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Ägypten

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Die Fahrt nach Westen dauert länger als eine Woche

Die Fahrt nach Westen dauert länger als eine Woche. Lebensmittel und Wasser befinden sich an Bord, und die Schiffe haben eine richtige Besatzung. Anders als auf den gefährlichen Überfahrten von Libyen aus wurden von dort bislang nur wenige Fälle von Misshandlungen gemeldet. Die Route ist nicht neu, sie wird seit 2011 genutzt. Doch das Vorgehen der Schleuser, mit dem Umstieg der Migranten auf See, führt dazu, dass ihnen kaum auf die Spur zu kommen ist.

Es ist die Variation einer alten Strategie. Laut Frontex nutzten Menschenschmugglernetzwerke in Ägypten früher kleiner Fischerboote, stiegen aber vor einigen Jahren auf größere „Mutterschiffe“ mit einer Reihe kleinerer Fischerboote im Schlepptau um. Beim Verlassen Ägyptens werden die Migranten auf dem Mutterschiff transportiert.

Was treibt Flüchtlinge nach Europa?

Syrien

Die Syrer stellen die größte Gruppe; 2014 kamen nach Angaben der Grenzschutzagentur Frontex 66 700. Millionen Syrer sind auf der Flucht vor einem extrem brutal ausgetragenen Religions- und Bürgerkrieg; viele sind Flüchtlinge im eigenen Land oder gingen in die Türkei und den Libanon.

Eritrea

Das Land am Horn von Afrika gehört zu den ärmsten Ländern der Welt. Präsident Isaias Afwerki regiert seit 1993 mit eiserner Faust. Oppositionelle werden ermordet oder inhaftiert. Viele junge Menschen fliehen vor dem Militärdienst. Laut Frontex nahmen 2014 rund 34 300 Menschen aus Eritrea das Risiko einer Überfahrt auf sich.

Afghanistan

Nach vielen Jahren Bürgerkriegs liegen Infrastruktur und Wirtschaft des Vielvölkerstaats am Boden. Industrie gibt es kaum. Dafür floriert der Drogenhandel und die Taliban sind unbesiegt. Viele Afghanen sehen daher keine Zukunft in ihrer Heimat.

Mali

Die 16 Millionen Einwohner des armen Wüstenstaates kämpfen um das tägliche Überleben. Nach einem Militärputsch hatten Islamisten 2012 den Norden erobert und waren erst von einer internationalen Truppe zurückgeworfen worden. Die Sicherheitslage bleibt prekär und die Korruption hemmt die Entwicklung.

Nigeria

Die islamistische Terrorgruppe Boko Haram hat in Teilen des Nordostens einen Gottesstaat ausgerufen. Ihre Angriffe kosteten Tausende das Leben. 1,5 Millionen Menschen flohen vor der Miliz in andere Landesteile oder ins Ausland. Mehr als die Hälfte der Einwohner des potenziell reichen Landes lebt in extremer Armut.

In der Nähe der italienischen Küste werden sie auf die Fischerboote verteilt, während das Mutterschiff in den Hafen zurückkehrt. Diese Vorgehensweise macht es schwer aufzuspüren, woher die Migranten kommen und wer die Schleuser sind.

Gespräche der EU mit ägyptischen Behördenvertretern dürften nicht einfach werden. Die Union erhöht derzeit zugleich ihre Finanzhilfe für das Land im Rahmen eines Partnerschaftsprogramms mit mehreren afrikanischen Staaten. „Es ist eine sehr diskrete, sehr effektive, höchst korrupte Branche, die die ganze Zeit aus Ägypten heraus agiert“, sagt Expertin Reitano. „Sie ist sehr, sehr organisiert.“

Brexit 2019

Von

ap

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