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14.04.2019

14:36

Strompreise

Der zweite Preisschock – Netze werden Kostentreiber der Energiewende

Von: Klaus Stratmann

Die Nutzung der Stromnetze wird 2019 um bis zu acht Prozent teurer. Die Kosten übersteigen damit die Höhe der Umlage für die EEG-Förderung.

Die Gutachter von Agora prognostizieren einen Anstieg der Kosten in den kommenden Jahren und fordern eine Reform des Umlagesystems. dpa

Strommasten einer Starkstromleitung

Die Gutachter von Agora prognostizieren einen Anstieg der Kosten in den kommenden Jahren und fordern eine Reform des Umlagesystems.

BerlinDie Stromverbraucher müssen 2019 für die Nutzung der Stromnetze voraussichtlich deutlich mehr zahlen als im Vorjahr. Das belegen Berechnungen des Thinktanks „Agora Energiewende“, die dem Handelsblatt vorliegen. Die von den Regulierungsbehörden genehmigten Erlöse für die Netzbetreiber summieren sich demnach in diesem Jahr auf 24 Milliarden Euro.

Hinzu kommen laut Agora voraussichtlich 1,5 bis zwei Milliarden Euro, die aufgrund neuer gesetzlicher Regelungen nicht mehr den Netzentgelten zugeordnet, sondern als neue Umlage abgerechnet werden. In Summe steigen die bisher als Netzkosten bezeichneten Kosten damit laut Agora voraussichtlich um sechs bis acht Prozent.

Die Netzentgelte für Haushaltskunden beliefen sich 2018 bereits auf 7,17 Cent je Kilowattstunde. Zum Vergleich: Die Umlage für die Förderung der Stromproduktion aus erneuerbaren Quellen betrug im vergangenen Jahr 6,79 Cent je Kilowattstunde Strom. In diesem Jahr sind es 6,41 Cent. Die Förderung der Stromproduktion über die Umlage nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz (EEG) hat 2018 rund 27 Milliarden Euro gekostet.

EEG-Umlage und Netzentgelte summieren sich somit auf Beträge von über 50 Milliarden Euro. Einer der Gründe für steigende Netzentgelte sind massive Investitionen in den Netzausbau zur Integration der erneuerbaren Energien ins Netz.

„Die Netzentgelte mögen auf den Preisblättern der Netzbetreiber stagnieren, die Netzkosten für die Verbraucher steigen 2019 trotzdem, zum Teil sogar erheblich – teilweise kaschiert in den Umlagen“, heißt es in dem Agora-Papier.

Die Autoren spielen damit auf das Netzentgeltmodernisierungsgesetz an, das seit 2019 gilt. Eines der Ziele des Gesetzes war es, die Netzkosten zu begrenzen. Darum wurden bestimmte Kosten aus den Netzentgelten herausgelöst und in eine neue Umlage überführt. Diese Kosten werden aber nach wie vor von den Stromkunden bezahlt – „de facto kein großer Unterschied“, wie es in dem Agora-Papier heißt.

Grafik

Netzentgelte, EEG-Umlage und weitere Umlagen und Abgaben addieren sich in Deutschland für Privatverbraucher zu Strompreisen von rund 30 Cent je Kilowattstunde. Das sind die höchsten Strompreise in Europa. Die reine Stromproduktion macht davon nur einen Bruchteil aus: Eine Kilowattstunde ist im Großhandel für weniger als fünf Cent zu haben.

„Die absehbar weiter steigenden und zudem regional unterschiedlich hohen Netzentgelte werden zunehmend zu einer Belastungsprobe für Unternehmen, vor allem in energieintensiven Branchen“, sagte Achim Dercks, stellvertretender Hauptgeschäftsführer des DIHK, dem Handelsblatt.

Agora fordert eine Reform der Entgelte. „Das Herumdoktern an einzelnen Elementen der Netzentgelte ist nicht zielführend“, heißt es in dem Agora-Papier. Der Thinktank kritisiert seit langem, die Zusammensetzung der Netzentgelte sei intransparent.

Viele Ausnahmetatbestände müssten überprüft werden. Die Reduzierung der Entgelte bei hohen Vollbenutzungsstunden sei nicht gerechtfertigt. Stattdessen müsse die von der Netzsituation abhängige Nutzung honoriert werden. Pauschale Grundpreise bei Kleinverbrauchern müssten niedrig gehalten werden, rät Agora.

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