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13.11.2018

13:29

Schwarze Null

Rechnungshof sieht wachsende Risiken für Bundeshaushalt

Bundesrechnungshof-Präsident Kay Scheller sieht den Bundeshaushalt immer stärker unter Druck. Die Koalition müsse den Kurs ihrer Finanzpolitik ändern.

Rechnungshof sieht wachsende Risiken für Bundeshaushalt dpa

Kay Scheller, Präsident des Bundesrechnungshofs

Bundesrechnungshof-Präsident Kay Scheller warnt davor, dass die Leistungen des Bundes an Rentenversicherung in den kommenden Jahren massiv steigen.

BerlinDer Bundesrechnungshof sieht wachsende Risiken für den Bundesetat und hat die Koalition zu einem Kurswechsel in der Finanzpolitik aufgefordert. „Der Bundeshaushalt gerät immer stärker unter Druck“, erklärte Präsident Kay Scheller am Dienstag in Berlin. „Eine expansive Ausgabenpolitik und ausbleibende Konsolidierung nehmen dem Haushalt die Luft zum Atmen.“ Die derzeit günstigen Rahmenbedingungen für den Bundeshaushalt erzeugten eine „Scheinsicherheit“.

Die Bundesfinanzen brauchten Raum, damit die Politik auf die anstehenden Herausforderungen reagieren könne, ohne in die Verschuldung abzugleiten. Scheller nannte als einen zentralen Punkt den demografischen Wandel. Die Leistungen des Bundes an die Rentenversicherung würden in den kommenden Jahren um 100 Milliarden Euro steigen. Dazu kämen zusätzliche notwendige Mittel für den Erhalt und die Modernisierung der Infrastruktur.

Daneben belasteten steigende Hilfen für Länder und Gemeinden den Bund erheblich. Der geplante Wegfall des Solidaritätszuschlags für große Teile der Steuerzahler müsse verfassungsfest ausgestaltet werden. Auf europäischer Ebene gibt es laut Rechnungshof Risiken vor allem wegen des Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union.

Die große Koalition will im kommenden Jahr deutlich mehr für Verteidigung, Entwicklungshilfe und Soziales ausgeben, aber weiterhin auf neue Schulden verzichten. Der Bundeshaushalt für 2019 sieht insgesamt Ausgaben von 356,4 Milliarden Euro vor und damit knapp 13 Milliarden Euro mehr als in diesem Jahr. Das hatten die abschließenden Beratungen des Haushaltsausschusses ergeben. Der Etat soll in der kommenden Woche verabschiedet werden.

Scheller erklärte bei der Vorstellung der „Bemerkungen 2018“ des Rechnungshofs zur Haushalts- und Wirtschaftsführung, zwar sei erneut eine „Schwarze Null“ geplant. Dieses Ziel solle aber ohne Konsolidierungsschritte erreicht werden. Stattdessen seien zusätzliche Ausgaben und steuerliche Entlastungen vorgesehen.

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Eine umfassende kritische Bestandsaufnahme des Bundeshaushalts finde nicht statt. Diese wäre aber gerade in Zeiten gesamtwirtschaftlich günstiger Rahmenbedingungen geboten. „Konsolidierung ist kein Selbstzweck. Sie trägt dazu bei, dass die Politik auch in Zukunft auf Basis nachhaltiger Finanzen handlungsfähig bleibt“, so Scheller.

Der Bundesrechnungshof listet daneben zahlreiche Fälle auf, bei denen es durch „Vollzugsmängel“, aber auch strukturelle Defizite zu erheblichen Steuerausfällen und unangemessenem Bürokratieaufwand komme. Beim Eintreiben von Steuern und der Ausgabenkontrolle wirft die Finanzkontrolle der Regierung milliardenschwere Verschwendung vor. Der Staat lasse sich einen Betrag von rund zehn Milliarden Euro wegen Schlamperei und mangelnder Kostenkontrolle entgehen, kritisierte Scheller.

Ein Beispiel: Nach dem Ankauf von „Steuer-CDs“ mit Informationen über Kapitalerträge von Deutschen im Ausland durch die Finanzbehörden hätten sich viele Bürger selbst angezeigt, so der Rechnungshof. Dabei hätten sie bislang verschwiegene ausländische Kapitalerträge zur Nachversteuerung offengelegt.

Die Finanzämter hätten bei diesen Nachversteuerungen aber nur hinterzogene Jahressteuern verzinst, nicht aber hinterzogene Einkommensteuer-Vorauszahlungen. „Das wussten viele der Beschäftigten in den Finanzämtern nicht“, so der Rechnungshof.

Trotz häufiger Fälle von Umsatzsteuerbetrug gebe es eine mangelhafte Prüfquote. "Sie geht dramatisch zurück." Schon 2006 habe man darauf hingewiesen. Ein Unternehmer müsse statistisch gesehen nur alle 71 Jahre mit einer Sonderprüfung rechnen.

Dem Fiskus seien deswegen seit dem Jahr 2010 Einnahmen von rund 1 Milliarde Euro entgangen. Daneben geht es in den vom Rechnungshof aufgeführten Fällen etwa um Steuerausfälle bei Agrarsubventionen oder unnötige Lagerkosten bei der Bundeswehr.

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