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16.06.2019

17:46

Vor der Union

Habeck auf Kanzlerkurs – Wie die Grünen auf das Umfragehoch reagieren

Von: Silke Kersting, Klaus Stratmann

Die Grünen sind in Umfragen erstmals stärkste Partei. Nun debattieren sie offen über die Nominierung eines Kanzlerkandidaten für die Bundestagswahl.

Im Kanzlerduell mit CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer käme Habeck laut Umfrage auf 51 Prozent. dpa

Grünen-Parteichef Robert Habeck

Im Kanzlerduell mit CDU-Chefin Kramp-Karrenbauer käme Habeck laut Umfrage auf 51 Prozent.

Düsseldorf/BerlinSelten haben sich die Präferenzen der Wählerinnen und Wähler in Deutschland so rasch und eindeutig verschoben wie in diesen Tagen. Das gilt zumindest dann, wenn man Umfragen glaubt.

Mittlerweile schneidet Robert Habeck, der gemeinsam mit Annalena Baerbock das Führungsduo der Grünen bildet, bei den Deutschen im Vergleich zu CDU-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer besser ab: Könnten die Wähler den Bundeskanzler direkt wählen und müssten sich zwischen dem Grünen-Chef und der CDU-Vorsitzenden entscheiden, würden 51 Prozent für Habeck stimmen und nur 24 Prozent für Kramp-Karrenbauer. Zu diesem Ergebnis kommt eine Emnid-Umfrage für die „Bild am Sonntag“.

Auch andere CDU-Spitzenpolitiker haben im Duell mit Habeck keine Chance. NRW-Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) bekäme 29 Prozent, Habeck dagegen 40 Prozent. Würde CDU-Politiker Friedrich Merz gegen Habeck antreten, bekäme Merz 33 Prozent der Stimmen, Habeck 39 Prozent.

Die Zahlen sprechen nicht nur für Habeck, sondern auch gegen die CDU-Chefin. Dass Merz, der im Wettstreit um die CDU-Führung Ende vergangenen Jahres knapp gegen Kramp-Karrenbauer verloren hatte, im direkten Vergleich mit Habeck besser abschneidet als die CDU-Chefin, dürfte in der CDU neue Debatten auslösen.

Bislang galt Kramp-Karrenbauer als klare Favoritin für eine Kanzlerkandidatur. Mittlerweile melden sich aber Zweifler aus den eigenen Reihen zu Wort. Sie fordern, dass der nächste Unions-Kanzlerkandidat per Urwahl von den Parteimitgliedern bestimmt wird.

Die Grünen im Höhenflug

Für die Grünen indes stehen derzeit alle Zeichen auf Erfolg. Denn nicht allein der beliebte Grünen-Vorsitzende steht bei den Wählern hoch im Kurs. Die gesamte Partei setzt ihren Höhenflug ungebremst fort. Würde Deutschland jetzt wählen, kämen die Grünen laut Emnid auf 27 Prozent, die Union auf 25 Prozent, die AfD auf 13 Prozent, die SPD auf zwölf, die FDP und Linke jeweils acht Prozent.

Auch das Meinungsforschungsinstitut Forsa sieht die Grünen im aktuellen RTL/ntv-Trendbarometer bei 27 Prozent – vor der Union. Beim Umwelt- und Klimaschutz trauen die Bürger den Grünen mit Abstand am meisten zu, und zwar nicht nur die jüngeren Wähler.

Schon gibt es bei den Grünen eine Debatte darüber, ob man nicht ganz selbstbewusst mit einem eigenen Kanzlerkandidaten antreten sollte. So forderte der bayerische Grünen-Fraktionschef Ludwig Hartmann für den Fall weiter guter Umfragewerte für seine Partei die Abkehr von einer Doppelspitze vor der nächsten Bundestagswahl und die Ernennung eines Kanzlerkandidaten. „Wenn es die Umfragen weiterhin hergeben, bin ich für eine klare Kanzlerkandidatur und gegen eine Doppelspitze bei der nächsten Bundestagswahl“, sagte Hartmann der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“.

Allerdings will die Bundespartei diese Debatte zu diesem Zeitpunkt, wo noch nicht einmal feststeht, wann überhaupt die nächste Bundestagswahl ansteht, partout vermeiden. Schon am Tag nach der für die Grünen erfolgreichen Europawahl wies Habeck die Frage als überflüssig zurück.

Die Grünen seien in den vergangenen Monaten gut damit gefahren, nicht „um uns selbst zu kreisen“. Seine Partei habe einen inhaltlichen Auftrag, „keinen spekulativen Auftrag, der uns nur desorientiert“, sagte Habeck. In Partei und Fraktion in Berlin war diese Position bislang unumstritten. Die Botschaft: Wir kümmern uns nicht um Personen-, sondern um Sachfragen.

Die Menschen wollten Inhalte. Eines der wichtigsten Projekte der Grünen derzeit: schnellstmöglich ein Konzept zur Bepreisung klimaschädlicher Emissionen inklusive eines sozialen Ausgleichs vorzulegen. Ein Thema, an dem auch die Bundesregierung gerade intensiv arbeitet und das bei der nächsten Sitzung des Klimakabinetts Mitte Juli diskutiert werden soll.

Es ist ganz offensichtlich: Je größer der Zuspruch bei der Bevölkerung wird, desto mehr bemühen sich die Grünen, auf dem Boden zu bleiben und ihre inhaltliche Arbeit voranzutreiben sowie ihre Konzepte mit Zahlen zu unterfüttern, um sich auch auf diesem Gebiet für Koalition und die anderen Oppositionsparteien weniger angreifbar zu machen.

Wie lange sie das durchhalten können, ist allerdings fraglich. Die Frage nach einem Kanzlerkandidaten wird drängender.

Mehr: Das Wahldebakel der SPD wächst sich zur Sinnkrise der GroKo aus. Kanzlerin Merkel muss entscheiden, ob sie noch einmal einen großen Wurf wagt – etwa im Klimaschutz. Sonst droht der Ära Merkel ein jähes Ende.

Brexit 2019

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