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09.04.2017

15:56 Uhr

Wahlkampf der AfD

Gauland verzichtet auf Kandidatur gegen Petry

Der stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Alexander Gauland verzichtet auf eine Kampfkandidatur gegen Parteichefin Frauke Petry bei der Bundestagswahl. Für seinen Entschluss hat er gute Gründe.

Der stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Alexander Gauland verzichtet auf eine Kampfkandidatur gegen Parteichefin Frauke Petry. dpa

Alexander Gauland und Frauke Petry

Der stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Alexander Gauland verzichtet auf eine Kampfkandidatur gegen Parteichefin Frauke Petry.

BerlinZwei Wochen vor dem AfD-Bundesparteitag klären sich die Fronten in der Führungsspitze der Partei: Der stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Alexander Gauland verzichtet auf eine Kampfkandidatur gegen Parteichefin Frauke Petry bei der Bundestagswahl. „Ich kandidiere nicht gegen sie. Ich unternehme nichts, was die Partei spaltet“, sagte er im Interview mit der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“. Damit wäre der Weg frei für eine alleinige Kandidatur Petrys. Diese zeigte sich angesichts sinkender Umfragewerten bei einem Wahlkampf-Auftritt in Nordrhein-Westfalen betont gelassen.

In der AfD wird seit Wochen darüber diskutiert, ob die Partei mit einem Spitzenkandidaten oder einem Spitzen-Duo in den Bundestagswahlkampf gehen soll. „Ich habe ihr die Hand ausgestreckt. Sie hat sie ausgeschlagen. Sie will als alleinige Spitzenkandidatin in die Wahl ziehen“, kritisierte Gauland nun mit Blick auf Pläne für ein gemeinsames Spitzenteam, wie dies auch Grüne und Linkspartei haben. Die Wähler der AfD wollten ohnehin kein Gesicht, sondern eine Politik. Die Partei trifft sich in zwei Wochen in Köln, um über Wahlprogramm und Spitzenkandidatur zu entscheiden.

Die Sprüche der AfD

Immer wieder im Mittelpunkt

Ob Flüchtlingspolitik oder Fußball - mit markigen Sprüchen sorgen führende AfD-Politiker immer wieder für Kopfschütteln und Empörung, wie jetzt die stellvertretende Bundesvorsitzende Beatrix von Storch. Einige Zitate.

Quelle:dpa

Undeutsches Nationalteam

„Eine deutsche oder eine englische Fußballnationalmannschaft sind schon lange nicht mehr deutsch oder englisch im klassischen Sinne.“ (Der AfD-Bundesvize Alexander Gauland am 3. Juni im „Spiegel“)

Unerwünschter Nachbar

„Die Leute finden ihn als Fußballspieler gut. Aber sie wollen einen Boateng nicht als Nachbarn haben.“ (Gauland in der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ vom 29. Mai über Fußball-Nationalspieler Jérôme Boateng)

Bitte abschotten

„Wir müssen die Grenzen dichtmachen und dann die grausamen Bilder aushalten. Wir können uns nicht von Kinderaugen erpressen lassen.“ (Gauland am 24. Februar im Magazin der Wochenzeitung „Die Zeit“ über Flüchtlinge)

Schießbefehl dringend erwünscht

„Ich will das auch nicht. Aber zur Ultima Ratio gehört der Einsatz von Waffengewalt.“ (Die AfD-Bundesvorsitzende Frauke Petry in einem Interview des „Mannheimer Morgen“ vom 30. Januar 2016. Angesichts des Flüchtlingszustroms forderte sie im Notfall auch den Einsatz von Schusswaffen.)

Der Flüchtling als Angreifer

„Wer das HALT an unserer Grenze nicht akzeptiert, der ist ein Angreifer. Und gegen Angriffe müssen wir uns verteidigen. (...) Es gibt keinen Grund, mit Gewalt unsere Grenze zu überqueren.“ (Die stellvertretende AfD-Bundesvorsitzende Beatrix von Storch Ende Januar auf ihrer Facebook-Seite über Flüchtlinge)

Nachhilfe in Rassenkunde

„Im 21. Jahrhundert trifft der lebensbejahende afrikanische Ausbreitungstyp auf den selbstverneinenden europäischen Platzhaltertyp.“ (Der Thüringer AfD-Vorsitzende Björn Höcke am 21. November 2015 in einem Vortrag über Asylbewerber aus Afrika)

Flucht als Naturkatastrophe

„Das ist ungefähr so, als würden Sie mit Plastikeimern einen Tsunami stoppen wollen.“ (Der AfD-Bundesvorsitzende Jörg Meuthen am 24. Oktober 2015 bei einem Landesparteitag in Baden-Württemberg über die Maßnahmen der Bundesregierung zur Bewältigung der Flüchtlingskrise)

Petry hatte zuvor deutlich gemacht, dass sie auf dem Bundesparteitag eine Entscheidung im monatelangen Machtkampf in der Partei anstrebt. Sie warf Gauland eine „fundamentaloppositionelle Strategie“ vor. Dieser wies das im FAS-Interview zurück. Der nordrhein-westfälische AfD-Landeschef Marcus Pretzell betonte, sein Landesverband verfolge einen „klar realpolitischen Kurs“, stehe also auf Petrys Seite. Pretzell ist Lebensgefährte Petrys.

Im Streit um den geforderten Parteiausschluss des Thüringer Landesvorsitzenden Björn Höcke bekräftigte Gauland seine Kritik am Vorgehen Petrys. Nicht Höckes Rede über die deutsche Vergangenheitspolitik habe Wähler verschreckt, „sondern die Debatte um ein Ausschlussverfahren mit ungewissem Ausgang, die unentwegt Nachfragen hervorruft“, sagte Gauland.

Meuthen gegen Petry: Flügel-Aufruhr in der AfD

Meuthen gegen Petry

Flügel-Aufruhr in der AfD

Eigentlich wollte die AfD bis zur Bundestagswahl nicht mehr durch internen Streit auffallen. Doch das bleibt ein Wunsch. Ein Appell von Parteichefin Petry sorgt vor dem Parteitag für Erregung.

Die „Bild am Sonntag“ zitiert dagegen aus einem rund 60-seitigen Schriftstück, mit dem die Parteispitze ihren Antrag auf einen Parteiausschluss Höckes untermauern will. Danach wird diesem eine "Wesensverwandtschaft mit dem Nationalsozialismus" bescheinigt. Zu der umstrittenen Dresdner Rede Höckes heißt es: „Wer sich die Rede anhört, fühlt sich in die Zeit des Dritten Reiches versetzt.“ Es gebe sogar eine „Wort- und Sinnverwandtschaft zu Hitlers Reden“. Höcke hatte in Dresden mit Verweis auf das Holocaust-Mahnmal gesagt: „Wir Deutschen (...) sind das einzige Volk der Welt, das sich ein Denkmal der Schande in das Herz seiner Hauptstadt gepflanzt hat.“

In Umfragen lag die rechtspopulistische Partei bundesweit zuletzt bei acht (Forsa) und neun Prozent (Forschungsgruppe Wahlen). Er hoffe, dass die Partei überhaupt in den Bundestag einziehe, sagte Gauland mit Blick auf die Querelen.

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Von

dpa

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