Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

06.09.2019

08:03

Afrika

Simbabwes Ex-Diktator Robert Mugabe ist tot

Der langjährige Präsident des südafrikanischen Staates ist im Alter von 95 Jahren gestorben. Nachfolger Mnangagwa würdigt ihn als „Ikone der Befreiung“.

Umstrittener Herrscher

Simbabwes Ex-Präsident Robert Mugabe ist tot

Umstrittener Herrscher: Simbabwes Ex-Präsident Robert Mugabe ist tot

Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

Harare Robert Mugabe, der langjährige Präsident des südafrikanischen Staates Simbabwe, ist im Alter von 95 Jahren gestorben. Der simbabwische Präsident Emmerson Mnangagwa bestätigte entsprechende Berichte am Freitag über den Kurznachrichtendienst Twitter.

Sein Amtsnachfolger Emmerson Mnangagwa würdigte Mugabe in einem Tweet als „Ikone der Befreiung“. Sein Beitrag zur Geschichte der Nation und des Kontinents werde „niemals vergessen werden“.

Mugabe, der den Spitznamen „das Krokodil“ hat, engagierte sich bereits Anfang der 1960er Jahre im politischen Kampf gegen das rhodesische Siedlerregime. Dafür musste er zehn Jahre lang ins Gefängnis. Nach seiner Haftentlassung 1974 ging er ins Nachbarland Mosambik und wurde schnell einer der bedeutendsten Guerillaführer im Kampf gegen das weiße Regime von Regierungschef Ian Smith.

Nach Jahren des Guerillakampfes gewann Mugabes Partei 1980 die Parlamentswahlen, er wurde Premierminister, 1987 auch Präsident. Er machte westliche Sanktionen für wirtschaftliche Probleme Simbabwes verantwortlich. Mugabe regierte mit harter Hand, unterdrückte Pressefreiheit und Opposition. Er setzte das Militär gegen die Minderheit der Ndebele ein. Bei Massakern wurden von 1982 bis 1987 Tausende Ndebele getötet.

Mit einem Beschluss zur Enteignung weißer Landwirte brach Mugabe Ende der 90er Jahre mit der Politik der Versöhnung gegenüber Weißen. 1999 wurden über 800 Großfarmer entschädigungslos enteignet. Mugabes Anhänger besetzten Tausende Farmen, zahlreiche weiße Landwirte und Familienmitglieder wurden getötet. „Nur Gott, der mich ernannt hat, wird mich abwählen können“, sagte Mugabe einmal.

Mnangagwa war ab 1976 Mugabes persönlicher Assistent gewesen und galt als sein Kronprinz. Später wurde er Verteidigungsminister, Justizminister und Vizepräsident. Später kam es jedoch zum Bruch zwischen den Männern, woraufhin Mnangagwa einen Putsch organisierte.

Wachsende Unzufriedenheit über die Regierung des Landes führte zu einer militärischen Intervention, einem Amtsenthebungsverfahren und großen Straßendemonstrationen. Mugabe war einer der dienstältesten afrikanischen Präsidenten, bevor er 2017 nach einer Militärübernahme zum Rücktritt gezwungen worden.

Simbabwe, eines der ärmsten Länder der Welt

Kurz vor der Wahl, der ersten Abstimmung seit knapp vier Jahrzehnten, erklärte Mugabe über den seinen Nachfolger Mnangagwa, er könne die jahrzehntelang von ihm geführte Regierungspartei Zanu-PF nicht wählen. „Ich kann nicht für jene stimmen, die mich schikaniert haben“, sagte er über den Mann, der eigentlich seine Ehefrau Grace als Nachfolgerin aufgebaut hatte.

Simbabwe galt einst als Kornkammer Afrikas und Hoffnungsträger des Kontinents. Nach Mugabes Sturz steckte das Land jedoch in einer wirtschaftlichen Krise. Trotz reicher Bodenschätze und einem günstigen Klima für die Landwirtschaft gehört Simbabwe nach einem UN-Index zu den ärmsten Ländern der Welt. Die durchschnittliche Lebenserwartung liegt der Weltbank zufolge bei 60 Jahren (Deutschland: 81). Nach Schätzungen haben rund 80 Prozent der Simbabwer keinen regulären Arbeitsplatz. Not und Repression haben geschätzte drei Millionen Bürger ins Ausland getrieben.

In der Vergangenheit kursierten mehrfach Gerüchte über Mugabes angeblichen Tod. Er selbst sagte dazu im September 2016 einmal: „Es stimmt: Ich war tot. Aber ich wurde wie immer wiedergeboren.“

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×