergreifendes Vergleichbarkeitsdefizit der Abiturnoten“ gerügt.

Die Bürgern sehen das genauso: Beim jüngsten Bildungsbarometer des ifo-Instituts sprachen sich 90 Prozent der Befragten für bundesweite Abschlussprüfungen aus. Auch die Wirtschaft plädierte im Handelsblatt für vergleichbare Noten.

Der OECD-Bildungsexperte Andreas Schleicher kritisierte das deutsche System als „nicht effizient“, weil es Schüler aus Ländern mit schwererem Abitur systematisch benachteilige und entsprechend Ressourcen verschwende: „Wenn man sicherstellen will, dass die besten Studienplätze an die besten Bewerber fallen, muss der Maßstab vergleichbar sein“, sagte Schleicher dem Handelsblatt.

Bisher gilt, dass sich alle Länder für die Abiturprüfung aus einem gemeinsamen Pool von Aufgaben, die Wissenschaftler erstellen, bedienen dürfen. Diese dürfen sie zwar teilweise noch anpassen, doch die Länder nutzen diese Möglichkeit kaum. Dazu kommt, dass auch die Bewertung der Kurse in der Oberstufe, die den Großteil der Abiturnote bestimmen, in den Ländern unterschiedlich ausfällt.

In einem ersten Schritt fordert die FDP daher ein bundesweites Kernabitur in den Fächern Deutsch, Englisch und Mathematik. Denn nur für diese Fächer haben die Kultusminister bereits bundesweites Standards vereinbart. Solche Standards müssten nun jedoch für alle Fächer eingeführt werden. Schließlich müsste die Bewertung der Leistungen in der gesamten Oberstufe vereinheitlicht werden. Gleiches gelte auch für die Mittlere Reife, so die FDP.

Langfristig halten die Liberalen an ihrem Ziel fest, den Einfluss des Bundes im Schulwesen durch eine weitere Grundgesetzänderung zu stärken. In einem „modernen Bildungsföderalismus im 21. Jahrhundert“ müsse der Bund einheitliche Standards fördern, die Länder ihre Systeme innerhalb dieser gemeinsam vereinbarten Standards gestalten und „die Schulen vor Ort größtmögliche Freiheit haben, wie sie diese Standards erreichen“, schildert Vize-Fraktionsvorsitzende Suding das Endziel.

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Kommentare (1)

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Herr Hans Henseler

04.09.2019, 09:52 Uhr

Diese Reform ist laengst ueberfaellig - und Sie sollte noch weitergehen. 16 Kultusminister
und die Staendige Konferenz derselben sind ein Witz. Welches Land leistet sich so etwas?
Und im uebrigen sollten die 16 Laender sowieso auf maximal 9 vereinigt werden.

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