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10.07.2019

13:22

Vermögensverteilung

IWF macht Familienunternehmen für Ungleichheit in Deutschland verantwortlich

Von: Donata Riedel

Dem Währungsfonds zufolge verstärkt sich die Ungleichheit in Deutschland immer mehr. Als Quell des Übels macht der IWF die Familienunternehmen aus.

IWF macht Familienunternehmen für Ungleichheit verantwortlich dpa

Maschinenbau

Die Erfolge der exportstarken Familienunternehmen haben den Effekt der Einkommensungleichheit seit dem Jahr 2000 erheblich verschärft, urteilt der IWF.

BerlinAuf wenig ist die Exportnation Deutschland so stolz wie auf ihren starken unternehmerischen Mittelstand: Ohne ihn hätte das wirtschaftsstärkste Land Europas die tiefe Rezession nach der Finanzkrise nicht so schnell überwunden. Ohne ihn wäre die Wirtschaft generell anfälliger für externe Schocks. Ohne die großen Familienunternehmen wären Arbeitnehmer viel stärker dem angelsächsischen „Hire and fire“-Kapitalismus ausgesetzt.

Die Familienunternehmen sorgen für soziale Ausgewogenheit in dem Land mit seiner ausgeprägten Mittelschicht, lautet der breite Konsens in Deutschland.

Das Gegenteil ist der Fall, sagt nun in nie gekannter Deutlichkeit der Internationale Währungsfonds (IWF). „Deutschland ist eines der Länder mit der höchsten Vermögens- und Einkommensungleichheit der Welt“, schreiben die IWF-Ökonomen in einem am Mittwoch veröffentlichten Bericht. Mehr noch: Die Ungleichheit verstärke sich quasi automatisch immer mehr.

Als Quell des Übels macht der IWF die großen Familienunternehmen aus: Dort konzentriere sich der Reichtum des Landes in den Händen einiger weniger. Die Erfolge der exportstarken Familienunternehmen, vor allem in China, hätten den im System angelegten Effekt seit dem Jahr 2000 erheblich verschärft.

„Deutschlands Erfolg auf globalen Exportmärkten muss vor dem Hintergrund seiner hohen Vermögensungleichheit betrachtet werden, um die Treiber hinter dem Anstieg der privaten Ersparnisse und der Zunahme des Leistungsbilanzüberschusses zu verstehen“, schreiben die Ökonomen.

Konkret arbeiten sie heraus, dass in den vergangenen beiden Jahrzehnten einerseits Zurückhaltung der Arbeitnehmer bei den Löhnen und andererseits die hohe Sparquote des reichsten Prozents auch die Einkommensungleichheit verstärkt habe. Die wachsende Einkommensungleichheit wiederum verstärke die Vermögensungleichheit. „Vermögens- und Einkommensungleichheit sind eng miteinander verbunden“, urteilt der IWF.

Bisher herrschte in Deutschland die Sicht vor, dass zwar die Vermögen ungleich verteilt seien, nicht aber die Einkommen.

Ein wichtiger Indikator dafür, dass Deutschland eines der Länder mit der höchsten Ungleichheit der Welt sei, ist laut IWF das sogenannte Median-Vermögen von 61.000 Euro. Es besagt, dass die Hälfte der Bevölkerung weniger und die andere Hälfte mehr Vermögen besitzt.

Nur wenige Immobilienbesitzer in Deutschland

Der Wert von 61.000 Euro in Deutschland ist nur etwas höher als in Polen, aber niedriger als in Griechenland und erheblich niedriger als im Durchschnitt der Euro-Länder, der bei 100.000 Euro liegt. Gleichzeitig ist der Anteil des reichsten Prozents am Gesamtvermögen mit 24 Prozent mit der höchste in Europa.

Zum einen liege das an der sehr niedrigen Immobilieneigentumsquote in Deutschland. Zum anderen aber auch daran, dass nur sehr wenige Menschen hierzulande Eigentum an Unternehmen hielten. Wer große Vermögen halte, könne mehr sparen als Gehaltsempfänger.

„Die Einkommensungleichheit in Deutschland mag weniger schwer wiegen als in Großbritannien, den USA, Japan und Korea, aber ihre Zunahme in den vergangenen Jahrzehnten war steil“, schreibt der IWF. Vor allem zwischen den Jahren 2000 und 2007 sei der Gini-Koeffizient, der Maßstab für die Verteilung des verfügbaren Einkommens, stark gestiegen.

Nach 2009 ist laut IWF ein Großteil des Wohlstandszugewinns in Form einbehaltener Gewinne von Familienunternehmen angefallen. Er komme damit nur wenigen zugute. Die Unternehmensteuerreformen 2001 und 2008, die einbehaltene Gewinne steuerlich begünstigten, hätten diesen Effekt noch verstärkt.

Der IWF beschreibt zudem die Gleichzeitigkeit eines nach oben schnellenden Leistungsbilanzüberschusses seit der Jahrtausendwende mit der Zunahme der Top-Einkommen. Die unteren und mittleren Einkommen dagegen hätten auf gleichbleibendem Niveau verharrt, erklärt der IWF. Die Konsumquote am Bruttoinlandsprodukt sei deshalb gesunken.

Außerdem würden die Bezieher niedriger Einkommen stärker unter den Niedrigzinsen auf ihre Ersparnisse leiden, weil sie weniger Mittel hätten, zum Beispiel Immobilien zu erwerben. Mit all diesen Befunden dürfte der IWF in Deutschland Wasser auf die Mühlen von Globalisierungskritikern leiten, die seit Langem bemängeln, dass der Exportboom nur wenigen zugutekomme.

Der IWF gibt der Bundesregierung auch klare Empfehlungen, wie sie politisch gegen den Automatismus, dass Reiche reicher und Arme ärmer werden, vorgehen kann. Zum einen sollte sie die Wagniskapitalförderung für Start-ups so reformieren, dass Börsengänge einfacher und für die Unternehmen billiger werden: Dann, so meinen die Ökonomen, könnten sich breitere Kreise am Aktienerwerb beteiligen.

Vor allem aber brauche Deutschland höhere Steuern auf Vermögen. Vor allem die Erbschaft- und Schenkungsteuer müsse höher sein, verlangt der IWF. Sie trage bisher nichts dazu bei, der Vermögenskonzentration bei wenigen Familien entgegenzuwirken.

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Kommentare (16)

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Herr Matthias Moser

10.07.2019, 14:00 Uhr

Der IWF hat keine Ahnung, jedenfalls nicht von Familienunternehmen. Die Familienunternehmen sind diejenigen, die die in besonderer Weise für ihre Belegschaft sorgen. Beispiele gibt es dafür genug. Für mich passt das ganz gut in die Linie von Herrn Altmeier, der auch ganz offensichtlich die Familienunternehmen nicht ausreichend versteht und wertschätzt. Die Stärke der deutschen Wirtschaft sind die Familienunternehmen, nicht dien DAX-Unternehmen.

Herr Stephan Feldhoff

10.07.2019, 14:21 Uhr

Die Familienunternehmen sind daran schuld, dass die Deutschen keine Ahnung von Vermögensbildung haben.
Die Familienunternehmen sind daran schuld, dass der Mittelstand immer weiter durch weltweit nahezu einmalige Steuern und Abgaben geschröpft wird.
Die Familienunternehmen sind daran schuld, dass DAX-Konzerne gezwungen sind, z.B. 18.000 Mitarbeiter zu entlassen.
Es ist Zeit für die große Enteignungswelle und die Zusammenlegung der Familienbetriebe in VEBs. Das hat schon immer super funktioniert und für absolute Gleichheit gesorgt.

Wer Ironie findet, darf sie behalten!

Herr Wolfgang Orth

10.07.2019, 14:48 Uhr

Der IWF argumentiert - wie fast immer - auf der Basis einer nicht zu Ende gedachten Logik. Das Niveau, auf dem sich die Vermögensverteilung abspielt, ist in D höher als in vielen anderen Ländern. Und für die Binsenweisheit, dass derjenige mit einem höheren Einkommen mehr sparen kann, als derjenige mit einem niedrigen Einkommen, brauche ich keinen IWF, das wusste schon meine Großmutter. Fragt sich nur, wie die Familienuntenehmen mit der Feststellung fertig werden, dass sie lt. IWF offensichtlich an der vergleichsweise geringen Zahl von Immobilienbesitzern schuld sind. Neiddebatten und Schuldzuweisungen dieser Art kenne ich sonst nur von Rot und Grün. Jetzt also auch noch der IWF...

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