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10.09.2019

11:52

Besuch in Deutschland

Hongkonger Aktivist Wong bittet um Hilfe für Demokratiebewegung – China kritisiert Besuch

Der 22-Jährige Wong sieht in den Deutschen natürliche Verbündete – und vergleicht Hongkong mit Berlin. Das Auswärtige Amt wehrt sich gegen Kritik aus China.

Der Hongkonger Aktivist Joshua Wong ist derzeit zu Besuch in Deutschland. dpa

Joshua Wong

Der Hongkonger Aktivist Joshua Wong ist derzeit zu Besuch in Deutschland.

Berlin Der bekannte Hongkonger Aktivist Joshua Wong hat kurz nach seiner Ankunft in Berlin größere Unterstützung für die Demokratiebewegung in der chinesischen Sonderverwaltungszone gefordert. „Ich hoffe, dass Menschen weltweit die Leute in Hongkong unterstützen, die für Freiheit und freie Wahlen kämpfen“, sagte der 22-Jährige am Montagabend der „Bild“-Zeitung.

Es sei an der Zeit, dass sich mehr Menschen in Deutschland auf Hongkong konzentrierten. „Wir haben den Eindruck, dass Hongkong wie Ost-Berlin zur Zeit des Kalten Krieges ist. Und gerade weil die Deutschen besonders in Berlin für die Freiheit gekämpft haben, bitte ich die Deutschen um Hilfe in unserem Kampf.“

Wong war am Abend auf dem Berliner Flughafen Tegel angekommen. Auf einem von der „Bild“-Zeitung organisierten Fest im Dachgarten-Restaurant des Bundestags in Berlin sprach der 22-Jährige im Anschluss unter anderem mit Außenminister Heiko Maas (SPD).

Das Auswärtige Amt hat die Kritik aus China über eine Begegnung von Wong mit Maas zurückgewiesen. Treffen mit Mitgliedern der Zivilgesellschaft seien ein ganz normales Verfahren, hieß es im Außenministerium am Dienstag auf Anfrage.

Das chinesische Außenministerium hatte zuvor gegen das Zusammentreffen von Maas und Wong Beschwerde eingelegt. Eine Ministeriumssprecherin sagte am Dienstag in Peking, man sei „extrem unzufrieden und vehement dagegen“, dass Wong nach Deutschland einreisen konnte und ihm erlaubt worden sei, den Außenminister zu treffen.

Protest gegen China

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Wong war am Sonntagmorgen vor seiner geplanten Abreise zunächst am Hongkonger Flughafen festgenommen worden. Ihm wurde vorgeworfen, seine Kautionsbedingungen verletzt zu haben. Nach 24 Stunden kam Wong wieder auf freien Fuß und flog noch am Montag nach Deutschland. Wong war bereits Ende August für einige Stunden festgenommen und auf Kaution wieder entlassen worden.

Auf dem Fest der „Bild“-Zeitung sagte Wong: „Wir protestieren, bis wir eines Tages freie Wahlen haben. Wenn wir uns jetzt in einem neuen Kalten Krieg befinden, dann ist Hongkong das neue Berlin.“ Er entschuldigte sich, dass er so spät gekommen sei. Vor 36 Stunden sei er noch in einer Polizei-Station festgehalten worden. „Ich wurde bereits acht Mal festgenommen und habe Hundert Tage im Gefängnis verbracht. Der Preis, den ich zahle, ist klein“, zitierte ihn die Zeitung.

Maas hatte nach der Freilassung Wongs am Montag gesagt, es sei ein gutes Signal, dass der junge Demokratie-Kämpfer wieder auf freiem Fuß sei. „Das Recht auf freie Meinungsäußerung ist ein fundamentales Prinzip. Es darf keinen Einschränkungen unterliegen“, twitterte er.

Ende August war Wong wie seiner Mitstreiterin Agnes Chow vorgeworfen worden, andere zur Teilnahme an einer illegalen Versammlung in der chinesischen Sonderverwaltungszone am 21. Juni animiert und selbst daran teilgenommen zu haben. Wong muss sich auch für die Organisation der Demonstration verantworten.

Seit dem 9. Juni kommt es in der Finanzmetropole immer wieder zu Protesten, die oft mit Zusammenstößen zwischen einem kleinen Teil der Demonstranten und der Polizei endeten. Die Protestbewegung befürchtet steigenden Einfluss der chinesischen Regierung auf Hongkong. Auch fordern die Demonstranten eine unabhängige Untersuchung der Polizeigewalt bei den Protesten.

Die frühere britische Kronkolonie wird seit der Rückgabe 1997 an China in ihrem eigenen Territorium mit einem eigenen Grundgesetz nach dem Prinzip „ein Land, zwei Systeme“ autonom regiert. Die Hongkonger stehen unter Chinas Souveränität, genießen aber – anders als die Menschen in der kommunistischen Volksrepublik - mehr Rechte wie Meinungs- und Versammlungsfreiheit. Viele fordern auch freie Wahlen, wie es ihnen einst in Aussicht gestellt worden war.

Mehr: Trotz massiven Drucks aus Peking halten die Hongkongchinesen an ihren Forderungen fest. Die Wirtschaft gerät zunehmend zwischen die Fronten.

Von

dpa

Kommentare (2)

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Herr Lothar Meurer

11.09.2019, 08:34 Uhr

In Hongkong wird ausgehend von einem hohen Niveau für die Freiheit gekämpft und unsere Medien berichten sehr wohlwollend und täglich über die Demonstrationen.
Andere Freiheitskämpfer werden tot geschwiegen. Oder bekommen wir Berichte über die toten und verletzten Demonstranten in Gaza z.B. am letzten Wochenende??
Ich informiere mich in der Jerusalem Post online.
Lothar Meurer

Herr Ulrich Groeschel

11.09.2019, 19:33 Uhr

Das neue Gesetz würde es erlauben, Verdächtige auch an Gerichtsbarkeiten auszuweisen, mit denen Hongkong kein Auslieferungsabkommen hat. Wegen dieses Abkommens
folgten wüsste Prügeleien mit der Polizei. Am Flughafen wurden die Passagiere in Geiselhaft genommen.

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