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24.02.2022

16:08

Ukraine-Krieg

Heeresinspekteur: „Die Bundeswehr steht mehr oder weniger blank da“

Von: Thomas Sigmund

Deutschlands oberster Heeressoldat zieht nach dem russischen Angriff auf die Ukraine eine ernüchternde Bilanz. Der Generalleutnant appelliert an die Politik zu handeln.

„Die Optionen, die wir der Politik zur Unterstützung des Bündnisses anbieten können, sind extrem limitiert“. dpa

Generalleutnant Alfons Mais

„Die Optionen, die wir der Politik zur Unterstützung des Bündnisses anbieten können, sind extrem limitiert“.

Berlin Der Inspekteur des Heeres stellt der Bundeswehr vor dem Hintergrund der russischen Invasion in die Ukraine ein vernichtendes Zeugnis aus. „Die Bundeswehr, das Heer, das ich führen darf, steht mehr oder weniger blank da“, schreibt Generalleutnant Alfons Mais im Netzwerk LinkedIn. Für ihn ergibt sich daraus die ernüchternde Schlussfolgerung: „Die Optionen, die wir der Politik zur Unterstützung des Bündnisses anbieten können, sind extrem limitiert.“

Deutschlands oberster Heeressoldat kritisiert: „Wir haben es alle kommen sehen und waren nicht in der Lage, mit unseren Argumenten durchzudringen, die Folgerungen aus der Krim-Annexion zu ziehen und umzusetzen. Das fühlt sich nicht gut an! Ich bin angefressen!“ Mais sieht zwar das Nato-Territorium nicht direkt bedroht, wenn auch Deutschlands Partner im Osten den konstant wachsenden Druck spürten.

Der Generalleutnant appelliert an die Politik zu handeln. „Wann, wenn nicht jetzt, ist der Zeitpunkt, den Afghanistaneinsatz strukturell und materiell hinter uns zu lassen und uns neu aufzustellen“, schreibt er. Sonst würde Deutschland seinen verfassungsmäßigen Auftrag und seine Bündnisverpflichtungen nicht mit Aussicht auf Erfolg umsetzen können.

Ähnlich wie Mais argumentiert auch die Wehrbeauftragte. Nach Ansicht von Eva Högl (SPD) werden nach dem russischen Angriff auf die Ukraine zahlreiche neue Aufgaben und Herausforderungen auf die Bundeswehr zukommen. Dabei sieht sie aber das deutsche Militär nur bedingt einsatzbereit. „Die Kaltstartfähigkeit der Bundeswehr ist nicht so, wie sie sein müsste“, erklärte Högl im Fernsehsender phoenix und antwortete auf die Frage nach Einsatzfähigkeit von Mensch und Material bei der Bundeswehr: „Wir wissen nicht ganz genau, ob es so ist.“

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    Ebenfalls sehr hart ging Ex-Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer mit der deutschen Sicherheitspolitik der vergangenen Jahre ins Gericht. „Ich bin so wütend auf uns, weil wir historisch versagt haben“, schrieb die CDU-Politikern am Donnerstag auf Twitter. Nach den Konflikten in Georgien, auf der Krim und im Donbass sei nichts vorbereitet worden, was den russischen Präsidenten Wladimir Putin „wirklich abgeschreckt hätte“.

    Kramp-Karrenbauer fuhr fort: „Wir haben die Lehre von (Helmut) Schmidt und (Helmut) Kohl vergessen, dass Verhandlungen immer den Vorrang haben, aber man militärisch so stark sein muss, dass Nichtverhandeln für die andere Seite keine Option sein kann.“

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