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10.05.2019

04:04

Kasper Rorsted

Europa braucht einen klaren Fahrplan für den digitalen Binnenmarkt

Von: Kasper Rorsted

Die EU ist der größte Binnenmarkt der Welt und für ein Drittel des Welthandels verantwortlich. Zeit, ihn in das digitale Zeitalter zu übertragen.

Der gebürtige Däne hat Wirtschaft in Kopenhagen studiert und nach seinem Studium seine berufliche  Karriere bei amerikanischen IT-Konzernen wie Oracle, Compaq und Hewlett-Packard begonnen. 2005 wechselte Kasper Rorsted zu Henkel, wo er von 2008 bis 2016 Vorstandsvorsitzender war. Seit 2016 ist Rorsted CEO der adidas AG.

Kasper Rorsted

Der gebürtige Däne hat Wirtschaft in Kopenhagen studiert und nach seinem Studium seine berufliche  Karriere bei amerikanischen IT-Konzernen wie Oracle, Compaq und Hewlett-Packard begonnen. 2005 wechselte Kasper Rorsted zu Henkel, wo er von 2008 bis 2016 Vorstandsvorsitzender war. Seit 2016 ist Rorsted CEO der adidas AG.

Europa und Adidas haben eines gemeinsam: die Vielfalt. Wer einmal durch unsere Zentrale in Herzogenaurach läuft, wird eine Vielzahl an Sprachen hören. Für mich ist das eine tolle Errungenschaft. Der Austausch von unterschiedlichen Sprachen, Kulturen und Perspektiven bereichert uns. Das Gleiche gilt für die Europäische Union: Viel zu selten halten wir Europäer uns vor Augen, wie besonders es ist, auf einem so vielfältigen und gleichzeitig friedlichen Kontinent zu leben.

Der Austausch untereinander birgt großes Potenzial, das durch die digitale Vernetzung noch weiter gehoben wird. Wir ergänzen uns und lernen voneinander. Das ist unsere Stärke. In Zeiten, in denen der Protektionismus die bisherigen Grundlagen der Weltordnung infrage stellt, müssen wir als Europäer dem etwas entgegensetzen – gemeinsam.

Dabei sollte es unser aller Ziel sein, dass Europa auch in Zukunft eine Union eigenständiger Staaten bleibt, die ihre Kräfte bündeln und sich aufgrund ihrer Erfahrung und Leistung gemeinsam in der Welt behaupten. Europa steht für klare Werte und bietet Menschen Frieden, Freiheit, Wohlstand und Teilhabe – für alle. Der europäische Binnenmarkt ist für mich neben dem friedlichen Miteinander eine der größten Errungenschaften der EU.

Er wurde geschaffen, damit wir in der EU günstigen Zugang zu einer unglaublichen Auswahl an Produkten und Dienstleistungen haben. Als größter Binnenmarkt der Welt ist die EU für ein Drittel des Welthandels verantwortlich. Darauf können wir stolz sein, und darauf sollten wir bauen. Der Brexit ist für mich daher die schlechteste wirtschaftliche Entscheidung, die in den vergangenen 30 Jahren getroffen wurde.

Es besteht kein Zweifel daran, dass sowohl Wirtschaft und Verbraucher als auch die Unternehmen in Großbritannien und in der EU darunter leiden werden. Dennoch müssen wir jetzt nach vorn schauen. Statt die EU weiter zu schwächen, sollten wir sie stärken und Ideen und Maßnahmen anstoßen, die Europa fit für die Zukunft machen. Es ist an der Zeit, den europäischen Binnenmarkt in das digitale Zeitalter zu übertragen. Die Digitalisierung ist eine große Chance für Europa.

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Als einer der Megatrends unserer Zeit fördert sie den grenzüberschreitenden Austausch unserer Länder und Bürger und bringt uns alle europaweit näher zusammen. Gleichzeitig ist sie der Hebel, um international wettbewerbsfähig zu bleiben. Die Schaffung eines digitalen europäischen Binnenmarktes ist die Grundvoraussetzung dafür, dass Europa in der ersten Liga spielt.

Zweifellos stellt uns die digitale Transformation vor Herausforderungen. Nicht nur die einzelnen Unternehmen, sondern jedes Land und auch Europa als Ganzes. Insgesamt schreitet die Digitalisierung in der EU zwar voran – es reicht aber nach wie vor nicht aus, um den Anschluss an die Weltspitze zu finden. Doch was braucht es für diesen digitalen Binnenmarkt? Um den Herausforderungen zu begegnen, benötigen wir eine europaweite digitale Infrastruktur.

Investitionen in Infrastruktur und Menschen

Sie ist das Fundament für Innovationen und Wettbewerbsfähigkeit. Dazu zählen sowohl der zügige Ausbau des europaweiten Breitbandnetzes als auch die Bereitstellung weiterer Frequenzen und Glasfasernetze für die 5G-Einführung. Hierbei spielt das Tempo aus meiner Sicht eine besondere Rolle. Erst im Jahr 2025 zu schnellerem Internet zu kommen, das kann nicht unser Maßstab sein. Wir müssen viel zügiger vorankommen.

Schauen wir uns das Beispiel Deutschland an: Obwohl Digitalisierung bereits seit 2005 ganz oben auf der Agenda steht, werden Prozesse nur zaghaft digitalisiert. Ja, man kann noch nicht einmal von München nach Nürnberg fahren und dabei ohne Funkloch-Unterbrechung telefonieren. Potenziale sehe ich zudem insbesondere bei der Digitalisierung von kleinen und mittelständischen Unternehmen sowie in der Verwaltung.

Sven Afhüppe, Thomas Sigmund (Hg.):
Europa kann es besser – Wie unser Kontinent zu neuer Stärke findet. Ein Weckruf der Wirtschaft
Herder Verlag 2019, 240 Seiten, 20 Euro
ISBN 978-3-451-39360-0
Das Buch bei Amazon bestellen.

Wir müssen bürokratische Hürden abbauen, Kompetenzzentren schaffen und allem voran Weiterbildungen anbieten. Stichwort Bildung: Wir müssen das System hinterfragen. Setzen wir bei Investitionen in unsere Zukunft die richtigen Prioritäten? In einer Welt, in der Wissen jederzeit abrufbar ist, wird anders gelernt als noch vor 50 Jahren. Der technische Fortschritt erfordert von uns neue Fähigkeiten.

Wie kann man da überhaupt noch diskutieren, ob wir unsere Schulen digital besser ausstatten sollen? Es ist eine absolute Notwendigkeit, wenn wir unsere Kinder auf die Herausforderungen von morgen vorbereiten wollen. Warum zieht es viele unserer besten Leute ins Silicon Valley? Weil es dort eine besser entwickelte Innovationskultur gibt. Eine Kultur, die Kooperationen als Erfolgsfaktor ansieht, anstatt Wettbewerb in den Fokus zu stellen. Von dieser Einstellung können wir uns in Europa etwas abgucken.

Wir haben in Europa sehr gute Forschungseinrichtungen. Trotzdem erreicht kein einziges europäisches Unternehmen die Börsen werte amerikanischer Unternehmen wie Apple und Amazon. Die Realität ist, dass wir in Europa zwar herausragende Forscher ausbilden, aber bisher noch nicht in der Lage sind, die Forschung für den Markt zu gewinnen und die Ergebnisse entsprechend umzusetzen.

Aufgrund einer uneinheitlichen Infrastruktur können wir die gewaltigen Mengen an Daten, die bei der Forschung entstehen, nur unzureichend nutzen. Das ist ein Nachteil. Europäische Cloud-Initiativen könnten dazu beitragen, Big Data europaweit besser zu nutzen.

Die Digitalisierung verändert alle Industrien. Sie ist nicht nur eine Branche, sondern ein Phänomen, das die gesamte Wirtschaft und Gesellschaft durchzieht. Diese Entwicklung wird die gesamte Wertschöpfungskette umgestalten – von der Produktion bis hin zum Vertrieb. Das birgt für Unternehmen enorme Möglichkeiten – auch für adidas. Wir treiben die digitale Transformation in der gesamten Organisation voran – als Team. Unsere Produkte werden zunehmend digital entworfen und verkauft.

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Mit Konsumenten kommunizieren wir heute vorwiegend online. In unseren Speedfactories implementieren wir Datenanalyse- und digitale Produktionsprozesse, um in kürzester Zeit Schuhe herzustellen. In wenigen Jahren werden wir Sportlern perfekt angepasste Schuhe in unseren Läden drucken können. Wir investieren daher ständig in unsere digitale Infrastruktur und suchen auf der ganzen Welt nach Talenten mit dieser Expertise. Nur so sind wir in der Lage, die Zukunft des Sports gemeinsam zu gestalten.

Das Gleiche gilt auch für Europa: Wir brauchen Initiativen und Innovationen, die die Digitalisierung vorantreiben, wirtschaftlich, gesellschaftlich und politisch. Klar: Innovationen bringen immer auch Unsicherheit. Sie sind anspruchsvoll und brechen den Status quo. Aber wenn wir nicht über unsere eigenen Grenzen hinausgehen, werden wir den Anschluss verlieren.

Deshalb sage ich: Europa ist und bleibt ein Erfolgsmodell. Wir müssen nur mutiger sein. Dann können wir gemeinsam als europäische Einheit die beste Lösung finden – für Forschung und Wirtschaft, aber auch für unser tägliches Miteinander.

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