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06.12.2018

15:12

Stiftung Warentest

Produkte für Kinder sind besonders gefährlich – Barley warnt Hersteller

Von: Heike Anger

Viele Spielzeuge und andere Kinderprodukte sind unsicher und schadstoffbelastet, hat die Stiftung Warentest ermittelt. Die neue Gefahr: Smarte Spielsachen.

Stiftung Warentest

Gefahr im Kinderzimmer –Jedes vierte Spielzeug ist „mangelhaft“

Stiftung Warentest: Gefahr im Kinderzimmer –Jedes vierte Spielzeug ist „mangelhaft“

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BerlinOb Stifte, Laufräder oder Babyspielzeug: Produkte für Kinder sind in Deutschland besonders unsicher. Das ist das Fazit einer Analyse der Stiftung Warentest. Demnach stellten die Prüfer bei 28 Prozent aller getesteten Waren schwerwiegende Sicherheitsprobleme fest. Ausgewertet wurden 15 Tests zu Kinderprodukten aus den vergangenen zwei Jahren.

„Es ist erschreckend, wie viele mangelhafte Produkte unter den getesteten sind“, sagte Bundesjustizministerin Katarina Barley (SPD) am Donnerstag in Berlin angesichts der Befunde. „Kinderprodukte sind besonders sensible Produkte, weil es um sensible Verbraucher geht.“ Besonders kurz vor Weihnachten sei die Frage der Produktsicherheit darum besonders aktuell.

Barley warnte die Hersteller vor einem Imageschaden: „Wenn ich als renommierter Hersteller ein mangelhaftes Testergebnis bekomme, dann sorgt das auch für Publizität.“

Stiftungsvorstand Hubertus Primus betonte, Kinderprodukte schnitten in puncto Sicherheit deutlich schlechter ab als alle anderen Konsumgüter. Über alle Tests der Stiftung gerechnet, liege der Durchschnitt der mangelhaften Produkte bei rund sieben Prozent und nicht bei 28 Prozent wie bei Kinderprodukten.

„Die Hersteller sind gefordert, die Produktqualität zu verbessern“, forderte Primus. Die Marktaufsichtsbehörden müssten regelmäßig die Qualität überwachen. „In Anbetracht von Tausenden von Spielzeugen, die jedes Jahr neu auf den Markt kommen, ist das allerdings keine einfache Aufgabe“, sagte Primus. Letztlich seien nur Stichproben möglich.

Außerdem sei die EU gefordert, nicht nur für Spielzeug, sondern für alle von Kindern genutzten Produkte Anforderungen zu definieren, forderte Primus. So enthalte der Griff beim Kinderwagen „Bugaboo“, der „stolze 1080 Euro“ koste, ein Flammschutzmittel, das vermutlich Krebs erzeuge. Der Gehalt übersteige den Grenzwert für Kinderspielzeug um ein Vielfaches.

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In der Adventszeit erzielt die Spielwarenindustrie 40 Prozent des Gesamtumsatzes. Doch der Erfolg des gesamten Geschäftsjahres ist von einer Bedingung besonders abhängig.

Konkret wertete die Stiftung Warentest Befunde über Babyspielzeug, Kinderlaufräder, Schulbedarf, smartes Spielzeug, Spielschleim, Auto- und Fahrradkindersitze, Hochstühle, Matratzen, Kinderwagen und Buggys und Baby-Webcams aus.

In beinahe einem Fünftel der untersuchten Produkte sind laut Stiftung Warentest Schadstoffe wie Bor, Naphtalin oder Formaldehyd für das schlechte Urteil verantwortlich. Diese reizten Haut und Schleimhäute, könnten Krebs auslösen oder Allergien verursachen. „Einige der Produkte übersteigen die zulässigen Grenzwerte um ein Vielfaches und hätten gar nicht verkauft werden dürfen“, warnte Stiftungsvorstand Primus – vor allem mit Blick auf schwer mit Bor belasteten Spielschleim. Diesen hatte die Stiftung Warentest frei über Amazon Marketplace beziehen können.

Auch Tintenpatronen der Marken Lamy, Pelikan und Herlitz fielen im Schadstofftest durch. Stiftung Warentest hat eine Liste aller Produkte, die mit „mangelhaft“ bewertet wurden, im Internet veröffentlicht.

Auch andere Sicherheitsmängel führten demnach in vielen Fällen zu schlechten Bewertungen: Hochstühle bergen Unfallgefahren für Kinder, die schwere Verletzungen zur Folge haben können. Die Hälfte der getesteten Kindermatratzen erfüllt eine Norm nicht, die das Kind vor dem Ersticken schützen soll. Aus Babyspielzeug können sich verschluckbare Kleinteile lösen.

Digitales Spielzeug erwies sich laut Tester ebenfalls als gefährlich, weil die Funkverbindung zu Handy ungesichert sei. „Jeder Smartphone-Besitzer kann sich mit dem smarten Spielzeug verbinden und darüber das Kind abhören, ausfragen oder bedrohen“, warnte Primus. Bundesjustizministerin Barley äußerte sich besonders über diesen Umstand „bekümmert“. Digitales Spielzeug sei ein „Einfallstor“, um Straftaten zu begehen. Sie kündigte an, eine „Updateverpflichtung“ für die Hersteller erreichen zu wollen.

Stiftungsvorstand Primus appellierte auch an die Käufer von Kinderprodukten: „Der Verbraucher muss mitwirken und nicht mehr jeden billigen Schrott kaufen.“

Der Deutsche Verband der Spielwarenindustrie betonte, bei den Mitgliedsfirmen habe die Sicherheit der Produkte oberste Priorität. Bewertungen von Tests seien nicht durchweg nachvollziehbar.

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