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03.01.2019

03:56

Studie der DIHK

Immer weniger Menschen wollen Unternehmer sein

Von: Martin Greive

In den kommenden Jahren brauchen etwa 150.000 Unternehmen eine neue Führung. Die Suche nach einer Nachfolge gestaltet sich jedoch immer schwieriger.

Wenn Unternehmer ihre Firmen abgeben wollen, haben sie oft Schwierigkeiten, einen Nachfolger zu finden. dpa

Chefsessel

Wenn Unternehmer ihre Firmen abgeben wollen, haben sie oft Schwierigkeiten, einen Nachfolger zu finden.

BerlinSo viele Unternehmer wie nie zuvor haben Probleme, einen Nachfolger für ihren Betrieb zu finden. Zu diesem Ergebnis kommt der DIHK-Report zur Unternehmensnachfolge 2018, der dem Handelsblatt vorliegt. „Die Engpässe bei der Übergabe von Unternehmen spitzen sich dramatisch zu“, heißt es in der Analyse.

Laut dem Deutschen Industrie- und Handelskammertag (DIHK) haben sich demnach 2017 knapp 6.700 Unternehmer an ihre Handelskammer gewandt, um sich auf ihre Unternehmensübergabe vorzubereiten. Fast jeder zweite hatte zum Zeitpunkt der Beratung aber noch keinen passenden Nachfolger gefunden.

Beides ist ein neuer Rekord in der Historie des DIHK-Reports, der seit 2007 erstellt wird. „Allmählich entsteht ein gravierendes Problem für den Standort Deutschland. Dies gilt insbesondere für strukturschwache Regionen“, schreibt der DIHK.

Zwischen 2018 und 2022 stehen etwa 150.000 Firmen mit rund 2,4 Millionen Beschäftigten zur Übergabe an. Gut die Hälfte der Unternehmen wird an Familienmitglieder übertragen.

Etwa 18 Prozent werden laut dem Institut für Mittelstandsforschung von Mitarbeitern übernommen. Häufig findet sich aber weder in der Familie noch in der Belegschaft ein geeigneter Nachfolger. Rund 30 Prozent der Firmen werden daher an Externe verkauft.

Grafik

Doch laut DIHK hat die Zahl derer, die sich eine Zukunft als Unternehmer vorstellen können, zuletzt immer weiter abgenommen. 2007 hatten sich noch 6.400 Menschen an Handelskammern gewandt, weil sie eine Firma übernehmen wollten, 2009 waren es sogar 8.417 . „Im Vergleich dazu hat sich die Zahl 2017 halbiert – auf 4.231“, heißt es in dem Report. Von den beratenen potenziellen Nachfolgern hatten zum Zeitpunkt der Beratung 70 Prozent noch nicht das passende Unternehmen gefunden, auch das ist ein neuer Höchstwert.

Hauptproblem ist die Alterung der Gesellschaft

Hauptgrund für die zunehmend schwierige Situation ist die Alterung der Gesellschaft. Immer mehr Unternehmer gehen in den Ruhestand, während gleichzeitig die jüngeren Jahrgänge der 25- bis 45-Jährigen ausdünnen. Zudem ist der Nachwuchs aus Unternehmerfamilien laut DIHK immer mehr bestrebt, eigene Wege außerhalb des elterlichen Betriebes zu gehen. Ein „Automatismus“ der familieninternen Nachfolge existiert demnach in immer weniger Unternehmen.

Unternehmer müssen sich deshalb verstärkt außerhalb ihres eigenes Betriebs auf die Suche nach einem Nachfolger begeben. Viele tun das aber sehr spät. Gut jeder dritte Unternehmer hat Schwierigkeiten, von seinem Lebenswerk emotional loszulassen.

Diese Emotionen spiegeln sich auch in den Kaufpreisen wider: Laut DIHK fordern 42 Prozent zu Beginn der Verhandlungen einen überhöhten Kaufpreis. Wenn mit einer Unternehmensnachfolge aber zu lange gewartet wird oder sich die Übergabe hinzieht, droht der Wert des Unternehmens eher zu sinken, warnt der DIHK.

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Nach dessen Analyse gibt es aber auch aufseiten potenzieller Übernehmer Schwierigkeiten. Viele seien wegen der unklaren Rechtslage bei der Erbschaftsteuer verunsichert. Die Reform sei zwar seit zwei Jahren in Kraft, eine Richtlinie zur Umsetzung sei aber bis heute nicht veröffentlicht worden.

Jeder vierte potenzielle Nachfolger berichte, das erschwere die familieninterne Nachfolge. Viele Unternehmer bekämen von ihrem Finanzamt noch nicht mal eine rechtsverbindliche Auskunft zu dem Thema. „Wir brauchen hier deshalb sehr schnell Klarheit“, fordert der DIHK.

Einige Lichtblicke gibt es aber auch. So können sich immer mehr Frauen eine Zukunft als Unternehmerin vorstellen. 2017 stellten sie ein Viertel aller Interessenten an der Übernahme eines Betriebes – „ein Rekordwert“. Und zumindest unter den noch amtierenden Firmenchefs hat das Interesse am Thema Unternehmensnachfolge zugenommen: So nehmen inzwischen deutlich mehr an entsprechenden Beratungen teil als noch vor einigen Jahren.

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Kommentare (1)

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Herr Harald Haiss

03.01.2019, 12:07 Uhr

Da ich schon länger auf der Suche nache einem Unternehmen bin, will ich hier meine Erfahrungen, die ich gemacht habe, schildern:

1. die Inhaber haben sich nicht konkret damit beschäftig. Sie haben schon mal was von Nachfolge gehört, haben aber keine Idee, wie eine Nachfolge geregelt sein kann oder soll. Es wird zu lange gewartet!

2. es liegen keine aktuellen Zahlen vor. Sie fragen mal beim "Steuerberater" nach. Ein guter Unternehmer müsste mir jetzt die relevanten Daten runterbeten können und nicht im Kaffeesatz stochern.

3. sind zu wählerisch, was einen qualifizierten Nachfolger betrifft (obwohl Sie das Unternehmen verkaufen und aussteigen wollen)

4. wie im Artikel erwähnt, die Vorstellung eines hohen Kaufpreises, der i.d.R. nicht gerechtfertigt ist. Bei einigen Unternehmen hatte sich nach Einsicht der Unterlagen rausgestellt, dass es besser wäre Insolvenz anzumelden, anstatt den Betrieb weiterhin aufrecht zu erhalten. Dabei wurde ein Unternehmen in den höchsten Tönen gelobt. Auch scheinen manche Probleme mit den Begriffen Umsatz und Gewinn zu haben. €1Mio Umsatz heisst noch nicht, dass auch ein Überschuss erwirtschaftet wird.

5. auch bei den Kammern scheint man sich erst jetzt ganz langsam mit dem Thema intensiver auseinander zu setzen. Das Thema Nachfolge geistert schon lange durch die Presse, aber es folgte... ...nichts.
Anscheinend muss man hier auch an die Berater-Seite ein Vorwurf machen. Die Daten der Betriebe liegen ja vor.

6. manche Unternehmer wollen sofort Geld, aber keine oder nur eine sehr, sehr kurze Einarbeitung gewährleisten.

7. sehr oft kommt auf Anfragen keine Antwort!!!

Es ist also nicht verwunderlich, wenn kein Nachfolger gefunden wird. Eigentlich sehr schade, wenn ein gut gehendes Unternehmen vom Markt verschwindet. Aber ich habe die Hoffnung noch nicht aufgegeben, doch noch einen Betrieb zu finden.





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