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06.08.2019

11:07

Abwertung des Yuan

Kampf der Währungen: Chinas limitiertes Arsenal im Handelsstreit

Von: Dana Heide, Sha Hua

China hat im Konflikt mit den USA wenig Möglichkeiten, den Attacken zu widerstehen. Doch Peking dementiert die Einflussnahme durch Währungskurse.

Die Notenbank der Volksrepublik legt täglich einen Mittelwert fest, von dem der Kurs maximal zwei Prozent abweichen sollte. dpa

Chinesische Zentralbank in Peking

Die Notenbank der Volksrepublik legt täglich einen Mittelwert fest, von dem der Kurs maximal zwei Prozent abweichen sollte.

Peking Wenn es um den Wert der chinesischen Währung Yuan gegenüber dem US-Dollar geht, war in den vergangenen elf Jahren auf eines stets Verlass: Für einen Dollar bekommt man nicht mehr als sieben Yuan, Schwankungen finden nur unterhalb dieses Wertes statt. Umso größer war am Montag der Schock, als die chinesische Zentralbank zuließ, dass diese rote Linie überschritten wird.

Erstmals seit elf Jahren stieg die Wechselrate zu einem US-Dollar auf über sieben Yuan an, was einer Abwertung gleichkommt. Damit verbilligen sich chinesische Exporte in den Dollar-Raum.

Die US-Regierung war außer sich. Sie wertet den Schritt als gezielte Reaktion auf die jüngste Entwicklung im Handelsstreit und wirft China vor, ein „Währungsmanipulator“ zu sein. Doch eine gezielte Währungsmanipulation ist nicht einfach nachzuweisen.

Tatsächlich kann sich die chinesische Währung nicht gänzlich frei bewegen. Die Notenbank der Volksrepublik legt täglich einen Mittelwert fest, von dem der Kurs maximal zwei Prozent abweichen sollte. Dabei orientiere man sich laut offizieller Vorgabe am Markt, heißt es. Der Kurs ist allerdings gesetzt, und so steht bei Kursbewegungen dann auch immer die Frage im Raum, ob sie von der chinesischen Regierung gesteuert wurden.

In einer Erklärung wehrte sich die chinesische Zentralbank vehement gegen den Vorwurf der Währungsmanipulation. Die jüngste Abwertung des Yuans sei durch den Markt bewirkt worden, hieß es darin.

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Das Institut kritisierte wiederum die USA heftig: Der Vorwurf der Währungsmanipulation beschädige die internationale Finanzordnung, den Handel sowie die Konjunktur und führe zu Turbulenzen an den Finanzmärkten, erklärte die Zentralbank. Bereits am Montag hatte der Chef des Instituts, Yi Gang, beteuert: „Währungskurse werden nicht als Instrument im Zusammenhang mit Handelskonflikten oder anderen externen Störungen genutzt.“

Die Volksrepublik hat im Konflikt mit den USA nicht sehr viele Möglichkeiten, den Attacken etwas entgegenzusetzen. Angesichts dessen liegt es nahe, dass China seine Möglichkeiten nutzt, um seine Währung zum Dollar abzuwerten, um die Folgen des Handelsstreits für seine Unternehmen abzufedern und Exporte zu verbilligen.

Wie drastisch die Auswirkungen auf die chinesische Wirtschaft schon heute sind, zeigte am Dienstag eine Einschätzung von Experten. Chinas Importe werden vermutlich im Juli im Vergleich zum Vorjahr um 8,3 Prozent schrumpfen, ergab eine Umfrage der Nachrichtenagentur Reuters unter 29 Volkswirten. Sie vermuten, dass die von Peking gesetzten Finanzspritzen nicht ausgereicht haben, um die nachlassende Binnennachfrage zu stärken.

Allerdings ist eine dauerhafte und anhaltende Abwertung der chinesischen Landeswährung für die Stabilität der Volksrepublik auch nicht ganz ungefährlich. Ein zu schwacher Yuan hat das Potenzial, der heimischen Wirtschaft zuzusetzen, denn Importe nach China, zum Beispiel von Öl, werden dadurch teurer. Und auch die Gefahr der Kapitalflucht würde wieder deutlich steigen.

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Trotzdem dürfte die Abwertung kein Zufall gewesen sein, sondern es wird wohl politisches Kalkül dahintergesteckt haben. Es kann also durchaus als eine Warnung Chinas an die USA verstanden werden: Die Volksrepublik schlägt im Handelsstreit zurück. Am Dienstag bestätigte Hua Chunying, die Sprecherin des chinesischen Außenministeriums, zudem, dass chinesische Unternehmen den Kauf amerikanischer Agrarprodukte eingestellt hätten.

Bei diesem Schritt handele es sich um eine Reaktion auf die neuen Strafzölle der USA, die damit „den in Osaka zwischen dem amerikanischen und chinesischen Präsidenten getroffenen Konsens ernsthaft verletzt“ hätten, so Hua. Außerdem behalte sich Peking vor, zusätzliche Zölle auf landwirtschaftliche Waren aus den Vereinigten Staaten zu erheben, die nach dem 3. August gekauft worden sind.

Die härtere Gangart lässt auch wieder Spekulationen zu, dass China seinen enormen Bestand an US-Staatsanleihen nutzen könnte, um die US-Seite zu schwächen. China besitzt US-Staatsanleihen im Volumen von mehr als einer Billion Dollar – ein plötzliches Abstoßen könnte große Verwerfungen mit sich bringen.

Experten halten diese Möglichkeit allerdings für unwahrscheinlich – zum einen, weil die möglichen Unruhen an den Finanzmärkten auch negative Folgen für China selbst haben würden. Zum anderen, weil die USA die Wirkungen schnell wieder einfangen könnten – andere Interessenten für die Staatsanleihen dürften schnell gefunden sein.

Mehr: Der Handelsstreit sorgt nicht nur an den Aktienmärkten für unruhige Zeiten. Auch bei anderen Investments sollten Anleger jetzt vorsichtig sein.

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