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31.01.2022

23:05

Westpfalz

Tödliche Schüsse auf Polizisten bei Verkehrskontrolle – Zwei Tatverdächtige festgenommen

PremiumDie Polizei fahndet mit Hochdruck nach möglichen weiteren Tätern, die Hintergründe sind noch unklar. Die Politik zeigt sich bestürzt.

Polizeibeamte sperren die Zufahrt zum Tatort, an dem zwei Polizeibeamte bei einer Verkehrskontrolle erschossen wurden. dpa

Zwei tote Polizisten in Kusel

Polizeibeamte sperren die Zufahrt zum Tatort, an dem zwei Polizeibeamte bei einer Verkehrskontrolle erschossen wurden.

Berlin Zwei junge Polizisten sind bei einer Verkehrskontrolle mitten in der Nacht im Kreis Kusel in der Westpfalz erschossen worden. Die 24 Jahre alte Polizeianwärterin und der 29 Jahre alte Polizeibeamte konnten noch einen Funkspruch an ihre Kollegen absetzen mit den Worten: „Die schießen“, berichtet die Deutsche Presse-Agentur unter Berufung auf Sicherheitskreise. Demnach hatten sie am Montag kurz zuvor ihre Kollegen informiert, sie hätten totes Wild in einem Fahrzeug gefunden.

Der Polizist soll am Tatort noch mehrere Schüsse abgegeben haben. Die Waffe seiner Kollegin kam offensichtlich nicht zum Einsatz.

Am späten Nachmittag wurden am Montag zwei Tatverdächtige im saarländischen Sulzbach festgenommen. Nach Polizeiangaben handelt es sich um zwei Männer im Alter von 32 und 38 Jahren. Die Fahndungsmaßnahmen liefen aber weiter, weil nicht ausgeschlossen werden könne, dass es Mittäter gebe.

Zunächst fasste die Polizei den 38-Jährigen, einen Wildhändler aus dem Kreis Neunkirchen, nachdem sie öffentlich nach ihm gefahndet hatte. Die Polizei hatte nach dpa-Informationen am Tatort Papiere des Verdächtigen gefunden. Der Mann war der Polizei nach Angaben aus Sicherheitskreisen in der Vergangenheit wegen Unfallflucht aufgefallen und soll eine Waffenerlaubnis haben.

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    Bundeskanzler Olaf Scholz (SPD) hat den Angehörigen der beiden Polizisten sein Beileid ausgesprochen. Was in Kusel passiert sei, bedrücke ihn sehr, schrieb Scholz am Montagabend auf Twitter. „Mein Mitgefühl gilt den Angehörigen der beiden jungen Opfer.“ Er denke auch an die vielen Polizistinnen und Polizisten, die jeden Tag ihr Leben riskieren, um Bürger zu schützen. „Wir müssen die Hintergründe der Tat schnell aufklären“, schrieb Scholz weiter.

    Bundesinnenministerin Nancy Faeser (SPD) sagte: „Unabhängig davon, welches Motiv der Tat zugrunde liegt: Diese Tat erinnert an eine Hinrichtung, und sie zeigt, dass Polizistinnen und Polizisten jeden Tag ihr Leben für unsere Sicherheit riskieren.“ Ihre Gedanken seien bei den Familien, Freunden und Kollegen der Opfer. „Wir werden alles tun, um die Täter dingfest zu machen.“

    Sie habe dem rheinland-pfälzischen Innenminister Roger Lewentz (SPD) jede Unterstützung angeboten, die für eine möglichst schnelle Festnahme der Täter und für die Ermittlungen benötigt werde, sagte Faeser.

    Flaggen im Saarland auf Halbmast

    Die beiden Opfer waren als Zivilstreife unterwegs, wie ein Sprecher der Polizei in Kaiserslautern berichtete. Ob sie Uniform trugen, wusste er zunächst nicht – und auch nicht, warum sie das Auto angehalten hatten. „Eine Kontrollstelle war nicht aufgebaut.“ Nach dem, was zunächst über den Hergang bekannt wurde, waren die Beamten wohl schon näher an das Fahrzeug herangetreten und hatten mit der Kontrolle begonnen, als die Schüsse etwa um 4.20 Uhr fielen.

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    Die Polizisten stammen laut dem Saarbrücker Ministerpräsidenten Tobias Hans (CDU) aus dem Saarland. Er habe seinen Innenminister Klaus Bouillon (CDU) gebeten, „als Ausdruck der Trauer und Solidarität die Flaggen im Saarland auf Halbmast zu setzen“, teilte Hans am Montag auf Twitter mit. Der Regierungschef zeigte sich laut einer Mitteilung seiner Staatskanzlei „zutiefst erschüttert“ und „absolut fassungslos“.

    Die Beamten der Polizeiinspektion Kusel seien auf einer routinemäßigen Streifenfahrt unterwegs gewesen und hätten den Wagen auf der Kreisstraße 22 in Ulmet gestoppt. Wie oft geschossen wurde, stand nicht sofort fest. Die Polizei ging davon aus, dass eine Obduktion angeordnet wird.

    Als die Verstärkung am Tatort ankam, sei es für die Studentin der Hochschule der Polizei und ihren fünf Jahre älteren Kollegen bereits zu spät gewesen.

    Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer und Lewentz zeigten sich „zutiefst schockiert“ über die tödlichen Schüsse. „Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen“, hieß es in einer Mitteilung der beiden SPD-Politiker in Mainz. Die Ministerpräsidentin ordnete Trauerbeflaggung im Land an. Für alle Streifenwagen des Landes ist Trauerflor vorgesehen.

    Auch Bundesverkehrsminister Volker Wissing und seine Mainzer Amtskollegin Daniel Schmitt (beide FDP) zeigten sich schockiert über die tödlichen Schüsse. Wissing schrieb am Montag auf Twitter: „Eine Tat, die erschüttert und fassungslos macht. Mit meinen Gedanken, meiner Trauer und meinem Mitgefühl bin ich bei den Opfern, deren Angehörigen und Freunden sowie ihren Kolleginnen und Kollegen ...“.

    Schmitt äußerte sich ähnlich auf Twitter und sprach von einer „unfassbaren und grausamen Tat“. Wissing ist auch rheinland-pfälzischer FDP-Chef.

    Von

    dpa

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