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06.11.2018

15:41

Streit um Wirtschaftsweisen beendet

Bundesregierung wird die Berufung des Ökonomen Truger wohl mittragen

Von: Martin Greive

Die Personalie Achim Truger hatte unter Ökonomen eine hitzige Debatte entfacht. Nun ist der Streit beendet. Truger wird wohl neuer Wirtschaftsweiser.

Truger: Gewerkschaftsökonom wird wohl neuer Wirtschaftsweiser dpa

Achim Truger

Truger gilt als gewerkschaftsnah – und ist unter Ökonomen umstritten.

BerlinWenn der Sachverständigenrat am Mittwoch sein Jahresgutachten vorstellt, wird es neben den nötigen Reformen für Deutschland auch um eine umstrittene Personalie gehen: Die Nachbesetzung der Stelle von Peter Bofinger, der im nächsten Frühjahr aus dem Sachverständigenrat ausscheidet.

Die Gewerkschaften, die dieses Mal das Vorschlagsrecht für einen der fünf Wirtschaftsweisen haben, haben sich bereits auf ihren Kandidaten festgelegt: Nachfolger Bofingers soll Achim Truger werden, Fachhochschul-Professor an der Berliner Hochschule für Wirtschaft und Recht.

Nun steht fest: Trotz Vorbehalten wird die Bundesregierung Trugers Berufung mittragen, wie das Handelsblatt in Regierungskreisen erfuhr. „Die Bundesregierung wird ihn nicht blockieren. Es läuft auf ihn hinaus“, sagten Regierungsvertreter dem Handelsblatt.

Die Personalie Truger hatte unter Ökonomen eine hitzige Debatte entfacht: Etliche Vertreter der Zunft hielten Truger fachlich für nicht ausreichend geeignet, da er „nur“ Fachhochschul-Professor ist und keine Veröffentlichungen in internationalen Top-Journals vorweisen kann. Indirekte Zweifel an Trugers Qualifikation kamen sogar direkt aus dem Rat, etwa von der Wirtschaftsweisen Isabel Schnabel.

Auch innerhalb der Bundesregierung verursachte die Personalie Bauchschmerzen. Direkt nachdem der Vorschlag an die Öffentlichkeit gesickert war, hieß es zunächst, man werde die Personalie genau prüfen, schließlich ernenne die Bundesregierung die fünf Wirtschaftsweisen, Gewerkschaften und Arbeitgeber hätten nur ein Vorschlagsrecht für jeweils einen Kandidaten.

Neuer Wirtschaftsweiser: Ökonomen kritisieren Gewerkschaftskandidaten Achim Truger

Neuer Wirtschaftsweiser

Ökonomen kritisieren Gewerkschaftskandidaten Achim Truger

Mitglieder des Sachverständigenrats kritisieren die Publikationsleistung des gewerkschaftsnahen Ökonomen Achim Truger. Der Maßstab ist umstritten.

Doch von diesem Vorschlagsrecht wurde noch nie abgewichen. Ein Novum war schon gewesen, dass Anfang des Jahres mehrere SPD-geführte Ministerien zunächst die Wiederwahl des Wirtschaftsweisen Volker Wielands blockiert hatten. Bei Wieland, der auf dem Arbeitgeberticket im Rat sitzt, war anders als bei Truger nicht eine vermeintlich mangelnde Qualifikation der Grund, sondern sein Geschlecht.

Familien- wie Wirtschaftsministerium fanden, es sei an der Zeit, neben Isabel Schnabel eine zweite Frau in das Fünfer-Gremium zu berufen. Da sich aber keine fand, wurde Wieland am Ende doch durchgewunken.

Damals verabredete die Bundesregierung aber, dass spätestens 2020 eine zweite Frau berufen werden soll. Dann scheidet der amtierende Ratsvorsitzende Christoph Schmidt aus seinem Amt aus. Dann wird die Bundesregierung vor der Aufgabe stehen, eine geeignete Frau zu finden, denn dann hat sie wieder das Vorschlagsrecht.

Der Sachverständigenrat zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, so der volle Name, berät als unabhängiges Gremium die Bundesregierung in Wirtschaftsfragen. Einmal im Jahr legt der Rat, bestehend aus fünf „Wirtschaftsweisen“, ein mehrere Hundert Seiten starkes Gutachten vor. Schwerpunkte des diesjährigen Gutachtens werden die Europapolitik, die Steuerpolitik, die Sozial- und Gesundheitspolitik sowie die Lage auf dem Immobilienmarkt sein.

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