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16.02.2020

16:30

5G-Ausbau

„Smoking-Gun-Dossier“: Neue Spionage-Vorwürfe der USA gegen Huawei

Von: Moritz Koch

Die USA wollen Spionagetechnik an Huawei-Antennen nahe Nuklearsilos gefunden haben. Diese Information haben sie auch mit der Bundesregierung geteilt.

Dem Huawei-Konzern wird vorgeworfen, sensible Technik in sensiblen Bereichen nahe der Abschussvorrichtungen installiert zu haben. ddp/imageBROKER/Jim West

Oberfläche eines Raketensilos

Dem Huawei-Konzern wird vorgeworfen, sensible Technik in sensiblen Bereichen nahe der Abschussvorrichtungen installiert zu haben.

München Die Amerikaner haben der Bundesregierung Geheimdienstinformationen vorgelegt, aus denen hervorgehen soll, dass der Technologiekonzern Huawei das chinesische Regime bei Spionageaktivitäten in der Nähe von US-Kernwaffenbasen unterstützt hat. Demnach wollen die Amerikaner unweit von Raketensilos auf Sendemasten, die Huawei ausgestattet hat, Spionagetechnik gefunden haben. Das erfuhr das Handelsblatt aus Regierungskreisen.

Die Informationen waren Teil eines umfassenden Dossiers, das eine hochrangig besetzte US-Delegation der Bundesregierung im Dezember vergangenen Jahres vorgelegt hatte. „Fernab der Ballungszentren befindet sich auch in den USA Huawei-Technologie in Mobilfunknetzen“, sagte ein amerikanischer Spitzenbeamter dem Handelsblatt auf der Münchner Sicherheitskonferenz. „Wir stufen das als Sicherheitsrisiko ein und arbeiten daran, die Komponenten zu entfernen.“

Das Handelsblatt hatte vor drei Wochen über das Treffen der Amerikaner mit deutschen Spitzenbeamten berichtet und aus einem internen Vermerk des Auswärtigen Amts zitiert. Darin werden die US-Geheimdienstinformationen als Beleg für die Einschätzung herangezogen, dass „die Vertrauenswürdigkeit chinesischer Unternehmen mit den Sicherheitserfordernissen beim Aufbau von 5G-Netze nicht gegeben“ sei.

In dem Bericht schreibt das Außenministerium: „Ende 2019 wurden uns von US-Seite nachrichtendienstliche Informationen weitergegeben, denen zufolge Huawei nachweislich mit Chinas Sicherheitsbehörden zusammenarbeite („smoking gun“)“. Über den Inhalt des Smoking-Gun-Dossiers wird seither spekuliert.

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    Zuletzt hatte das „Wall Street Journal“ über eine vermeintliche Spionage-Schnittstelle in Huaweis Netztechnologie berichtet. Die Zeitung schrieb unter Berufung auf hochrangige US-Beamte, dass das chinesische Unternehmen insgeheim Zugriff auf spezielle Schnittstellen in Mobilfunknetzen habe, die eigentlich nur für die Verfolgung von Straftaten vorgesehen sei.

    Huawei weist Anschuldigungen zurück

    Doch diese verborgene Hintertür ist bei dem Treffen in Berlin gar nicht zur Sprache gekommen. Man hätte zu diesem Thema ansonsten auch viele Fragen gehabt, hieß es aus der Bundesregierung.

    Dass das Auswärtige Amt seine Risikoeinschätzung zu Huawei auf andere Informationen stützt, ist vor allem deshalb relevant, weil Ungereimtheiten im Bericht des „Wall Street Journals“ genutzt wurden, um die Vorwürfe gegen Huawei zu entkräften. Huawei bestreitet vehement, Hintertüren installiert zu haben.

    Mit den neuen Enthüllungen konfrontiert erklärte ein Huawei-Sprecher: „Wir weisen diese neuen Anschuldigungen auf das Schärfste zurück. Wenn die US-Regierung Beweise für diese Anschuldigungen hat, dann fordern wir sie auf, diese zu veröffentlichen oder Anklage vor einem US-Gericht zu erheben, damit wir uns geordnet dagegen verteidigen können und aufzeigen können, dass sie substanzlos sind.“

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    Die Raketensilos, die das Nukleararsenal der USA beherbergen, befinden sich in den Weiten der amerikanischen Prärie, in ländlich geprägten Bundesstaaten wie Nebraska. Die großen Mobilfunkanbieter decken diese Regionen nicht ab, sondern nur kleinere örtliche Anbieter, die aufgrund ihrer geringen finanziellen Möglichkeiten bevorzugt die günstige Huawei-Technologie verbaut haben.

    Im US-Kongress wird derzeit ein Gesetzentwurf beraten, der den ländlichen Netzbetreibern Geld zur Verfügung stellen würde, um Huawei-Technologie zu ersetzen. Der überparteiliche „United States 5G Leadership Act“ soll dafür 700 Millionen Dollar bereitstellen.

    Der Fernsehsender CNN hatte schon im vergangenen Jahr allgemein über die Sorgen der USA um ihre Abschussrampen berichtet.

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