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25.09.2017

21:18 Uhr

Atomstreit

Nordkorea wertet Trumps Worte als „Kriegserklärung“

Nordkorea fasst die jüngsten Kommentare von US-Präsident Donald Trump als „Kriegserklärung“ auf und droht mit dem Abschuss strategischer Bomber der USA – selbst, wenn diese nicht in den nordkoreanischen Luftraum eindringen.

„Das ist ganz klar eine Kriegserklärung, weil solche Worte von einem amtierenden amerikanischen Präsidenten kommen.“ dpa

Ri Yong Ho

„Das ist ganz klar eine Kriegserklärung, weil solche Worte von einem amtierenden amerikanischen Präsidenten kommen.“

New York/SeoulDer Atomstreit zwischen Nordkorea und den USA spitzt sich weiter zu: Nordkorea fasse die jüngsten Kommentare von US-Präsident Donald Trump als „Kriegserklärung“ auf, sagte Außenminister Ri Yong Ho laut der südkoreanischen Nachrichtenagentur Yonhap am Montag in New York. „Das ist ganz klar eine Kriegserklärung, weil solche Worte von einem amtierenden amerikanischen Präsidenten kommen“, äußerte der Chef-Diplomat des autoritär regierten Landes bei einem kurzfristig einberufenen Presseauftritt vor einem Hotel in der US-Metropole.

Trump hatte am Samstag getwittert, Nordkoreas Machthaber Kim Jong Un und seine Regierung würden „nicht mehr lange hier sein“. Am selben Tag schickten die USA mehrere Langstreckenbomber aus Guam und Kampfjets in den internationalen Luftraum östlich von Nordkorea, um im Streit um das Atomprogramm Nordkoreas Stärke zu demonstrieren.

Ri drohte zudem mit dem Abschuss strategischer Bomber der USA - selbst, wenn diese nicht in den nordkoreanischen Luftraum eindringen würden. Solange die USA den Krieg erklärten, „werden wir uns von jetzt an das Recht der Selbstverteidigung vorbehalten, einschließlich des Rechts, sie (die Bomber) abzuschießen“, sagte Ri. Man werde sehen, wer länger durchhalte. Die Charta der Vereinten Nationen gestehe allen Mitgliedstaaten das Recht der Selbstverteidigung zu.

Das Weiße Haus bezeichnete den Vorhalt des nordkoreanischen Außenministers als absurd, die USA hätten seinem Land den Krieg erklärt. Das sagte Trumps Sprecherin Sarah Sanders in Washington.

Das US-Verteidigungsministerium will sich von Nordkorea nicht unbegrenzt herausfordern lassen. „Wenn Nordkorea seine Provokationen nicht einstellt, werden wir dem Präsidenten Optionen anbieten, um mit Nordkorea umzugehen“, sagte Pentagon-Sprecher Robert Manning in Washington. Welche Möglichkeiten Trump unterbreitet würden, sagte er nicht.

Die US-Bomber seien in internationalem Luftraum unterwegs gewesen und hätten alles Recht dazu gehabt, sagte Manning. Man werde dieses Recht weiter ausüben, und zwar „rund um die Welt“.

Der Konflikt könne nur politisch gelöst werden, ließ UN-Generalsekretär António Guterres über seinen Sprecher ausrichten. „Wenn die Spannungen und die Rhetorik zunehmen, dann steigt auch das Risiko für Missverständnisse an.“

Korea-Konflikt – die Positionen der Akteure

Generaldebatte in New York

Die alljährliche Generaldebatte der Vereinten Nationen bot Raum für einen ausgiebigen Schlagabtausch zum Atomkonflikt mit Nordkorea – die Bandbreite reichte von „total zerstören“ bis „noch Hoffnung auf Frieden“.

Südkorea

Nach den Worten von Präsident Moon Jae In strebt Südkorea ein friedliches Nebeneinander mit seinem Nachbar Nordkorea an. „Wir wünschen keinen Kollaps Nordkoreas.“ Südkorea strebe auch keine Wiedervereinigung mit dem kommunistisch regierten Staat durch „künstliche Mittel“ oder durch „Verschlucken“ an. Seoul und die Weltgemeinschaft unternähmen alles nur mögliche, um den Atomkonflikt mit Pjöngjang friedlich beizulegen. Zwischen beiden Ländern gilt seit Ende des Korea-Krieges (1950-1953) ein Waffenstillstand. Ein Friedensvertrag wurde bis zum heutigen Tag nicht geschlossen.

China

Auch China will Frieden auf der koreanischen Halbinsel, wie Außenminister Wang Yi sagte - und dafür gebe es „noch Hoffnung“. Er forderte Nordkorea allerdings auf, „nicht weiter in die eingeschlagene gefährliche Richtung zu gehen“. China setze sich weiter für eine entnuklearisierte koreanische Halbinsel ein und fordere alle Beteiligten auf, dazu konstruktiv beizutragen. Der einzige Weg zu diesem Ziel sei politischer Dialog.

USA

US-Präsident Donald Trump brandmarkte das isolierte Regime und drohte ihm mit völliger Zerstörung. „Wenn (die USA) gezwungen sind, sich selbst oder ihre Verbündeten zu verteidigen, dann haben wir keine Wahl, als Nordkorea total zu zerstören.“ Nordkoreas Staatschef Kim Jong Un bezeichnete er als „Raketenmann auf einer Selbstmordmission“. Das Atomprogramm des Landes stelle eine Gefahr für die ganze Welt dar. „Keine Nation der Welt hat ein Interesse daran, dabei zuzusehen, wie diese Bande von Kriminellen sich mit Raketen und Nuklearwaffen ausrüstet“, erklärte Trump.

Japan

Wie die USA sieht auch Japan „alle Optionen auf dem Tisch“. Der Konflikt sei eine „ernste Bedrohung ohne Beispiel“, sagte Ministerpräsident Shinzo Abe. Nordkorea sei derzeit dabei, „mit einem süffisanten Lächeln“ alle Abrüstungsbemühungen der vergangenen Jahre vom Tisch zu wischen. „Es ist eine Krise mit einer komplett neuen Dimension.“ Nordkorea müsse dazu gebracht werden, sein Nuklear- und Raketenprogramm komplett und überprüfbar aufzugeben. „Was gebraucht wird, ist nicht Dialog, sondern Druck.“

Nordkorea

„Ich werde den geisteskranken, dementen US-Greis gewiss und auf jeden Fall mit Feuer bändigen“, zitierte die nordkoreanische Staatsagentur KCNA Machthaber Kim Jong Un. Außenminister Ri bezeichnete die Ansprache von Trump als „Hundegebell“ und sagte, Trumps Berater täten ihm leid. „Wenn er wirklich dachte, er könne uns mit dem Geräusch von Hundegebell Angst einjagen, ist das der Traum eines Hundes“, sagte Ri laut CNN. Die Wendung „Traum eines Hundes“ bedeutet auf Koreanisch etwas Absurdes, das wenig Sinn ergibt.

Zuvor hatte das diplomatisch isolierte Nordkorea mit offenen Briefen an ausländische Parlamente und Parteien um Verbündete gegen die USA geworben. In ihren Schreiben verurteilten der außenpolitische Ausschuss der Obersten Volksversammlung - das nordkoreanische Parlament - und das Zentralkomitee der herrschenden Arbeiterpartei Trump. Sie warfen der US-Regierung zugleich vor, die ganze Welt in eine „nukleare Katastrophe“ zu führen, wie die Staatsmedien am Montag berichteten. Zudem plädieren beide Gremien für ein gemeinsames Vorgehen gegen Washington. Aus den Berichten wurde nicht klar, an welche Staaten die am Sonntag versandten Schreiben gerichtet waren.

In seinem Brief bezeichnete der Ausschuss Trumps Drohung einer Zerstörung Nordkoreas demnach als „unerträgliche Beleidigung“. Zugleich verteidigt er das Atomprogramm Nordkoreas. „Falls Trump denkt, er könne die Volksrepublik, eine Atommacht, durch Atomkriegsdrohungen in die Knie zwingen, ist das eine Fehlkalkulation und Ignoranz.“

Die Arbeiterpartei appelliert an Parteien im Ausland, die Politik der USA zu vereiteln und die Welt so vor einem nuklearen Desaster zu bewahren.

Der Konflikt zwischen Nordkorea und den USA über die Raketen- und Atomtests von Pjöngjang hatte sich zuletzt bei der UN-Vollversammlung in der vergangenen Woche weiter zugespitzt. Trump hatte am vergangenen Dienstag in New York gedroht, Nordkorea bei einem Angriff „total zu zerstören“. Das Atomprogramm des Landes sei eine Gefahr für die ganze Welt.

Nordkoreas Machthaber hatte daraufhin in einer Erklärung Trump als „geisteskranken“ Greis beschimpft und damit gedroht, ihn „auf jeden Fall mit Feuer zu bändigen“. Am Sonntag hatte Trump neue Einreisebeschränkungen für Menschen aus Nordkorea und sieben weiteren Ländern verkündet. Damit wolle er die Terrorbedrohung für die USA verringern, betonte das Weiße Haus.

Der Atomstreit mit Nordkorea schaukelt sich seit Monaten hoch. Der UN-Sicherheitsrat hatte zuletzt die Sanktionen gegen Pjöngjang wegen des neuen Atomtests vom 3. September deutlich verschärft. Nach eigenen Angaben hatte Nordkorea bei dem Test eine Wasserstoffbombe gezündet. Mit dem Test hatte Nordkorea gegen mehrere UN-Resolutionen verstoßen.

Von

dpa

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