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03.02.2020

17:20

Vereinigung der bayerischen Wirtschaft

Studie: „Erfolgreiche Energiewende liegt in weiter Ferne“

Von: Dietmar Neuerer

Die Vereinigung der bayerischen Wirtschaft zieht in einer Studie ein ernüchterndes Fazit in Sachen Energiewende. Deutschland trete in zu vielen Bereichen auf der Stelle.

Der Ausbau der Windenergie stockt. dpa

Windpark

Der Ausbau der Windenergie stockt.

Berlin Der Befund ist für die Bundesregierung wenig schmeichelhaft. „Eine erfolgreiche Energiewende liegt unverändert in weiter Ferne“, sagte der Präsident der Vereinigung der bayerischen Wirtschaft (VBW), Wolfram Hatz, anlässlich der Vorstellung des 8. Energiewende-Monitorings.

Die Gründe finden sich in eine knapp 110-seitigen Studie, die das Schweizer Prognos-Institut für den Verband erstellt hat. Demnach wird die Stromversorgung in Bayern wegen mangelnder Fortschritte der Energiewende im nächsten Jahr die Grenzen ihrer Leistungsfähigkeit erreichen.

Anders als bisher wird es demnach keinen Puffer bei der Stromversorgung mehr geben. Die gesicherte Leistung bei der Stromversorgung wird laut Prognos gerade eben ausreichen, um die Höchstlast beim Stromverbrauch zu decken. „Ab 2021/22 wird es knapp“, erklärte Studienautorin Almut Kirchner.

Als Konsequenz fordert VBW-Präsident Hatz den schnellstmöglichen Bau der geplanten zwei großen Stromtrassen von Norddeutschland in den Süden. „Der Netzausbau kommt nicht schnell genug voran“, bemängelte er. Auch die erneuerbaren Energien seien nach starken Ausbaujahren zuletzt ins Stocken geraten. „Deutschland ist nach wie vor eines der Länder mit den höchsten Industriestrompreisen“, kritisierte Hatz. Schließlich seien die Treibhausgasemissionen nicht so stark gesunken wie angestrebt.

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    Das Problem ist nicht, dass die Bundesregierung nichts tut. Im Gegenteil: Die Regierung hat zuletzt ein Klimapaket mit einem Gesamtvolumen von mehr als 50 Milliarden Euro geschnürt. Zudem wurde der Kohleausstieg beschlossen. Und in Sachen Luftreinhaltung gelten vielerorts Dieselfahrtverbote. Über die Wirkung dieser Maßnahmen wird man seriös wohl erst in ein paar Jahren urteilen können.

    Anders sieht es bei Projekten aus, die schon vor Jahren angeschoben wurden. Und die laut der Studie nicht die erwünschten Erfolge zeigen. Das gilt für die Elektromobilität, insbesondere aber für den Ausbau erneuerbarer Energien und der Stromnetze.

    Ernüchternd ist, dass sich beim bundesweiten Monitoring kein einziges Kriterium verbessert hat. In Bayern haben sich laut der Untersuchung zwar „Energieeffizienz und Erneuerbare“ positiv entwickelt. Doch großen Aufholbedarf sehen die Experten beim Netzausbau.

    Der VBW-Präsident mahnt hier dringenden Handlungsbedarf an, sonst sei nicht nur die Versorgungssicherheit gefährdet. Weitere Verzögerungen brächten auch höhere Strompreise und mehr CO2-Emissionen. „Jeder Tag, der uns beim Netzausbau verloren geht, bedeutet mehr Netzstabilisierungsmaßnahmen und damit Mehrkosten in Milliardenhöhe“, sagte Hatz.

    Der VBW sieht die Politik auch bei den Strompreisen in der Pflicht. Sie sollten auf ein international wettbewerbsfähiges Niveau reduziert werden, fordert der Verband. „Niedrige Strompreise stärken den Standort und sind ein wirksamer Treiber für den Klimaschutz“, sagte Hatz. Er regte eine Absenkung der Stromsteuer an. „Das wäre ein starkes Signal für die Versöhnung von Ökonomie und Ökologie.“

    Zugleich machte der VBW-Präsident deutlich, dass eine erfolgreiche Energiewende Kompromisse brauche. „Ich kann nicht gegen Stromleitungen, gegen Windräder, gegen Wasserkraft und gleichzeitig für die Energiewende und für den Klimaschutz sein“, sagte Hatz an die Adresse von Politikern und Bürgerinitiativen gerichtet. „Wer die Energiewende will, muss auch ertragen, dass sie stattfindet. Und er muss ertragen, dass man diese Veränderung auch sieht.“

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