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16.04.2018

09:58 Uhr

Dieses vom französischen Verteidigungsministerium zur Verfügung gestellte Foto zeigt ein Dassault Rafale Mehrzweckkampfflugzeug auf dem Militärflugplatz Saint-Dizier-Robinson, bevor es zwecks des Luftangriffs in Syrien startet. dpa

Französisches Kampfflugzeug

Dieses vom französischen Verteidigungsministerium zur Verfügung gestellte Foto zeigt ein Dassault Rafale Mehrzweckkampfflugzeug auf dem Militärflugplatz Saint-Dizier-Robinson, bevor es zwecks des Luftangriffs in Syrien startet.

++ Newsblog: Syrien-Krise – die Angriffe vom Wochenende ++

US-Truppen in Syrien sollen so schnell wie möglich zurückkehren

Russland scheitert im Uno-Sicherheitsrat mit einer Resolution, geht aber von einem Dialog mit den USA aus. Die Ereignisse vom Wochenende zum Nachlesen.

Die Lage in Syrien ist eskaliert: Die USA, Frankreich und Großbritannien haben in der Nacht auf Samstag einen Luftangriff gegen Syrien ausgeführt. Der Westen reagiert damit auf den mutmaßlichen Chemiewaffeneinsatz in dem Bürgerkriegsland. Drei Zivilisten wurden bei dem Angriff verletzt. Russland und Iran verurteilten die Angriffe scharf, Moskau scheiterte in der Nacht zum Sonntag im UN-Sicherheitsrat aber erwartungsgemäß mit einem Resolutionsentwurf, der die Angriffe verurteilen sollte. Die Ereignisse vom Wochenende zum Nachlesen. Alle neuen Entwicklungen lesen Sie hier.

+++ 09:53 Uhr: Experte Guido Steinberg – Westen spielt keine Rolle +++

Der Nahost-Experte Guido Steinberg von der Stiftung Wissenschaft und Politik sieht keine großen Erfolgsaussichten für diplomatische Bemühungen des Westens im Syrienkonflikt. „Die Europäer und die Amerikaner spielen dort keine Rolle mehr“, sagt er in der ARD. Vielmehr läge der Schlüssel zu einer Lösung in den Händen von Russland, der Türkei und Iran.

+++ 09:50 Uhr: Alexander Neu – Bundesregierung befeuert den Konflikt +++

Der verteidigungspolitische Experte der Linken-Bundestagsfraktion, Alexander Neu, wirft der Bundesregierung und dem Westen vor, durch Unterstützung der Rebellen in Syrien den Konflikt befeuert und verlängert zu haben. Bislang habe der Westen die Opposition wie beispielsweise die Islamisten auf vielfältige Weise unterstützt. Wenn diese Unterstützung eingestellt werde, könne dies die Beendigung des Kriegs beschleunigen, sagte Neu.

+++ 09:30 Uhr: Maas – Frieden in Syrien mit Assad nicht vorstellbar +++

Bundesaußenminister Heiko Maas plädiert für eine Beilegung des Syrienkonflikts ohne den Präsidenten Baschar al-Assad. „Dass jemand, der Chemiewaffen gegen seine Bevölkerung einsetzt, Teil der Lösung sein kann, kann sich wohl niemand vorstellen“, sagte Maas vor einem EU-Außenministertreffen in Luxemburg.

+++ 03:48 Uhr: Trittin – Luftschläge gegen Syrien völkerrechtswidrig +++

Der Grünen-Politiker Jürgen Trittin hat die Luftschläge der USA, Frankreichs und Großbritanniens gegen Syrien als völkerrechtswidrig kritisiert. „Man sollte nicht auf die massive Verletzung des Kriegsvölkerrechts einfach mit völkerrechtswidrigen Luftangriffen antworten“, sagt Trittin der „Rheinischen Post“. „Das gilt aber explizit für die Luftschläge der großen Koalition der Willigen aus USA, Frankreich und Großbritannien.“

+++ 02:12 Uhr: US-Truppen in Syrien sollen so schnell wie möglich zurückkehren +++

Die amerikanischen Truppen in Syrien sollen nach dem Willen von US-Präsident Donald Trump so schnell wie möglich zurückkehren. „Der US-Einsatz hat sich nicht geändert. Der Präsident hat klar gemacht, dass er möchte, dass die US-Streitkräfte schnellstmöglich nach Hause kommen“, sagte Präsidialamtssprecherin Sarah Sanders am Sonntag. Die USA seien entschlossen, den IS vollständig zu zerschlagen. Außerdem erwarte die US-Regierung, dass die regionalen Verbündeten und Partner eine größere Verantwortung sowohl militärisch als auch finanziell zur Sicherung der Region übernähmen.

+++ 01:16 Uhr: CDU-Außenpolitiker fordert Friedenslösung unter Einbeziehung Assads +++

Der außenpolitische Sprecher der Unions-Bundestagsfraktion und Koordinator für die transatlantische Zusammenarbeit, Jürgen Hardt (CDU), hat im Syrien-Konflikt einen neuen Ansatz unter Einbeziehung von Machthaber Baschar al-Assad gefordert. „Wir müssen den unbequemen Gedanken wagen, wie das Assad-Regime an einer Friedenslösung beteiligt werden kann. Es ist offensichtlich so, dass Russland einer Variante ohne Assad in keinem Fall zustimmen kann und wird“, sagt Hardt in einem Interview mit der „Welt“. „Ein Übergang mit Assad, aber eine Zukunft ohne Assad – daran sollte die Diplomatie nun arbeiten.“

+++ 00:12 Uhr: Arabische Liga verurteilt Giftgasangriffe +++

Zum Abschluss ihres jährlichen Gipfeltreffens hat die Arabische Liga Giftgasangriffe jeglicher Art verurteilt. Mit Blick auf den jüngsten Vorfall nahe der syrischen Hauptstadt Damaskus machten die 22 Mitgliedsstaaten am Sonntag aber niemanden direkt verantwortlich. Die westlichen Luftangriffe auf Syrien am Wochenende wurden weder unterstützt noch kritisiert. König Salman hatte zuvor die iranische Regierung als hauptverantwortlich für die Instabilität in der Arabischen Welt gebrandmarkt.

Unterdessen verteidigte Saudi-Arabiens Außenminister Adel al-Dschubair die engen Beziehungen seines Landes zu den USA. Es gebe keinen Widerspruch zwischen einem strategisch sehr starken Verhältnis zu Washington, während Riad zugleich gegen einige politische Entscheidungen der USA sei. Gute Beziehungen seien ein „positiver Faktor, um ihnen hin zu einem positiven Engagement im Nahen Osten zu helfen“, so al-Dschubair.

+++ 21:23 Uhr: Macron telefoniert mit Trump +++

Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sagt, er habe US-Präsident Donald Trump davon überzeugt, US-Truppen in Syrien zu belassen. Er habe vor dem Luftschlag auf syrische Ziele mit Trump telefoniert. „Wir haben ihn überzeugt, dass es notwendig ist, dort zu bleiben“, sagt Macron dem Sender BFM TV.

+++ 17:39 Uhr: Haley kündigt Sanktionen gegen Russland an +++

Die amerikanische UN-Botschafterin Nikky Haley kündigt neue Sanktionen ihres Landes gegen Russland wegen der Rolle Moskaus in Syrien an. Dabei werde es um Strafen gegen Unternehmen gehen, die mit Ausrüstung im Zusammenhang der Nutzung von Chemiewaffen in Syrien zu tun hätten. Die Strafmaßnahmen sollten am Montag verkündet werden.

+++ 17:18 Uhr: Kurz ruft zu Friedensgesprächen auf +++

Der österreichische Bundeskanzler Sebastian Kurz ruft zur Wiederaufnahme der syrischen Friedensgespräche auf. Der Konflikt könne nicht militärisch gelöst werden, deshalb müssten „alle verantwortlichen Akteure“ die Verhandlungen fortsetzen, die es 2015 in Wien gegeben habe, erklärte Kurz. Damals waren 20 unterschiedliche Gruppen eingebunden.

Angriffe in Syrien: Welche Ziele die Westmächte bombardierten, und welche Waffensysteme sie einsetzten

Angriffe in Syrien

Welche Ziele die Westmächte bombardierten, und welche Waffensysteme sie einsetzten

Bei den Luftangriffen gegen Syrien setzten die USA, Frankreich und Großbritannien hochprofessionelle Kriegswaffen ein. Ein Überblick.

+++ 15:57 Uhr: Putin warnt vor Konsequenzen +++

Der russische Präsident Wladimir Putin warnt russischen Nachrichtenagenturen zufolge vor unabsehbaren Konsequenzen im Falle weiterer Raketenangriffe westlicher Staaten in Syrien. Diese würden zu Chaos in den internationalen Beziehungen führen, sagt Putin demnach in einem Telefonat mit seinem iranischen Amtskollegen Hassan Ruhani.

+++ 15:17 Uhr: US-Truppen ziehen sich nicht zurück +++

Die US-Truppen werden sich nach Worten der UN-Botschafterin der USA, Nikki Haley, nicht aus Syrien zurückziehen, bevor ihre Ziele nicht erreicht seien.

+++ 15:02 Uhr: Russland - Kommunikationskanäle in die USA bleiben offen +++

Russland will die Kommunikationskanäle zwischen Moskau und Washington offenhalten, wie die Nachrichtenagentur Tass meldet. Die Regierung werde jede Anstrengung unternehmen, um die politischen Beziehungen zum Westen zu verbessern, wird ein ranghoher Vertreter des Außenministeriums zitiert. Er betont demnach allerdings zugleich, ein Kompromiss über UN-Resolutionen zu Syrien werde schwer zu erreichen sein.

+++ 13:20 Uhr: Russland will Dialog mit USA +++

Russland rechnet nach den Luftangriffen mit einem strategischen Dialog mit den USA. Es bestehe Grund zu der Annahme, dass die Amerikaner nun an Gesprächen interessiert seien, sagte Wladimir Ermakow, Chef der Abteilung für Rüstungskontrolle im Außenministerium, der Agentur Interfax. Es gebe Vertreter der US-Regierung, mit denen es möglich sei, zu reden.

Nach Luftschlägen: Westen dringt in Syrienkrise auf Diplomatie

Nach Luftschlägen

Westen dringt in Syrienkrise auf Diplomatie

Deutschland will in der Syrienkrise als Vermittler auftreten. Außenminister Maas fordert einen „neuen, kraftvollen Einstieg“ in Verhandlungen.

+++ 12:53 Uhr: Papst zeigt sich „zutiefst beunruhigt“ +++

Papst Franziskus hat nach den Luftschlägen der USA, Großbritanniens und Frankreichs auf mehrere Ziele in Syrien an alle politischen Verantwortungsträger in der Welt appelliert, sich für Gerechtigkeit und Frieden einzusetzen. „Ich bin zutiefst erschüttert wegen der gegenwärtigen Situation auf der Welt, in der es schwierig ist, sich auf ein gemeinsames Vorgehen zugunsten von Frieden in Syrien und anderswo zu verständigen“, sagte der Pontifex am Sonntag auf dem Petersplatz.

Obwohl der internationalen Gemeinschaft Mittel zur Verfügung stünden, habe sie Mühe, sich auf gemeinsame Maßnahmen zu einigen, die den Frieden in dem Bürgerkriegsland und anderen Regionen der Welt begünstigen würden. „Ich bete für den Frieden“, sagte das katholische Kirchenoberhaupt.

+++ 12:33 Uhr: Assad will keine Kursänderung +++

Der syrische Machthaber Baschar al-Assad will nach Angaben russischer Politiker trotz des Militärschlags westlicher Länder an seinem Kurs festhalten. Syrien werde den Handlungen des Westens keine Aufmerksamkeit schenken, soll Assad dem russischen Abgeordneten Dmitri Sablin zufolge bei einem Treffen in Damaskus am Sonntag gesagt haben. Assad habe den Militärschlag als Akt der Aggression bezeichnet, sagte Sablin der Agentur Tass zufolge.

Eine russische Delegation traf sich nach eigenen Angaben mit Assad in Syrien. Der Präsident sei bei dem Gespräch gut gelaunt gewesen, hieß es. Assad habe zudem die sowjetischen Luftabwehrsysteme gelobt, mit dem westliche Marschflugkörper abgeschossen worden sein sollen.

Zuvor hatte das Verteidigungsministerium in Moskau erklärt, dass der Großteil der Geschosse mit Hilfe russischer Technik abgefangen worden sei. Die USA bestreiten dies.

+++ 12:06 Uhr: Boris Johnson will bei erneutem Chemiewaffeneinsatz „Optionen prüfen“ +++

Der britische Außenminister Boris Johnson kündigt an, bei einem neuerlichen syrischen Chemiewaffeneinsatz „die Optionen“ zu prüfen. Derzeit seien keine weiteren Angriffe geplant, sagt Johnson, weil „gottseidank das Assad-Regime nicht so dumm war, einen weiteren Chemiewaffenangriff zu starten“.

Kommentar: Deutschland duckt sich in der Syrienkrise weg, wenn es ernst wird

Kommentar

Deutschland duckt sich in der Syrienkrise weg, wenn es ernst wird

Nirgends klaffen die Erwartungen an Deutschland und deutsche Verantwortungsbereitschaft so auseinander wie in der Außenpolitik.

+++ 11:57 Uhr: Labour-Chef stellt Rechtmäßigkeit des Luftangriffs in Frage +++

Der britische Oppositionschef Jeremy Corbyn stellt die Legitimität der Luftangriffe infrage. „Ich sage zum Außenminister, ich sage zur Premierministerin, wo ist dafür die rechtliche Grundlage?„ sagt Corbyn der BBC. „Die rechtliche Grundlage (...) wäre Selbstverteidigung oder die Autorität des UN-Sicherheitsrats. Die humanitäre Intervention ist derzeit ein rechtlich fragwürdiges Konzept.“

+++ 11:27 Uhr: Assad lobt Raketenabwehr aus Sowjetzeiten +++
Syriens Präsident Baschar al-Assad bezeichnet russischen Abgeordneten gegenüber die Luftschläge als „Akt der Aggression“. Zugleich habe er die Luftabwehrsysteme gelobt, die aus Sowjetzeiten stammen, melden russische Nachrichtenagenturen.

+++ 11:05 Uhr: Österreichs Kanzler Kurz will Gespräche +++
Österreichs Bundeskanzler Sebastian Kurz hat sich für eine Fortsetzung der momentan stockenden Syrien-Friedensverhandlungen auf internationaler Ebene ausgesprochen. „Nach dem schockierenden Chemiewaffeneinsatz am 7. April und der jüngsten westlichen Militäraktion in Syrien ist es nun das Gebot der Stunde, sich der Vernunft zu besinnen und den diplomatischen Friedensprozess mit allem notwendigen Nachdruck voranzutreiben“, erklärte Kurz in einer der österreichischen Nachrichtenagentur APA übersandten Stellungnahme.

Er appellierte an alle „verantwortlichen Akteure“, die Friedensgespräche fortzuführen. Eine weitere Eskalation „dieses Stellvertreterkrieges oder gar eine direkte militärische Auseinandersetzung zwischen den USA und Russland“ müsse „mit allen Mitteln“ verhindert werden.

Reaktion aus Moskau: Putin hat dem Militärschlag des Westens fast nichts entgegenzusetzen

Reaktion aus Moskau

Putin hat dem Militärschlag des Westens fast nichts entgegenzusetzen

Die Luftangriffe treffen den Syrien-Verbündeten Russland ins Mark. Moskau weiß wohl selbst nicht genau, was nun zu tun ist.

++ 10:52 Uhr: Frankreichs Außenminister: Russland muss Druck auf Syrien machen +++
Der französische Außenminister Jean-Yves Le Drian hat Russland aufgefordert, Druck auf den syrischen Präsidenten auszuüben. Man hoffe nun, dass Russland verstanden habe, dass man nach dem Militärangriff auf das Chemiearsenal Syriens die Bemühungen bündeln müsse, um einen politischen Prozess in Syrien in Gang zu bringen, sagte Le Drian der Sonntagszeitung „Le Journal du Dimanche“.

Frankreich sei bereit dazu. Doch Präsident Baschar al-Assad blockiere diesen Prozess, erklärte Le Drian. Russland müsse nun Druck auf seinen Alliierten ausüben.

+++ 8:39 Uhr: Parteichef der französischen Konservativen kritisert Luftangriffe+++
Der Chef der wichtigsten französischen Oppositionspartei hat die Angriffe kritisiert. Er glaube nicht an den Nutzen von „Straf-Schlägen“, sagte der Vorsitzende der konservativen Republikaner, Laurent Wauquiez, der Zeitung „Le Journal du Dimanche“ am Sonntag.

Luftschläge in Syrien: Uno-Sicherheitsrat lehnt russische Syrien-Resolution ab

Luftschläge in Syrien

Uno-Sicherheitsrat lehnt russische Syrien-Resolution ab

Das Ergebnis stand schon vor der Abstimmung fest. Die Fronten sind verhärtet zwischen den Vetomächten des Westens und Russland.

„Ich verstehe weder den Nutzen noch den Sinn darin, zuzuschlagen, um zuzuschlagen, für das Gefühl, etwas zu tun, ohne dass dahinter irgendeine Strategie steht.“ Wauquiez meinte an die Adresse von Staatschef Emmanuel Macron: „Die internationale Priorität des Präsidenten muss es sein, gegen die Islamisten zu kämpfen.“ Die Republikaner stellen die größte Oppositionsfraktion in der Pariser Nationalversammlung.

+++ 7:57 Uhr: Frankreich warnt vor humanitärer Katastrope in syrischem Idlib +++
Frankreichs Außenminister Jean-Yves Le Drian befürchtet in der syrischen Rebellenhochburg Idlib eine humanitäre Katastrophe. „Das Schicksal von Idlib muss in einem politischen Prozess geklärt werden, zu dem die Entwaffnung der Milizen gehört“, sagte Le Drian der Wochenzeitung „Le Journal du Dimanche“ vom Sonntag. Ein hochrangiger iranischer Regierungsvertreter hatte zuletzt angedeutet, dass Idlib nach dem Fall von Duma das nächste Ziel der syrischen Regierungstruppen sein könnte. In Idlib leben etwa zwei Millionen Menschen. Die Region wird von Rebellen kontrolliert, darunter islamistische und moderate Gruppen.

Frankreich werde weiterhin die Lage im Nordosten Syriens beobachten, wo mit französischer Hilfe die IS-Miliz vertrieben wurde. „Lasst uns nicht vergessen, dass unser wichtigster Feind der Islamische Staat und andere Terrorgruppen sind, die sich derzeit im Osten des Landes neu formieren“, sagte Le Drian.

+++ 7:30 Uhr: Westmächte wollen neue Syrien-Resolution vorlegen +++
Nach ihrer Militäroperation in Syrien planen die USA, Großbritannien und Frankreich einen neuen diplomatischen Vorstoß im UN-Sicherheitsrat. Der französische UN-Botschafter François Delattre sagte am Samstag in New York, Paris, Washington und London würden bald einen neuen Resolutionsentwurf vorlegen, der eine nachhaltige Lösung im Syrien-Konflikt bringen solle. In der Vorlage, die am Abend der Nachrichtenagentur AP vorlag, wird jeglicher Einsatz von Chemiewaffen verurteilt, vor allem der mutmaßliche Giftgasangriff am 7. April in Duma.

In dem Entwurf verlangen die drei Westmächte zudem Antworten von der Regierung von Präsident Baschar al-Assad zu Lücken in den Angaben zu syrischen Chemiewaffen gegenüber der Organisation für das Verbot chemischer Waffen (OPCW). Zudem wird für die Einsetzung eines neuen Gremiums geworben, das die Urheberschaft von Chemiewaffenangriffen feststellen soll. Gefordert wird in dem Papier zudem eine Feuerpause, ungehinderter Zugang zu humanitärer Hilfe in Syrien sowie eine rasche Wiederaufnahme von Verhandlungen über eine politische Lösung.

Russlands UN-Botschafter Wassili Nebensja signalisierte Ablehnung. Die aktuelle Atmosphäre sei „jedweder Annäherung nicht gerade zuträglich“, sagte er. Zunächst müsse die „politische und gefährliche militärische Situation“ geklärt werden, „in der wir gerade stecken“.

+++ 1:15 Uhr: Grünen-Chef Robert Habeck sieht Syrienangriff kritisch +++
Der Grünen-Vorsitzende Robert Habeck hat sich kritisch zum Angriff auf Syrien geäußert: „Ich bin kein Grundpazifist, aber mir fehlt die Strategie dahinter“, sagte er am Samstagabend bei einer Veranstaltung der „Zeit“. Der Angriff sei hochriskant gewesen, wegen einer möglichen direkten Konfrontation mit Russland. Dass er etwas geholfen habe bezweifle er. Habeck plädierte dafür, die für die Situation in Syrien direkt Verantwortlichen, wie bestimmte Generäle, „persönlich in ihrem Luxusleben“ zu belangen. Viele hätten ihr Vermögen in Europa, „die Frauen gehen in München shoppen“, es müsse möglich sein, das herauszufinden.

+++ 22:41 Uhr: Berichte – Explosion bei iranischer Basis in Syrien +++
Eine iranische Militärbasis in Syrien wurde von nicht identifizierten Flugzeugen angegriffen, berichteten syrische Medien am späten Samstagabend laut „Jerusalem Post“. Die iranische Basis in der Region Jabal Azzan südlich von Aleppo ist die größte des Landes. Die Provinz wird von der syrischen Regierung kontrolliert. Augenzeugen berichteten, sie hätten schwere Explosionen gesehen.

Die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte gab an, es könne sich um eine schwere Explosion in einem Waffendepot oder um einen Luftangriff gehandelt haben. In der Region seien auch afghanische Kräfte stationiert, die in dem Bürgerkrieg wie der Iran auf der Seite des syrischen Machthabers Baschar al-Assad kämpfen.

Unbestätigte Quellen identifizierten die Flugzeuge als israelische Kampfflugzeuge, laut „Jerusalem Post“. Das israelische Militär äußerte sich nicht zu den Vorfällen, berichtete die israelische Zeitung.

+++ 21:00 Uhr, Syrisches Fernsehen zeigt Jubelbilder nach „fehlgeschlagenem“ Angriff +++
Das syrische Staatsfernsehen hat am Samstag Live-Bilder stundenlanger Freudenfeiern auf den Straßen gezeigt. Tanzende und singende Menschen jubelten demnach über die „Standfestigkeit“ ihrer Regierung nach Luftangriffen der USA, Großbritanniens und Frankreichs auf Ziele in Syrien als Vergeltung für einen mutmaßlichen Chemiewaffenangriff in Duma bei Damaskus.

Im Fernsehen schwenkten Menschen syrische Flaggen neben solchen aus dem Iran und Russlands, den wichtigsten Verbündeten von Präsident Baschar al-Assad. Viele sprachen von „begrenzten“ oder „fehlgeschlagenen“ Angriffen. Laut dem Bericht fing die syrische Flugabwehr die meisten der Raketen ab. Die Menschen wurden aufgefordert, anderen Medienberichten nicht zu glauben, in denen „absichtlich oder unabsichtlich“ das Ergebnis der Angriffe übertrieben werde.

+++ 20:28 Uhr, Steinmeier fordert syrische Friedensinitiative von Russland und den USA +++

Die Ziele des Syrien-Angriffs

Militärflughafen Dumair

Dem russischen Verteidigungsministerium zufolge wurde der Militärflughafen Dumair östlich von Damaskus angegriffen. Die syrische Luftabwehr habe aber alle zwölf Geschosse abgefangen, hieß es in Moskau. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, dass keine „Raketen“ in Dumair eingeschlagen seien.

Forschungszentrum in Barsah

Ein Gebäude der Forschungseinrichtung nördlich von Damaskus wurde der syrischen Armeeführung zufolge beschädigt. Die staatliche Nachrichtenagentur Sana meldete später, es sei zerstört worden. In Barsah ist eine Zweigstelle der staatlichen Zentrums für wissenschaftliche Studien und Forschung untergebracht. Es soll laut Medienberichten Chemiewaffen entwickelt haben.

Lagerstätte in Schien

In dem Depot westlich der Stadt Homs in Zentralsyrien lagerte dem Generalstabschef des US-Militärs, Joseph Dunford, zufolge der chemische Kampfstoff Sarin. Nach US-Angaben soll es sich auch um eine Kommandozentrale gehandelt haben. Die syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte berichtete, in Schien sei auch eine Forschungseinrichtung gewesen. Die syrische Armee meldete drei verletzte Zivilisten durch den Angriff.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier ruft die USA und Russland auf, einen neuen Anlauf für eine syrische Friedensinitiative zu starten. „Es geht am Ende nicht ohne die regionalen Nachbarn, aber nichts beginnt ohne USA und Russland“, sagte er der „Bild am Sonntag“. Wenn Washington und Moskau nicht zueinander fänden, „sind die Chancen für eine Verbesserung der Lage in Syrien gleich Null!“

+++ 19:47 Uhr, Russische Resolution im Uno-Sicherheitsrat ohne Mehrheit +++
Eine von Russland eingebrachte Resolution ist im Uno-Sicherheitsrat gescheitert. Nur Russland, China und Bolivien stimmten am Samstag für das Papier, das eine „Verurteilung der Aggression gegen Syrien durch die USA und ihrer Verbündeten in Verletzung internationaler Gesetze und der Uno-Charta“ vorsah. Acht Länder stimmten gegen die Resolution, vier enthielten sich.

+++ 19:30 Uhr, Tausende demonstrieren in Athen gegen Militärangriff +++
In Athen haben am Samstag rund 5000 Menschen vor der Botschaft der Vereinigten Staaten gegen den Militärschlag der USA, Großbritanniens und Frankreichs in Syrien demonstriert. Es handelte sich hauptsächlich um Mitglieder und Sympathisanten der Kommunistischen Partei Griechenlands (KKE). „Der Protest verlief friedlich“, sagte ein Polizeioffizier.

Die Regierung unter dem linken Ministerpräsidenten Alexis Tsipras hatte bereits am Freitag erklärt, sie werde sich nicht an solchen Aktionen beteiligen. „Der einzige Weg die Krise (in Syrien) zu beenden ist der diplomatische - und nicht Militäraktionen“, sagte ein Regierungsvertreter am Samstag.

+++ 16:00 Uhr, USA, Frankreich und Großbritannien haben einen Luftangriff auf Syrien durchgeführt +++
Die Luftschläge der Westmächte sind eine eindeutige Botschaft an Assads mutmaßlichen Chemiewaffeneinsatz – und für Frankreich Teil einer umfassenden Strategie, heißt es aus Paris. Den Syrien-Verbündeten Russland treffen die Luftangriffe jedoch ins Mark.

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