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22.09.2017

19:45 Uhr

BBC-Moderatorin Katty Kay

„Ein trügerisches Gefühl der Sicherheit“

VonMoritz Koch

Katty Kay, US-Anchor der BBC, zählt zu den profiliertesten Journalistinnen Großbritanniens. Mit dem Handelsblatt spricht sie über Trump, den Brexit, die Krise der angelsächsischen Welt und den deutschen Wahlkampf.

Katty Kay hat sich dazu entschieden, ihre Sendung „100 Days“ auch nach den ersten 100 Tagen der Regierung von US-Präsident Donald Trump fortzusetzen. Allerdings wurde der Name zu „Beyond 100 Days“ geändert. AP

Donald Trump

Katty Kay hat sich dazu entschieden, ihre Sendung „100 Days“ auch nach den ersten 100 Tagen der Regierung von US-Präsident Donald Trump fortzusetzen. Allerdings wurde der Name zu „Beyond 100 Days“ geändert.

WashingtonMit Ihrer Sendung „100 Days“ wollten Sie den Beginn der Ära Trump begleiten. 100 Tage sind vorbei, aber Sie sind immer noch auf Sendung - warum?
Unser Job ist noch nicht erledigt. Das Interesse an der neuen Ära, an dem Phänomen Trump ist nach wie groß. Das globale Gleichgewicht der Kräfte verschiebt sich, auch in Europa haben Populisten Zulauf. All dem wollen wir nachgehen. Daher heißt unsere Sendung jetzt „Beyond 100 Days“. Eine andere Frage, die nach wie vor wichtig ist, lautet: Wie konnte Trump eigentlich gewinnen? Ich glaube, dass es eine direkte Verbindung zwischen Anschlägen des 11. September 2001 sowie der Finanzkrise auf der einen und der Wahl von Donald Trump auf der anderen Seite gibt. Hier kam die Angst der amerikanischen Wähler zum Vorschein, die Angst vor Terrorismus und die Angst vor wirtschaftlichem Abstieg.

Diese Ängste sind allerdings nicht nur eine Reaktion auf externe Schocks, sie offenbaren auch ein gravierendes strukturelles Problem in den USA: das Abgleiten der Mittelschicht.

Die BBC-Moderatorin warnt vor Populismus. BBC

Katty Kay

Die BBC-Moderatorin warnt vor Populismus.

Das stimmt. Der Wirtschaftsboom der 90er hat verdeckt, wie tief die Probleme sind – die Einkommensstagnation vor allem. Das Ende des Kalten Kriegs hat Amerika zehn Jahre beschert, die eine gute Zeit zu sein schienen, tatsächlich aber nur eine Anomalie waren.

Die Finanzkrise lässt sich damit erklären, dass billige Kredite die triste Wirklichkeit der Einkommensstagnation übertünchen sollten. Jetzt gibt es Anzeichen, dass sich die Geschichte wiederholt.
Auch darum haben wir uns entschieden, aus 100 Days ein dauerhaftes Format zu machen.

Donald Trump über Muslime und den Terror

7. Dezember 2015

„Donald J. Trump fordert einen kompletten Stopp der Einreise von Muslimen in die USA, bis die Vertreter unseres Landes herausfinden, was hier vor sich geht.“ (Trump als Präsidentschaftsbewerber)

29. Januar 2017

„Um das klarzustellen, das ist kein Muslimbann, so wie es die Medien fälschlicherweise berichten.“ (als Präsident zum von ihm erlassenen Einreiseverbot)

22. März 2016

„Inkompetente Hillary (Clinton). Trotz des schrecklichen Anschlags in Brüssel heute will sie schwache und offene Grenzen und die Muslime hereinströmen lassen. Auf keinen Fall!“ (nach dem Terroranschlag von Brüssel auf Twitter)

19. Oktober 2016

„Hillary (Clinton) hat nach 550 Prozent mehr syrischen Einwanderern gerufen, aber von radikalen islamischen Terroristen spricht sie nicht.“ (Trump auf Twitter)

16. November 2015

„Wir müssen die Moscheen beobachten und studieren, denn dort gibt es eine Menge Gerede (...) Aus dieser Richtung kommt absoluter Hass, dieser Hass ist unglaublich. Er ist fest verwurzelt (...) Der Hass ist stärker als wir uns vorstellen können.“ (In einem Interview mit dem Sender MSNBC)

22. November 2015

„Da waren Leute in New Jersey, die zusahen, große Teile der arabischen Bevölkerung, die gejubelt haben, als die Gebäude zusammenstürzten.“ (In einem Interview des Senders ABC zum angeblichen Jubel von Muslimen nach den Terroranschlägen vom 11. September 2001)

9. März 2016

„Ich denke, der Islam hasst uns.“ (In einem Interview des Senders CNN.)

10. Dezember 2015

„In Großbritannien gehören mehr Muslime dem IS an als der britischen Armee.“ (Trump auf Twitter)

28. Februar 2017

„Wir werden mit unseren Partnern zusammenarbeiten, einschließlich unseren Freunden und Verbündeten in der muslimischen Welt, um diesen schändlichen Feind vom Antlitz unserer Erde auszulöschen.“ (Vor dem US-Kongress zum Kampf gegen den Islamischen Staat)

Das entscheidende Motiv für Trump-Wähler war Identität. Gerade weiße Männer befürchten, ihre dominante Stellung in der Gesellschaft zu verlieren.
Das wichtigste Datum ist das Jahr 2044 – das ist das Jahr, in dem in den USA die Minderheiten in der Mehrheit sein werden und die Weißen in der Minderheit. Das ist ein gewaltiger demografischer Umbruch und er wird dadurch noch verstärkt, dass mehr Frauen auf den Arbeitsmarkt Erfolg haben. Bei vielen Männern löst dies das Gefühl aus, zu den Verlierern zu zählen.

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