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05.10.2018

17:42 Uhr

Aktivisten gegen sexuelle Gewalt

Arzt Mukwege und Jesidin Murad bekommen den Friedensnobelpreis

VonHelmut Steuer

Denis Mukwege erhält für seinen Einsatz für vergewaltigte Frauen den Friedensnobelpreis. Die Jesidin Nadia Murad wird ebenfalls ausgezeichnet.

Sie erhielten den Preis „für ihren Kampf gegen sexuelle Gewalt als Waffe in Kriegen und bewaffneten Konflikten“, erklärte Berit Reiss-Andersen, die Vorsitzende des Nobelkomitees in Oslo. AFP

Denis Mukwege und Nadia Murad

Sie erhielten den Preis „für ihren Kampf gegen sexuelle Gewalt als Waffe in Kriegen und bewaffneten Konflikten“, erklärte Berit Reiss-Andersen, die Vorsitzende des Nobelkomitees in Oslo.

StockholmDer Friedensnobelpreis geht in diesem Jahr an den kongolesischen Arzt Denis Mukwege und die jesidische Rechtsanwältin Nadia Murad. Beide hätten die Aufmerksamkeit der Welt auf die Kriegsverbrechen gelenkt, erklärte die Vorsitzende des Nobelkomitees, Berit Reiss-Andersen.

Murad setzt sich für die Opfer von Kriegsverbrechen ein. 2014 überlebte sie den Genozid an den Jesiden im Nordirak, wie Reiss-Andersen hervorhob. Vor zwei Jahren wurde die Menschenrechtsaktivistin zur ersten Goodwill-Botschafterin der Vereinten Nationen ernannt.

Der Gynäkologe Mukwege, der sich sich für vergewaltigte Frauen einsetzt und Behandlungszentren eröffnet hat, gilt seit Jahren als ein Favorit auf den Preis. Der Kongolese erhalte den Preis für seinen Einsatz für Mädchen und Frauen, die Opfer sexueller Gewalt geworden sind, teilte das norwegische Nobelkomitee am Freitag in Oslo mit.

2013 erhielt er bereits den Alternativen Nobelpreis für sein Engagement. Ein Jahr später wurde er mit dem Sacharow-Preis des Europäischen Parlaments geehrt.

Mukwege habe große Teile seines erwachsenen Lebens dafür benutzt, den Opfern sexueller Gewalt im Kongo zu helfen, betonte Reiss-Andersen. Vor zehn Jahren eröffnete er in Bukavu das Panzi-Krankenhaus, das sich auf die Behandlung von Verletzungen nach sexueller Gewalt spezialisiert hat. Nach mehreren Attentaten auf ihn ging Mukwege 2012 ins Exil nach Europa, kehrte jedoch ein Jahr später zurück in den Kongo.

„Ich hoffe, dass dieser Preis dazu führen kann, dass sich Menschen gegenseitig akzeptieren, obwohl sie verschiedene Religionen haben und dass sie in Frieden miteinander leben können“, sagte die 25-jährige Murad in einem von der Nobelpreisstiftung veröffentlichten Telefoninterview.

Murad ist selbst von der Terrororganisation IS verschleppt und vergewaltigt worden. Sie fordert seit Langem eine konsequentere Strafverfolgung von IS-Verbrechen. Heute lebt sie in Deutschland und in der Sinjar-Region im Nordirak.

„Es sind zwei großartige Preisträger, die beide für sich für den Schrei nach Menschlichkeit stehen inmitten unvorstellbarer Grausamkeiten die Menschen anderen Menschen antun“, sagte der Sprecher der Bundesregierung am Freitag in Berlin.

Steffen Seibert erinnerte daran, dass Bundeskanzlerin Angela Merkel mit Murad 2016 ein ausführliches Gespräch im Bundeskanzleramt geführt habe. Die Jesidin widme sich der Aufgabe, anderen Menschen von den Schrecken ihres Volkes zu berichten.

Kampf gegen sexuelle Gewalt

Denis Mukwege und Nadia Murad erhalten Friedensnobelpreis

Kampf gegen sexuelle Gewalt: Denis Mukwege und Nadia Murad erhalten Friedensnobelpreis

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In diesem Jahr waren 216 Persönlichkeiten und 115 Organisationen für den renommiertesten politischen Preis der Erde nominiert. Im vergangenen Jahr hatte die Internationale Kampagne zur atomaren Abrüstung (ICAN) den Friedensnobelpreis erhalten. Die Organisation habe „die Aufmerksamkeit auf die katastrophalen humanitären Folgen“ von Atomwaffen gelenkt, hieß es in der Begründung des Nobelkomitees in Oslo.

Mit der Bekanntgabe des Friedensnobelpreises geht der diesjährige Nobelreigen zu Ende. Am Montag wird zwar noch der Wirtschaftspreisträger bekanntgegeben, doch dieser Preis ist kein offizieller Nobelpreis.

Der Wirtschaftspreis wurde erst 1968 von der Schwedischen Zentralbank gestiftet und wird seit 1969 vergeben. Sein offizieller Name lautet „Preis der Schwedischen Reichsbank zum Andenken an Alfred Nobel“.

Der Wirtschaftspreis hat eine Sonderstellung, denn der Preisstifter, der schwedische Industrielle und Erfinder des Dynamits Alfred Nobel, hatte in seinem Testament keinen Wirtschaftspreis vorgesehen und war auch äußerst negativ gegenüber Ökonomen eingestellt.

Der Literaturnobelpreis wurde in diesem Jahr nicht verliehen. Die Schwedische Akademie, die für die Auswahl der Literaturnobelpreisträger verantwortlich ist, wird seit einem Jahr von einem Sexskandal erschüttert. Jean-Claude Arnault, der Ehemann von Akademiemitglied Katarina Frostenson, hat über Jahre Frauen sexuell belästigt.

Die Übergriffe sollen teilweise sogar in Räumen der Schwedischen Akademie stattgefunden haben. Am Montag dieser Woche wurde er deshalb zu zwei Jahren Gefängnis verurteilt. Arnault bestreitet die Vorwürfe und will in Revision gehen. Am Mittwoch hatten zwei US-Amerikaner und ein Brite den Chemienobelpreis für die Arbeit mit Enzymen und Antikörpern zugesprochen bekommen.

Die Nobelpreise werden am 10. Dezember, dem Todestag von Alfred Nobel, in Stockholm und Oslo überreicht. Dotiert sind die Auszeichnungen in diesem Jahr mit neun Millionen Kronen, rund 870.000 Euro.

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