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18.11.2022

20:21

Wehrtechnik

Durchbruch für Rüstungsprojekt FCAS – Milliarden für Testmodell von neuem Kampfjet freigegeben

Von: Martin Murphy, Frank Specht, Gregor Waschinski

Deutschland, Frankreich und Spanien machen den Weg frei für die nächste Stufe der Entwicklung. Beim Projekt FCAS geht es um mehr als ein reines Kampfflugzeug.

Der Jet soll vernetzt mit Drohnen operieren können. AFP/Getty Images

Modell des geplanten Kampfflugzeugsystems FCAS

Der Jet soll vernetzt mit Drohnen operieren können.

Berlin, Paris Die Flugzeugbauer Dassault und Airbus können mit der Entwicklung eines neuen Kampfflugzeug-Systems fortfahren. Die Regierungen von Deutschland, Frankreich und Spanien haben sich am Freitag darauf geeinigt, Gelder für die Fertigung eines flugfähigen Demonstrationsmodells freizugeben.

Die Entwicklungskosten für diese Programmphase 1b liegen laut Berliner Kreisen bei rund 3,5 Milliarden Euro. Auf Basis des Demonstrationsmodells soll dann getestet werden, ob sich das Projekt technologisch realisieren lässt.

Der Élysée-Palast in Paris bestätigte die Einigung. „Nach intensiven Verhandlungen steht der Abschluss eines Industrieabkommens bevor“, hieß es am Freitagabend. Die politische Übereinkunft sei „ein großer Schritt nach vorne, insbesondere im aktuellen internationalen Kontext“.

Die Einigung sei zudem „ein wichtiges Signal der exzellenten Kooperation zwischen Frankreich, Deutschland und Spanien“. Das geplante Luftkampfsystem stärke die militärischen Fähigkeiten Europas. Die Gespräche „auf hoher Regierungsebene“ hätten zu dem Durchbruch geführt. Frankreich bleibe bei dem Projekt in der Führungsrolle.

Zuletzt hatten vor allem Paris und Berlin um das sogenannte Future Combat Air System (FCAS) gestritten, da die Vorstellung über die Leistungsanforderungen auseinandergingen. Eine Frage war, ob angekoppelte Drohnen die Fähigkeit zur elektronischen Kriegsführung haben sollen. Diskussionen gab es zudem über die Triebwerke. Diese Differenzen scheinen nun ausgeräumt. Die Verträge sollen noch in diesem Jahr unterschrieben werden können.

Verteidigungsministerin Christine Lambrecht (SPD) bezeichnete die Einigung als ein „wichtiges Zeichen“ für die deutsch-französische Zusammenarbeit. FCAS gilt als ein Schlüsselprojekt, um die Verteidigungsfähigkeit Europas eigenständig sicherzustellen.

Dassault und Airbus mit Entwicklung beauftragt

Bei dem Projekt geht es nicht nur um ein reines Kampfflugzeug, sondern vielmehr um ein System, mit dem ein moderner Krieg geführt werden kann. Das Flugzeug soll über eine Cloud vernetzt im Verbund mit Drohnen operieren und seine Daten auch an andere Einheiten weitergeben können. Bisher verfügen nur die USA mit dem F-35 über ein ansatzweise vergleichbares System.

Mit der Entwicklung wurden Dassault und Airbus beauftragt, eingebunden ist auch der spanische Rüstungskonzern Indra. Die Entwicklung der flugfähigen Testmodelle soll bis 2027/2028 abgeschlossen werden.

Der Aufwand ist gewaltig, so soll FCAS unter anderem eine neue Tarnfähigkeit erhalten und eine störungssichere digitale Vernetzung. Nach bisherigen Planungen soll das neue Kampfsystem im Jahr 2040 auf den Markt kommen und den Eurofighter ablösen.

Reibungen zwischen Rüstungskonzernen

Ein Sprecher von Airbus bestätigte die Einigung. Dies sei ein bedeutsamer Schritt vorwärts für dieses europäische Flaggschiffprogramm im Verteidigungssektor.

Die Partnerschaft zwischen Dassault und Airbus verläuft bisher nicht ohne Reibungen, was auch zu der Verzögerung beigetragen haben dürfte. Während Airbus bereits mit anderen Unternehmen bei größeren Rüstungsprojekten kooperiert hatte, betritt Dassault Neuland. Der familiengeführte Konzern hat unter anderem den Kampfflieger Rafale entwickelt.

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