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24.04.2017

23:28 Uhr

Front National

Le Pen legt Parteivorsitz vorübergehend nieder

Marine Le Pen geht auf Stimmenfang jenseits rechtsextremer Kreise. Die französische Präsidentschaftskandidatin überrascht den Front National: Sie möchte nicht länger Parteivorsitzende sein – zumindest vorübergehend.

Marine Le Pen und der Front National: Nach dem ersten Wahlgang beansprucht die rechtsextreme französische Präsidentschaftskandidatin ihre Agenda für sich persönlich - nicht etwa als Programm ihrer Partei. AFP

Marine Le Pen

Marine Le Pen und der Front National: Nach dem ersten Wahlgang beansprucht die rechtsextreme französische Präsidentschaftskandidatin ihre Agenda für sich persönlich - nicht etwa als Programm ihrer Partei.

ParisDie rechte französische Präsidentschaftskandidatin Marine Le Pen gab am Montagabend bekannt, dass sie vorübergehend den Vorsitz der Front National (FN) niedergelegt hat, um sich auf die Präsidentschaftskandidatur zu konzentrieren.. „Heute Abend bin ich nicht mehr die Präsidentin der Front National“, sagte Le Pen am Montag im französischen Fernsehen. „Ich bin die Präsidentschaftskandidatin.“

Mit dem Schritt will Le Pen offenbar vor der Stichwahl um das Präsidentenamt am 7. Mai zwischen ihr und dem sozialliberalen Kandidaten Emmanuel Macron potenzielle Wähler ansprechen.

Le Pen hatte in der Vergangenheit gesagt, dass sie nicht eine Kandidatin ihrer Partei sei. Diesen Standpunkt vertrat sie, als sie im Februar ihr Wahlprogramm vorstellte. Die von ihr befürworteten Maßnahmen seien nicht die ihrer Partei, sondern ihre eigenen, erklärte sie. Le Pen bemüht sich seit mehreren Jahren, Wähler vom linken und rechten Spektrum für sich zu gewinnen.

Die Gründe für das starke Abschneiden der Extremen

Sündenbock Brüssel

Für die EU-Feindin Le Pen ist die Sache klar. Neben der „massiven Einwanderung“ sind auch die „Technokraten“ aus Brüssel schuld an Frankreichs Problemen. Nur ein wenig freundlicher schaut Mélenchon auf Brüssel. Er stört sich an den Sparvorgaben und wollte deshalb die europäischen Verträge neu verhandeln. Und wie anderswo in Europa widerstehen auch Politiker etablierter Parteien nicht immer der Versuchung, unangenehme Entwicklungen der Einfachheit halber der EU anzulasten.

Wirtschaftsflaute

Die hohe Arbeitslosenquote von 10 Prozent ist eines der größten Probleme Frankreichs. Bei jungen Leuten liegt die Quote sogar bei 23,6 Prozent. Die Konjunktur schwächelt. Soziale Ungleichheit treibt vor allem Mélenchons Anhänger und die Unterstützer des abgeschlagenen Sozialisten Benoît Hamon um.

Enttäuschung über die Parteien der Mitte

Sozialisten und Konservative, die sich bislang im Élyséepalast die Klinke in die Hand gaben, haben die Wähler abgestraft wie nie zuvor. Beide sind in der Stichwahl nicht dabei. Das dürfte auch als Rechnung für den als schwach geltenden, scheidenden Präsidenten François Hollande zu verstehen sein. Verachtung für den selbsterklärten konservativen Saubermann François Fillon, der dann aber teure Anzüge annahm und seine Frau scheinbeschäftigt haben soll, dürfte auch eine Rolle gespielt haben.

Frust über Eliten

Le Pens scharfe Attacken auf „die Kaste“ fallen in Frankreich vielleicht auch deshalb auf fruchtbaren Boden, weil das System der Elitehochschulen lebenslange Seilschaften fördert. Zahlreiche Politik- und Wirtschaftsführer kommen etwa von der Verwaltungshochschule ENA - bis hin zu Staatschef Hollande.

Zudem sagte Le Pen, sie wolle mit dem ausgeschiedenen Kandidaten Nicolas Dupont-Aignan über eine Zusammenarbeit sprechen, der in der ersten Runde der Präsidentschaftswahl auf knapp fünf Prozent kam. "Seine Plattform ist unserer sehr ähnlich. Patrioten sollten zusammenkommen, um diejenigen zu bekämpfen, die für eine ungezügelte Globalisierung sind", sagte Le Pen. Dupont-Aignan hat mit "Debout la France" ("Steh auf, Frankreich") eine konservativ-gaullistische Partei gegründet, die vor allem für die Verteidigung der Souveränität Frankreichs in der EU steht.

Le Pen hatte am Sonntag in der ersten Runde der Präsidentenwahl 21,4 Prozent der Stimmen gewonnen und damit Platz zwei hinter dem sozialliberalen Bewerber Emmanuel Macron erreicht. Die entscheidende Stichwahl findet am 7. Mai statt. Macron gilt das Favorit für das Finale.

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Kommentare (2)

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Herr Hofmann Marc

25.04.2017, 09:14 Uhr


Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

Herr Alessandro Grande

26.04.2017, 17:25 Uhr

An das Handelsblatt:

Le Pen seitens Ihres merkelfreundlichen Wahlkampfblattes als Rechtsextreme zu bezeichnen, ist nicht nur dummdreist und unsäglich, sondern gehört eigentich angezeigt.
Die Leser sollten demnach an sich auch Ihre größtenteils schlecht recherchierten Artikel wegen "Verstoßes gegen die Netiquette" löschen können.

Schämen Sie sich auf jeden Fall dafür, denn sie verunglimpfen damit auch 22 Prozent der Franzosen, die anders als Sie offenbar Linksextreme denken!!!

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