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Weber-Zukunft

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Über die Besetzung hat die Kanzlerin gestern bereits mit Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble (CDU) und Vize-Kanzler Guido Westerwelle (FDP) gesprochen. Doch die Gemengelage ist kompliziert. Merkels Wirtschaftsberater Jens Weidmann etwa ist zwar häufig im Gespräch für den Posten, aber es gibt auch Bedenken. "Das kommt zu früh für Weidmann", hieß es im Umfeld der Bundesbank. Im Gespräch ist, dass er zunächst auf den in den kommenden Monaten frei werdenden Posten des Bundesbank-Vize wechselt und später zum Bundesbank-Präsidenten aufsteigt. Den Chefposten sollte bis dahin EZB-Chefvolkswirt Jürgen Stark übernehmen. Außerdem solle das Bild der von der Politik unabhängigen Bundesbank durch den schnellen Wechsel des politischen Spitzenbeamten keine Schrammen bekommen, sagt ein Regierungsmitglied.

In Berlin ging es gestern neben der Bundesbank vor allem um die Fragen: Wer wird nun EZB-Chef? Und was macht Weber?

Ein schneller Wechsel Webers in die Privatwirtschaft ist wohl schwieriger als bislang öffentlich bekannt. Wie das Handelsblatt erfuhr, enthält der Vertrag des Bundesbank-Präsidenten offenbar eine Klausel, wonach er eine bestimmte Zeit pausieren muss, bevor er etwa zu einer Bank wechseln darf. Bei früheren Bundesbank-Präsidenten betrug diese Karenzzeit zwei Jahre. Ändern könne die Regel nur der Bundesbank-Vorstand, hieß es.

Seine Kollegen zeigen sich auf jeden Fall irritiert über Spekulationen zu Webers Zukunft. "Ich kann es einfach nicht glauben, dass Weber zur Deutschen Bank geht", sagte ein EZB-Ratsmitglied mit Blick auf die Zuständigkeit der Bundesbank für die Bankenaufsicht. "Das wäre mit Sicherheit nicht im Interesse des EZB-Rats."

In Bezug auf die Besetzung der EZB-Spitze herrscht indes Ratlosigkeit im Regierungslager, das eigentlich Weber in Stellung bringen wollte und weiter an einer deutschen Lösung arbeitet. Es ist aber ungewiss, ob der in Berlin häufig genannte Name Klaus Regling, Chef des Europäischen Rettungsfonds, bei den anderen Euro-Staaten vermittelbar ist. "Derzeit glühen die Drähte zwischen den Hauptstädten", heißt es im Kanzleramt.

In französischen Regierungskreisen gelten deutsche Kandidaten weiterhin als aussichtsreich, es fallen die Namen Regling, Weidmann und Jörg Asmussen, Staatssekretär im Finanzministerium. Italien unterstützt indes offiziell den heimischen Kandidaten Mario Draghi, der schon lange als heißester Kandidat neben Weber galt. Außenminister Franco Frattini sagte, sein Land werde "alle nötigen Kräfte einsetzen", damit er an die EZB-Spitze komme.

Möglich ist angesichts von Webers Rückzug auch, dass die Staats- und Regierungschefs sich für einen Notenbanker aus einem kleinen Euro-Land entscheiden. Im Gespräch sind der Gouverneur der finnischen Notenbank, Erkki Liikanen, der Chef der niederländischen Zentralbank, Nout Wellink, und der luxemburgische Zentralbankpräsident Yves Mersch.

Kommentare (8)

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Einfach und klar

11.02.2011, 20:47 Uhr

Es wird keinen deutschen EZb-Chef geben. Das hat auch Herr Schäuble schon begriffen. Die Krone geht nach Finnland oder Luxemburg, was übrigens auch nicht verkehrt ist. Deutschland ist in vorderster Linie außenvor, wenn es brenzlig wird und damit ist in jedem Fall zu rechnen.(Wenn ein Herr Weber gerne würde, z.b.Zinsanhebung, aber er darf nicht, wäre das auch nicht schön oder wenn ein Herr Weber sollte, z.b.Staatsanleihen kaufen, aber er will nicht, dito) Herr Weber ist ein kluger Mann, er hat schlicht keine Lust als Hampelmann der Politik zu fungieren.

Die Parole heißt: Deutschland integrieren

11.02.2011, 21:02 Uhr

Ein echter Europäer gehört da wo Deutschland gerne den Herr Weber gehabt hätte. Die Größe eines Europäer hängt weder von der Wirtschaftskraft seines Heimatlandes noch von dessen Ausdehnung!
Lassen wir uns überraschen. Es war aber richtig dass kein Deutscher den Posten bekommt, der deutsche Einfluss ist so schon zu stark.
Wir wollen kein deutsches Europa sondern ein europäisches Deutschland.
Mal sehen ob wir das schaffen was die Römer nicht geschafft haben, Deutschland zu integrieren.

analyst

12.02.2011, 09:55 Uhr

Als Axel Weber am 21. April 2004 erstmals mit dem bundesfinanzminister vor die bundespressekonferenz trat, war in der berichterstattung der Medien das Lob über diesen Mann vollkommen. Dabei hätte jeder erkennen können, dass sich hier jemand mit klaren Prinzipien in ein Amt bewegt hat, das eine sehr enge Schnittstelle zur Politik aufweist. Schon als Mitglied des Sachverständigenrates, der der Regierung jährlich ein dickes Gutachten vorlegt, sei es ihm nicht darum gegangen, "berühmt zu werden, sondern um eine wissenschaftlich fundierte Politikberatung", sagte Axel Weber damals. Diese fundierte beratung war in der Krise 2008 Goldwert, jetzt scheint sie ihm den Kopf zu kosten. Dabei hat er nur Wort gehalten und ist geradlinig geblieben. bevor also die Medien Hohn und Spott über diesen Mann ausgießen, sollte sich der eine oder andere Kommentator mal seine eigenen Stücke vom April 2004 heraussuchen.

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