MenüZurück
Wird geladen.

28.11.2018

17:00

Start-ups

Peter Altmaier will gemeinsam mit Wirtschaftsverbänden Gründer fördern

Von: Dana Heide

Ausbildung, Bürokratie, Finanzierung – mit den großen Wirtschaftsverbänden will Minister Altmaier die Themen angehen, die es Start-ups schwer machen.

Die Bedingungen für Gründer könnten besser sein. Bildquelle: WeWork

Coworking-Space

Die Bedingungen für Gründer könnten besser sein.

Bildquelle: WeWork

BerlinEine der ersten Veranstaltungen, die Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) nach seinem Amtsantritt Anfang des Jahres besuchte, war das Deutsche Start-up Camp in Berlin. Die Botschaft war düster. Altmaier nannte es „alarmierend“, dass die Zahl der Neugründungen gesunken ist. Aber er versprach Besserung, einen neuen „Gründergeist“.

Lange Zeit passierte daraufhin nicht viel. Doch jetzt ruft Altmaier gemeinsam mit den vier großen Wirtschaftsverbänden BDA, BDI, DIHK und ZDH zu einer großen Gründungsinitiative auf. Gemeinsam wolle man „die Unternehmenskultur – ob per Neugründung oder in Nachfolge  – in Deutschland stärken und mehr Menschen für unternehmerische Selbstständigkeit motivieren“, heißt es in einer gemeinsamen Erklärung, die dem Handelsblatt vorliegt. In sechs Punkten listen die Initiatoren auf, was sie nun gemeinsam angehen wollen.

Die Zahl der Gründungen war zuletzt weiter gefallen. Laut dem aktuellen Gründungsmonitor der KfW wurden im Jahr 2017 557.000 neue Unternehmen gegründet – zwei Jahre zuvor waren es noch 763.000 Unternehmen. Ein Grund dafür liegt in der guten Arbeitsmarktlage. Normalerweise gründen viele Menschen, weil sie keine Anstellung finden – in wirtschaftlich guten Zeiten ist dieser Grund selten.

Andere Unternehmen werden nicht aus der Not heraus gegründet, sondern mit dem Ziel, schnell und stark zu wachsen. Auch bei diesen sieht es nicht gut aus: Ihre Zahl ist laut Gründungsmonitor allenfalls leicht gestiegen.

„Deutschland braucht mehr Menschen, die mit Mut, Kreativität und Verantwortung eigene Ideen umsetzen und innovative Produkte und Dienstleistungen entwickeln“, heißt es von Altmaier im Vorwort zu einem weiteren Papier aus dem Bundeswirtschaftsministerium, das dem Handelsblatt ebenfalls vorliegt und welches das Ministerium am Donnerstag vorstellen wird. Darin sind zehn Ansätze aufgelistet, wie es Gründern leichter gemacht werden soll.

Grafik

Zusammen mit den vier großen Wirtschaftsverbänden will Altmaier die Punkte angehen, die Start-ups behindern oder Menschen davon abhalten, sich selbstständig zu machen. Schwerpunkte sind dabei die Belebung des Gründergeistes in Deutschland, Unterstützung bei der Unternehmensnachfolge, weniger Bürokratie und mehr steuerliche Entlastungen sowie eine stärkere Förderung von weiblichen Gründern und solchen mit Migrationshintergrund.

Start-up-Geist soll in die Berufsschulen einziehen

Konkret sollen „Chancen und Herausforderungen unternehmerischer Selbstständigkeit“ bei der Ausbildung und in den Berufsschulen stärker vermittelt werden, heißt es in der gemeinsamen Erklärung. Das Bundeswirtschaftsministerium verspricht zudem, sich dafür einzusetzen, dass es künftig möglich ist, ein Unternehmen mit einem Behördengang zu gründen, statt wie heute oft notwendig von einem Amt zum anderen zu laufen.

Eine wichtige Säule ist auch die Finanzierung: Insbesondere in der Frühphase gebe es ausreichend Gründungs- und Wagniskapital, so die gemeinsame Bestandsanalyse der Wirtschaftsverbände und des Bundeswirtschaftsministeriums. „Jetzt gilt es, die Bedingungen so zu entwickeln, dass mehr privates Beteiligungskapital mobilisiert werden kann.“

Kommentar: Altmaiers Gründungsinitiative ist lobenswert – nun müssen Taten folgen

Kommentar

Altmaiers Gründungsinitiative ist lobenswert – nun müssen Taten folgen

Die Gründungsoffensive der Wirtschaftsverbände und Peter Altmaier ist ein richtiger Schritt. Es kommt nun darauf an, ob die Initiatoren auch liefern.

Mit diesem Versprechen trifft die Erklärung einen Nerv. Der Zugang zu mehr Kapital ist stets eines der Hauptanliegen der deutschen Start-up-Szene. Im Vergleich zu den USA gibt es in Deutschland weniger Wagniskapitalgeber, die Finanzierer aus den USA investieren aber immer noch bevorzugt in Unternehmen in ihrer eigenen Heimat.

„Gerade bei Venture-Capital für junge Unternehmen in der Wachstumsphase liegt Deutschland zurück, und es liegt noch viel Potenzial brach, das aktiviert werden muss“, sagt Ralph Dommermuth, Vorsitzender des Stiftungsrats der Internet Economy Foundation (IE.F), eine Art Denkfabrik von großen Digitalunternehmen, und Chef von United Internet, dem Handelsblatt.

„Das gelingt nur mit ausreichend großen Förderprogrammen, die das schlummernde Privatkapital hebeln.“ Die IE.F hat am Mittwochabend erstmals zu einem Venture-Capital-Summit eingeladen, bei dem Altmaier mit verschiedenen Unternehmen und Investoren über das Thema diskutieren wird.

Die Punkte in der Erklärung gehen zunächst über Versprechen nicht hinaus. Vieles von dem Angesprochenen haben auch Altmaiers Vorgänger im Amt schon angegangen, meist mit mäßigem Erfolg, für das meiste braucht er die Mithilfe seiner Ressortkollegen.

Die Initiative soll aber nur der Anfang sein. In insgesamt vier Regionalkonferenzen wollen sich BDA, BDI, DIHK und ZDH zusammen mit Altmaier bis Ende 2019 zu den Schwerpunktthemen austauschen.

Brexit 2019

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×