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11.08.2021

10:15

Staatsverschuldung & Schuldenuhr

So hoch ist die Staatsverschuldung in Deutschland 2021

Von: Angelika Ivanov, Alina Ruge

Über Jahre konnte die Bundesregierung die schwarze Null halten. Wegen der Coronapandemie verschuldet sich der Staat massiv und stellt einen neuen Rekord auf.

Staatsverschuldung Deutschland 2020: Aktuelle Höhe & Schuldenuhr dpa

Schuldenuhr mit neuem Höchststand

Deutschland hat aufgrund der Corona-Pandemie die schwarze Null verlassen und Schulden in Rekordhöhe aufgenommen.

Die Coronapandemie hat die Wirtschaft erfasst. In der ersten Hälfte des Jahres 2020 ist die Volkswirtschaft so stark eingebrochen, wie zuletzt in der Nachkriegszeit. Um sie wieder ans Laufen zu bringen, hat die Regierung im Juni 2020 ein Konjunkturpaket in Höhe von 167,3 Milliarden Euro beschlossen. Dafür musste sich der Staat verschulden. Doch was bedeutet das eigentlich für den Staat und warum ist eine Staatsverschuldung anders als die eines Privathaushalts? Alle wichtigen Fragen und Antworten zur Staatsverschuldung finden Sie hier im Überblick.

Staatsverschuldung Deutschland 1950 bis 2020 im Überblick

Was ist eine Staatsverschuldung?

Die Staatsverschuldung meint die Verbindlichkeiten eines Staates gegenüber Dritten. Gemessen werden die Schulden an absoluten Zahlen aber auch in einer Staatsschuldenquote. Sie bezeichnet das Verhältnis zwischen der Staatsverschuldung und dem Bruttoinlandsprodukt (BIP) eines Landes.

Staatsverschuldung in Deutschland 2021

Im Vergleich zum 4. Quartal 2020 sind die Schulden des öffentlichen Gesamthaushalts um 1,5 Prozent gestiegen. Die Bundesrepublik Deutschland überschreitet also zum Ende des 1. Quartals 2021 eine Staatsverschuldung in Höhe von 2,2 Billionen Euro

Die Schulden teilen sich folgendermaßen auf: 1,4 Billionen Euro Schulden entfallen auf den Bund; 639,9 Milliarden Euro Schulden haben die Länder; 133,98 Milliarden Euro verteilen sich auf die Gemeinden und Gemeindeverbände und der kleinste Schuldenanteil in Höhe von 54 Milliarden Euro ist auf die Sozialversicherung zurückzuführen.

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    Damit übersteigt die aktuelle Staatsverschuldung Deutschlands den bisherigen Höchstwert von 2,1 Billionen Euro vom 31.Dezember 2020. Der vorherige Rekordwert wurde am 31. Dezember 2012 mit 2,07 Billionen Euro festgestellt. 2,2 Billionen Euro ist demnach der höchste Stand, der jemals in der Schuldenstatistik der Bundesrepublik Deutschland ermittelt wurde. Laut dem statistischen Bundesamt stieg die öffentliche Staatsverschuldung im 1. Quartal 2021 im Vergleich zum 1. Quartal im Vorjahr um 12,8 Prozent.

    Verschuldung der Bundesländer 2021

    Die bisherige Verschuldung der Bundesländer ist unterschiedlich. Berlin, Sachsen-Anhalt und Nordrhein-Westfalen verzeichnen zum 31. März 2021 die höchsten Schuldenanstiege. Berlin und Sachsen-Anhalt verzeichnen je einen Zuwachs von 3,9 Prozent und Nordrhein-Westfalen von 3,4 Prozent im Vergleich zum letzten Quartal 2020. Gegensätzlich dazu verzeichnen Bremen, Schleswig-Holstein und Bayern am 31. März 2021 die höchsten Schuldenrückgänge im Vergleich zum 31. Dezember 2020. In Bremen sanken die Schulden um 12,8 Prozent, in Schleswig-Holstein um 3,3 Prozent und in Bayern um 2,7 Prozent.

    Corona-Pandemie als Ausnahmefall für die Schuldenbremse

    Laut der Schuldenbremse, die 2009 im Grundgesetz der BRD verankert worden ist, darf sich der Bund seit 2016 jährlich um maximal 0,35 Prozent des BIP neu verschulden. Für die Bundesländer ist jegliche Neuverschuldung ab 2020 sogar ausgeschlossen. Als Ausnahmefälle werden Naturkatastrophen und außergewöhnliche Notsituationen, wie eine Weltwirtschaftskrise deklariert. Die Corona-Pandemie und ihre Auswirkungen auf die Wirtschaft sind so ein Fall.

    Wie kommt es zu diesem starken Anstieg der Staatsverschuldung?

    Der Anstieg der Staatsschulden, insbesondere des Bundes und der Länder, ist eine der Folgen der Corona-Pandemie, den damit verbundenen Konjunkturpaketen und der verstärkten Aufnahme finanzieller Mittel von öffentlichen Haushalten zur Bewältigung der Corona-Krise, heißt es seitens des Statistischen Bundesamts.

    Schuldenquote in der EU und Eurozone

    Die europaweit höchste absolute Staatsverschuldung weist Frankreich mit 2,74 Billionen Euro auf. Dicht darauf folgen Italien mit einer Verschuldung von 2,65 Billionen Euro und Deutschland mit 2,36 Billionen Euro.

    Anders sieht es im Ländervergleich der Staatsschuldenquote in Relation zum Bruttoinlandsprodukt innerhalb der EU aus. Hier liegt Griechenland mit einer Schuldenquote für das 1. Quartal 2021 von 209,3 Prozent vorne, gefolgt von Italien auf Platz zwei mit einer Staatsschuldenquote von 160 Prozent. Deutschland ist mit einer Staatsschuldenquote von 71,1 Prozent auf Platz 15 zwischen Ungarn und Finnland.

    Staatsverschuldung 2020 im weltweiten Vergleich

    Weltweiter Spitzenreiter der absoluten Staatsverschuldung war 2020 die USA. Im Juli 2020 erhöhten sich die Schulden der USA um 47 Milliarden US-Dollar auf insgesamt 26,56 Billionen US-Dollar.

    Welche Auswirkungen hat Corona auf die Staatsverschuldung?

    Die Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Weltwirtschaft und die mit der Corona-Krise verbundenen Staatshilfen sind nun sichtbar. Es werden drastische Neuverschuldungen in Deutschland, Europa und weiteren Staaten weltweit prognostiziert. 

    Deutschlands Staatsverschuldung in der aktuellen Schuldenuhr

    Die Schuldenuhr läuft weiter

    Die Durchschnittliche Schuldenquote der Mitgliedsstaaten der Europäischen Union wird im Jahr 2021 voraussichtlich auf etwa 94,4 Prozent des BIP steigen. In diesem Fall würde der durchschnittliche Schuldenstand der EU-Mitgliedsstaaten auf dem höchsten Niveau seit Gründung der EU stehen. 

    Jedoch sind zum aktuellen Zeitpunkt seriöse Prognosen unmöglich. Die zukünftige Höhe der Schuldenlasten kann sich jederzeit ändern. Auch sind mögliche weitere Infektionswellen, Corona-Varianten und dessen Folgen nicht kalkulierbar.

    Was unterscheidet Staatschulden von privaten Schulden?

    Privatpersonen nehmen Schulden auf, um sich etwas zu leisten, dass sie nicht auf einen Schlag zahlen könnten wie etwa ein Haus. Wichtig dabei ist, dass die Schulden in absehbarer Zeit zurückgezahlt werden können. Das heißt Zins und Tilgung müssen aus vorhandenem Einkommen finanzierbar sein.

    Nimmt ein Staat Schulden auf, muss er ihn nicht in einem Lebenszyklus zurückzahlen. Staaten haben viel größere Zeitpuffer, um ihre Schulden zu tilgen. Solange die Wirtschaftsleistung hoch und damit auch die Einkunft der Steuergelder gesichert ist, besteht kein Problem. Erst wenn über Jahre die Schulden nicht bedient werden und die Steuereinnahmen weit unter den Ausgaben für die grundlegenden Aufgaben liegen, wie Sozialleistung, Straßen, Krankensystem, Bildung, kann eine Staatspleite drohen.

    Tabelle: Staatsverschuldung in Deutschland 1950-2020

    JahrPlusMinusVerschuldung
    1950//10 Milliarden
    195511 Milliarden Euro/21 Milliarden Euro
    19608 Milliarden Euro/29 Milliarden Euro
    196516 Milliarden Euro/45 Milliarden Euro
    197019 Milliarden Euro/64 Milliarden Euro
    197566 Milliarden Euro/130 Milliarden Euro
    1980109 Milliarden Euro/239 Milliarden Euro
    1985159 Milliarden Euro/388 Milliarden Euro
    1990160 Milliarden Euro/538 Milliarden Euro
    1995481 Milliarden Euro/1019 Milliarden Euro
    2000192 Milliarden Euro/1211 Milliarden Euro
    2005279 Milliarden Euro/1490 Milliarden Euro
    2010522 Milliarden Euro/2012 Milliarden Euro
    20159 Milliarden Euro/2021 Milliarden Euro
    2019/-122 Mrd. Euro1899 Milliarden Euro
    2020272 Milliarden Euro/2171 Milliarden Euro

    Quelle: Destatis

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