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02.05.2022

14:53

Smartphone

Bezahlen mit dem iPhone: Apple missbraucht laut EU-Kommission seine Marktmacht

Von: Christoph Herwartz

Apple Pay ist nicht genug: Die EU-Kommission stört sich daran, dass andere mobile Geldbörsen nicht auf dem iPhone funktionieren. Das hemme Innovationen und beschränke die Verbraucher.

Vizepräsidentin Margrethe Vestager begründet das Vorgehen der EU-Kommission. AP

Wettbewerbshüterin

Vizepräsidentin Margrethe Vestager begründet das Vorgehen der EU-Kommission.

Brüssel Dass sich auf iPhones keine Apps herunterladen lassen, mit denen man kontaktlos bezahlen kann, ist laut EU-Kommission wahrscheinlich illegal. Apple habe seine marktbeherrschende Stellung ausgenutzt, besagt eine vorläufige Analyse. Das Unternehmen kann nun darauf antworten. Wenn die EU-Kommission dann bei ihrer Einschätzung bleibt, würde eine Strafe fällig werden.

Die Kommission stelle „vorläufig fest, dass Apple den Wettbewerb zugunsten seiner eigenen Lösung Apple Pay beschränkt haben könnte“, sagte Kommission-Vizepräsidentin Margrethe Vestager. „Ein solches Verhalten würde einen Verstoß gegen unsere Wettbewerbsvorschriften darstellen.“

Konkret geht es um das Bezahlen per Nahfeldkommunikation (near field communication, kurz „NFC“). Dabei werden zum Beispiel die Daten einer Kreditkarte auf dem Handy gespeichert. Das Handy kann dann als Kreditkarte genutzt werden, indem es etwa im Supermarkt an ein Lesegerät gehalten wird. Diese Funktion kann auf Android-Handys über verschiedene Apps genutzt werden, Anbieter sind etwa Banken, Samsung, Paypal oder der Android-Hersteller Google selbst.

Auf Apples iPhones gibt es nur die hauseigene „Apple Pay“-App. Der NFC-Chip kann von anderen Anbietern nicht genutzt werden. „Damit werden andere Wettbewerber aus dem Markt für mobile Geldbörsen auf iPhones ausgeschlossen, was die Innovationstätigkeit hemmt und die Auswahl für die Verbraucher verringert“, heißt es in einer Mitteilung der Kommission.

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    Solche Innovationen könnten etwa in Angeboten bestehen, bei denen der Kunde seine Rechnungen erst später bezahlt oder die ihm dabei helfen, die Übersicht über seine Transaktionen zu behalten. Auch ließen sich theoretisch auf diese Weise Kreditkarten von Banken nutzen, mit denen Apple bisher nicht zusammenarbeitet.

    Apple betont die Sicherheit

    Der Wettbewerbsfall wurde zwar nicht von Beschwerden benachteiligter Unternehmen ausgelöst. Allerdings sollen durchaus App-Entwickler und Banken unzufrieden damit gewesen sein, dass sie ihre Dienste nicht auf iPhones anbieten können.

    Die zu erwartende Strafe dürfte nicht besonders hoch ausfallen, da der Markt noch klein ist und Apple pro Transaktion wahrscheinlich nur einen sehr geringen Betrag erhält. Zahlen dazu wollten weder die Kommission noch Apple nennen.

    Apple verteidigte sich lediglich mit einem Hinweis auf die Sicherheit seiner Dienste und auf alternative Angebote: „Apple Pay ist nur eine von vielen Optionen, die den europäischen Verbrauchern für Zahlungen zur Verfügung stehen, und hat für einen gleichberechtigten Zugang zu NFC gesorgt und gleichzeitig branchenführende Standards für Datenschutz und Sicherheit gesetzt.“

    Mit anderen Worten: Auch wer ein iPhone nutzt, kann weiterhin in bar, mit Karte oder über QR-Codes bezahlen und auf Apple Pay. Die EU-Kommission will aber, dass auch die Zahlung per NFC möglich ist, ohne Apple Pay zu nutzen.

    Gesetz soll Zugang zu NFC-Chips erzwingen

    Das Verfahren ist nur eine von vielen Initiativen, mit denen die EU-Kommission gegen das geschlossene iOS-System vorgeht. In einem weiteren Kartellfall wirft die Brüsseler Behörde Apple vor, den Wettbewerb beim Musik-Streaming zu behindern. Der Anbieter Spotify hatte sich über unfaire Bedingungen beschwert, durch die Apple Music einen Vorteil habe.

    Solche Verhaltensweisen sollen sehr großen Unternehmen künftig generell verboten sein. Das Gesetz über Digitale Märkte („Digital Markets Act“) soll im Laufe des Jahres in Kraft treten und die aufwendigen kartellrechtlichen Prüfungen überflüssig machen.

    Auch die bisherigen Ladebuchsen an iPhones sollen künftig anders aussehen. Die EU-Gesetzgeber einigten sich kürzlich auf ein Gesetz, wonach Handys mit USB-C aufladbar sein müssen. Das dürfte in Europa das Aus für Apples Lightning-Stecker bedeuten.

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