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04.01.2022

11:46

Umfrage

Menschen in Deutschland fühlen sich durch Corona-Maßnahmen zunehmend überwacht

Von: Heike Anger

Seit fast zwei Jahren kommt es durch die Pandemie immer wieder zu starken Einschränkungen. Die Bürgerinnen und Bürger verunsichert das zunehmend, wie aktuelle Daten zeigen.

38 Prozent der Befragten finden es problematisch, wenn sie einen 3G‐Nachweis vorzeigen müssen – also nachweisen müssen, dass sie geimpft, genesen oder getestet sind. dpa

3G-Regelung

38 Prozent der Befragten finden es problematisch, wenn sie einen 3G‐Nachweis vorzeigen müssen – also nachweisen müssen, dass sie geimpft, genesen oder getestet sind.

Berlin Die Deutschen fühlten sich im öffentlichen Raum oder am Arbeitsplatz bislang kaum überwacht. Durch die Coronamaßnahmen entsteht nun aber zunehmend ein Gefühl des Überwachtseins. Das legen die Befunde einer Befragung nahe, die die FDP-nahe Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit zusammen mit dem Meinungsforschungsinstitut Yougov zum Jahreswechsel durchgeführt hat und die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt.

Demnach fühlen sich 37 Prozent der Befragten überwacht, wenn sie sich im öffentlichen Raum bewegen, und 24 Prozent am Arbeitsplatz. Hingegen geben 42 Prozent der Befragten an, sich durch die Coronamaßnahmen und ihre Umsetzung viel stärker überwacht zu fühlen als normalerweise im öffentlichen Raum, zum Beispiel auch von den Mitmenschen.

Konkret sehen 48 Prozent eine Überwachung, wenn sie bei einer Veranstaltung oder in einem Geschäft mit einer App einchecken müssen, die Kontakte nachverfolgt oder Ortsdaten speichert, wie es zum Beispiel die Luca-App oder die Corona-Warn-App können.

45 Prozent fühlen sich überwacht, wenn sie beim Shoppen, beim Restaurantbesuch oder bei anderen Gelegenheiten ihre Kontaktdaten angeben müssen. Und 38 Prozent der Befragten finden es problematisch, wenn sie einen 3G-Nachweis vorzeigen müssen – also nachweisen sollen, dass sie geimpft, genesen oder getestet sind.

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    Zwiespalt zwischen älteren und jüngeren Befragten

    Laut der Auswertung der Naumann-Stiftung zeigt sich dabei auch ein gewisser Zwiespalt zwischen älteren und jüngeren Befragten: Die älteren sehen die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung deutlich entspannter und fühlen sich hierdurch weniger überwacht als die jüngeren.



    Die Befragung wurde bundesweit mit rund 2200 Bürgern über 18 Jahren durchgeführt. Die Ergebnisse seien damit repräsentativ, erklärt Yougov in der Datenübersicht.

    Der neue Bundesjustizminister Marco Buschmann (FDP) hatte bei seinem Amtsantritt bekräftigt, dass die Coronapandemie keine dauerhaften Einschränkungen nach sich ziehen dürfe. Der Schutz der Grundrechte und der Freiheit seien eine „Toppriorität der Regierungspolitik“. Zumutungen dürften nicht zur „neuen Normalität“ werden.

    Jenseits von Corona zeigen die Befunde der Studie, dass die Menschen vor allem im Internet eine Überwachung fürchten. Die Mehrheit gibt an, sich bei der Nutzung der Social Media überwacht zu fühlen (56 Prozent) oder beim Shoppen im Netz (52 Prozent).

    Die Daten weisen auch auf ein allgemeines Misstrauen gegenüber Digitalkonzernen hin. So stimmen 81 Prozent der Befragten der Aussage zu, die großen Digitalkonzerne wie Facebook, Google oder Amazon sammelten Informationen über die Menschen, „um damit unser Verhalten beeinflussen zu können und die Informationen für ihre Geschäftsmodelle zu verwenden“.

    84 Prozent meinen, die Onlinehändler überwachten die Kaufgewohnheiten der Bürger, um diese noch gezielter mit Werbung für ihre Produkte erreichen zu können. Dazu passt, dass mehr als die Hälfte der Befragten angibt, keine Überwachungsgeräte zu besitzen oder bei solchen Geräten die Funktion abzuschalten, mit denen sich Daten sammeln lassen.

    Angesprochen waren hier Smart-TVs, Smarthome-Produkte wie Amazon Echo und Alexa, Smartphones, „intelligente“ Haushaltsgeräte, sprachgesteuerte Lautsprecher und Ähnliches.

    Informationen, um Verbrechen zu verhindern

    Im Vergleich dazu wird der Staat weniger als Überwachungsinstitution wahrgenommen. So stimmen 57 Prozent der Befragten der Aussage zu, der Staat wolle möglichst viele Informationen über das Verhalten der Bürgerinnen und Bürger haben – dazu gehören insbesondere das Kommunikations- und das Onlinenutzungsverhalten, um Verbrechen oder Gefährdungen der Sicherheit und Ordnung zu verhindern und zu bekämpfen.

    Knapp die Hälfte der Befragten sieht eine Überwachung, wenn sie bei einer Veranstaltung oder in einem Geschäft durch eine App einchecken müssen, die Kontakte nachverfolgen oder Ortsdaten speichern kann. imago images/Friedrich Stark

    Corona-Warn-App

    Knapp die Hälfte der Befragten sieht eine Überwachung, wenn sie bei einer Veranstaltung oder in einem Geschäft durch eine App einchecken müssen, die Kontakte nachverfolgen oder Ortsdaten speichern kann.

    Minister Buschmann möchte dieses Vertrauen offenbar stärken. Er hat bereits angekündigt, die anlasslose Vorratsdatenspeicherung endgültig aus dem Gesetz streichen zu wollen, weil sie gegen die Grundrechte verstoße. Mit Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) will er eine „Überwachungsgesamtrechnung“ angehen und die Sicherheitsgesetze evaluieren.

    Buschmann erklärte: „Wenn jeder damit rechnen muss, dass vieles über seine Kommunikation ohne Anlass gespeichert wird, dann fühlt sich niemand mehr frei.“

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