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11.02.2011

15:50

Weber-Zukunft

Die Suche nach zwei Nachfolgern

Von: Sven Afhüppe, Holger Alich, Daniel Goffart, Katharina Kort, Marietta Kurm-Engels, Oliver Stock

Nachdem Bundesbank-Präsident Axel Weber am Dienstag durchsickern ließ, dass er sich von seinem Posten verabschieden will, ist das politische Berlin in Aufruhr. Vor allem Kanzlerin Merkel ist unter Druck. Sie muss einen geeigneten Nachfolger finden - und will den Anspruch, im Herbst einen Deutschen als EZB-Chef zu implementieren, nicht aufgeben.

Der Vorstoß von Bundesbank-Präsident Axel Weber bringt Kanzlerin Merkel in die Bredouille. DAPD

Der Vorstoß von Bundesbank-Präsident Axel Weber bringt Kanzlerin Merkel in die Bredouille.

HB. Als Bundesbank-Präsident Axel Weber in der ersten Reihe der Aula der Raiffeisen-Zentralbank in Wien Platz nimmt, surren Kameras, klicken Auslöser, strahlen Scheinwerfer. Eigentlich ist dies eine Veranstaltung zur "Euro-Schuldenkrise". Doch den ganzen Vortag hatte es Spekulationen über einen baldigen Rücktritt Webers gegeben und darüber, dass er gar als neuer Chef zur Deutschen Bank wechseln könnte. Nun ist dies die Veranstaltung des Axel Weber. Es ist die Veranstaltung am Tag danach.

Als Weber mit seiner Rede an der Reihe ist, warten alle auf eine Erklärung zu seiner Zukunft. Bislang glaubten doch die meisten, dass er bald Chef der Europäischen Zentralbank (EZB) werden würde.

Doch Weber schweigt.

Er will sich zu seiner Zukunft nicht äußern. Gerade einmal zu zwei Sätzen ringt er sich durch: "Ich habe mit der deutschen Bundeskanzlerin gesprochen und ihr zugesagt, nicht vorzupreschen. Ich habe ihr zugesagt, dass alle Entscheidungen getroffen werden, die notwendig sind."

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    Dann versinkt er - "Deutschland", "Wachstumsmotor", "Griechenland", "Vorkrisenniveau" - in sein Manuskript. Als wäre nichts passiert, sagt Weber, was er sonst auch sagt.

    In Berlin ist derweil nichts mehr wie es war, nachdem Weber am Dienstag durchsickern ließ, dass er sich vielleicht verabschiede. Besonders für Bundeskanzlerin Angela Merkel. Sie ist nun unter Druck. Am Mittwochvormittag hatte die Regierungschefin Axel Weber noch mit Mühe in einem kontrovers geführten Telefonat vom sofortigen Rücktritt abgehalten, heute will sie ihn in Berlin treffen.

    Derweil läuft schon die Suche nach einem Nachfolger Webers auf Hochtouren, zumal Merkel nicht nur einen Kandidaten für die Spitze der Bundesbank braucht. Sie will auch den Anspruch nicht aufgeben, im Herbst einen Deutschen für die Nachfolge von Jean-Claude Trichet an der Spitze der EZB durchzusetzen.

    "Wir werden so schnell wie möglich einen neuen Bundesbank-Chef bestellen", sagte ein hochrangiger Regierungsvertreter dem Handelsblatt. Bis dahin soll Weber möglichst im Amt bleiben, hieß es weiter.

    Kommentare (8)

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    Einfach und klar

    11.02.2011, 20:47 Uhr

    Es wird keinen deutschen EZb-Chef geben. Das hat auch Herr Schäuble schon begriffen. Die Krone geht nach Finnland oder Luxemburg, was übrigens auch nicht verkehrt ist. Deutschland ist in vorderster Linie außenvor, wenn es brenzlig wird und damit ist in jedem Fall zu rechnen.(Wenn ein Herr Weber gerne würde, z.b.Zinsanhebung, aber er darf nicht, wäre das auch nicht schön oder wenn ein Herr Weber sollte, z.b.Staatsanleihen kaufen, aber er will nicht, dito) Herr Weber ist ein kluger Mann, er hat schlicht keine Lust als Hampelmann der Politik zu fungieren.

    Die Parole heißt: Deutschland integrieren

    11.02.2011, 21:02 Uhr

    Ein echter Europäer gehört da wo Deutschland gerne den Herr Weber gehabt hätte. Die Größe eines Europäer hängt weder von der Wirtschaftskraft seines Heimatlandes noch von dessen Ausdehnung!
    Lassen wir uns überraschen. Es war aber richtig dass kein Deutscher den Posten bekommt, der deutsche Einfluss ist so schon zu stark.
    Wir wollen kein deutsches Europa sondern ein europäisches Deutschland.
    Mal sehen ob wir das schaffen was die Römer nicht geschafft haben, Deutschland zu integrieren.

    analyst

    12.02.2011, 09:55 Uhr

    Als Axel Weber am 21. April 2004 erstmals mit dem bundesfinanzminister vor die bundespressekonferenz trat, war in der berichterstattung der Medien das Lob über diesen Mann vollkommen. Dabei hätte jeder erkennen können, dass sich hier jemand mit klaren Prinzipien in ein Amt bewegt hat, das eine sehr enge Schnittstelle zur Politik aufweist. Schon als Mitglied des Sachverständigenrates, der der Regierung jährlich ein dickes Gutachten vorlegt, sei es ihm nicht darum gegangen, "berühmt zu werden, sondern um eine wissenschaftlich fundierte Politikberatung", sagte Axel Weber damals. Diese fundierte beratung war in der Krise 2008 Goldwert, jetzt scheint sie ihm den Kopf zu kosten. Dabei hat er nur Wort gehalten und ist geradlinig geblieben. bevor also die Medien Hohn und Spott über diesen Mann ausgießen, sollte sich der eine oder andere Kommentator mal seine eigenen Stücke vom April 2004 heraussuchen.

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