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22.06.2022

10:37

Bitcoin und Co.

Trotz Kurseinbruch: Wie Bitcoin-Millionäre die US-Politik beeinflussen

Von: Sarah Sendner

Bei den Zwischenwahlen im Herbst steht für die Kryptobranche viel auf dem Spiel. Die Branche weiß das – und wird zum größten Wahlkampfspender des Landes.

Der FTX-Gründer spendet Millionen für den US-Wahlkampf. The Washington Post/Getty Images

Sam Bankman-Fried

Der FTX-Gründer spendet Millionen für den US-Wahlkampf.

New York Es sind nur noch fünf Monate bis zu den Zwischenwahlen in den USA – und damit rücken die in dem Land so wichtigen Parteispenden wieder in den Fokus des Interesses. Dieses Mal gibt es neue Protangonisten: Denn vermögende Kryptounternehmer versuchen mit Rekordsummen, politisch Einfluss zu nehmen.

Mit rund 26,3 Millionen Dollar im Jahr 2021 und in den ersten drei Monaten dieses Jahres überholen die Kryptospender sogar die traditionell größten Gönner aus der Pharma-, Tech- und Verteidigungsindustrie, berichtet der Finanzdienstleister Bloomberg unter Berufung auf Zahlen der Wahlbehörde FEC.

Das ist ein enormer Anstieg von 5200 Prozent gegenüber demselben Zeitraum der vergangenen US-Präsidentschaftswahl, in dem rund 500.000 Dollar aus dem Kryptosektor geflossen waren.

Seit 2020 hat sich viel verändert: Die Kryptobranche ist in den vergangenen Jahren extrem schnell gewachsen. Doch der Boom hat auch die Politik aufgeschreckt, die nun immer neue Regulierungsinitiativen vorantreibt. Die Regierung von US-Präsident Joe Biden arbeitet aktuell an Plänen für eine bessere Überwachung von digitalen Währungen.

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    Für die Branche steht in diesem Jahr also viel auf dem Spiel. Wenn sich der Kongress nach den Zwischenwahlen im November neu ordnet, könnte das auch darüber entscheiden, wie frei in Zukunft mit digitalen Währungen gehandelt werden kann. Bei den Midterm-Wahlen stehen alle 435 Sitze im Repräsentantenhaus und 35 der 100 Sitze im Senat zur Wahl.

    Unterstützung für Kandidaten aus beiden Parteien

    Kandidaten, die besonders viel Geld für ihre Kampagne einsammeln können, haben es in den USA in der Regel leichter, ihre Wahlkreise zu gewinnen. Gleichwohl setzen Einzelpersonen, Organisationen und Unternehmen Millionen von Dollar ein, um Kandidaten nach Washington zu bringen, die am ehesten in ihrem Sinne Politik betreiben.

    Viele Geldgeber statten daher vor allem kryptofreundliche Politiker mit Ressourcen aus oder stärken jene, die Kryptokritiker in ihren Wahlkreisen herausfordern. So hat Aarika Rhodes, demokratische Kandidatin für den Kongress aus Kalifornien, laut der „Washington Post“ Mittel aus einem „Super-Pac“ erhalten, das bis zu 20 Millionen Dollar für kryptofreundliche Kandidaten ausgeben will. Die Grundschullehrerin hatte in den Vorwahlen den Kryptogegner Brad Sherman herausgefordert – und verloren.

    „Pac“ steht für „Political Action Committee“ und ist eine Organisation, die für einen bestimmten Kandidaten oder eine bestimmte Kampagne Geld einsammeln soll. Super-Pacs haben darüber hinaus die Freiheit, unbegrenzt Geld einzusammeln und damit verschiedene Kampagnen zu unterstützen. Sie sammeln in erster Linie Geld für ein politisches Vorhaben ein. Das Geld fließt dabei in der Regel in Dollar, die FEC erlaubt jedoch auch Spenden in digitalen Währungen wie Bitcoin.

    Sam Bankman-Fried ist einer der größten Spender

    Das wohl größte Krypto-Super-Pac ist GMI. Die Gruppierung will ausschließlich Kandidaten unterstützen, die sich einem „sicheren, wettbewerbsfähigen und innovativen digitalen Marktplatz“ verschrieben haben. Seit ihrer Gründung im September vergangenen Jahres hat die Organisation bereits mehr als 7,4 Millionen US-Dollar eingenommen, zeigen Zahlen der FEC.

    Zu den größten Spendern gehört der Gründer der Kryptowährungsbörse FTX, Sam Bankman-Fried, der zwei Millionen Dollar spendete. Sein Co-CEO Ryan Salame steuerte zwei Spenden in Höhe von 500.000 Dollar bei. Die Firma selbst taucht mit mehr als 350.000 Dollar in den Spendenbelegen auf. Kryptounternehmer Phil Potter spendete ebenfalls knapp eine Million Dollar.

    Hinter GMI steckt außerdem Skybridge Capital, ein Hedgefonds, der gerade einen Kryptoinvestmentfonds aufbauen will, wie die Nachrichtenplattform Politico berichtet. Skybridge-Gründer Anthony Scaramucci war der Kommunikationsdirektor von Ex-US-Präsident Donald Trump. Scaramucci spendete Ende März 100.000 Dollar an das Super-Pac „Crypto Innovation“ – das eng mit GMI verknüpft ist.

    Der Kommunikationsdirektor des ehemaligen Präsidenten Donald Trump spendet ebenfalls an kryptofreundliche Organisationen. AP

    Anthony Scaramucci

    Der Kommunikationsdirektor des ehemaligen Präsidenten Donald Trump spendet ebenfalls an kryptofreundliche Organisationen.

    Ob die Spenden demokratischen oder republikanischen Kandidaten zugutekommen, ist theoretisch offen – solange sie die von dem Pac gesetzten Ziele unterstützen. Insgesamt zeichnet sich im Lager der Republikaner eher eine kryptofreundliche Stimmung ab. Bei den Demokraten ist die Lage komplizierter. Prominente linksliberale wie Senatorin Elizabeth Warren warnen vor einer möglichen Blase. Gleichzeitig ist auch das ressourcenintensive Mining von digitalen Währungen ein Konfliktpunkt für die Demokraten, die klimapolitisch aktiver sind als viele Republikaner.

    Letztlich profitieren dennoch vor allem demokratische Kandidaten von den Kryptomillionen. In Dallas, Texas, erhielt die Kongressabgeordnete Jasmine Crockett rund zwei Millionen Dollar aus Krypto-Pacs für die demokratischen Vorwahlen in ihrem Distrikt. Die größte Kryptobörse Coinbase veranstaltete Ende März ein Spendenevent für den demokratischen Mehrheitsführer Chuck Schumer aus New York. Auf dessen Spendenlisten steht auch Coinbase-Finanzchefin Alesia Haas mit rund 7000 Dollar.

    „SBF“ spendet Millionen für Pandemievermeidung

    Das Schicksal der eigenen Branche ist allerdings nicht das einzige Anliegen der Kryptogeldgeber. Branchenprimus Bankman-Fried – auch „SBF“ genannt – hat sich nach eigenen Angaben früh das Ziel gesetzt, die Welt zu verbessern – und die Kryptobranche als beste Geldquelle dafür ausgemacht. Auf seiner Agenda stehe vor allem das Thema Pandemieprävention, erklärte er in einem Podcast-Interview Ende Mai.

    Für die Präsidentschaftswahlen 2024 kündigte der Kryptobörsengründer Außerordentliches an: Sein Spendenhorizont bei dieser Wahl starte bei 100 Millionen Dollar – sollte Trump antreten, könne er sich auch vorstellen, bis zu eine Milliarde Dollar für die Gegenkampagne zu spenden. Die bisher größte bekannte Parteispende in Höhe von 218 Millionen Dollar erhielt Trump im Jahr 2020.

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    SBF steckt bereits im aktuellen Wahlkampf Millionen in seine Anliegen: Das Super-Pac „Protect our Future“, das sich für die Pandemieprävention einsetzt, erhielt im April von ihm insgesamt rund 23 Millionen Dollar. Außerdem spendete Bankman-Fried sechs Millionen Dollar für das demokratische „House Majority“-Super-Pac. Damit ist der 30-Jährige schon jetzt einer der größten Spender der kommenden Midterm-Wahlen.

    Unklar ist, wie sich die jüngsten Kurseinbrüche, die das Vermögen vieler großer Spieler stark reduziert und das Vertrauen in die Branche erschüttert haben, auf die weitere Spendenbereitschaft bis zu den Zwischenwahlen im November auswirken.

    In den vergangenen sechs Monaten hat der Bitcoin 58 Prozent an Wert verloren. Insbesondere der Absturz des an den US-Dollar geknüpften Stablecoins UST im Mai hat viele Anleger verunsichert und auch die Aufmerksamkeit der Regulierer verstärkt. Das geschätzte Vermögen von SBF hat sich durch den Crash offenbar halbiert, schätzt die Finanznachrichtenagentur Bloomberg, auf rund 11,3 Milliarden Dollar.

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