Handelsblatt

MenüZurück
Wird geladen.

19.04.2017

14:01 Uhr

Brexit

Briten brauchen den europäischen Strom

Theresa May nimmt beim Brexit den Verlust des Zugangs zum EU-Binnenmarkt in Kauf. Der britische Energieminister will jedoch im EU-Energiemarkt verbleiben, und die Verbindungen sogar noch weiter ausbauen.

Großbritanniens Energieminister setzt auf die internationalen Kontakte. Reuters

Greg Clark

Großbritanniens Energieminister setzt auf die internationalen Kontakte.

LondonGroßbritannien sollte nach Ansicht von Energieminister Greg Clark auch nach dem Brexit im EU-Energiemarkt bleiben. Dies liege sehr im eigenen Interesse, sagte Clark am Mittwoch vor einem Parlamentsausschuss in London. „Ich glaube, es wäre besser, wenn wir weiter drin sind.“ Die Verbindungen sollten insbesondere mit Irland sogar ausgebaut werden. Premierministerin Theresa May strebt einen harten Schnitt mit der Europäischen Union an und ist dazu auch bereit, auf den wirtschaftlich wichtigen Zugang zum EU-Binnenmarkt zu verzichten.

Großbritannien importierte 2016 sechs Prozent seines Stroms über Leitungen mit Frankreich, den Niederlanden und Irland. Die Briten wollen aber ihre Stromquellen ausweiten, um ältere Kohle- und Atomkraftwerke zu ersetzen, die in den 2020er-Jahren vom Netz gehen dürften.

Brexit: Die nächsten Schritte im Überblick

Wie geht es weiter?

Im Juni 2016 entschieden sich die Briten für den Brexit. Doch bis das Land tatsächlich aus der Europäischen Union ausgetreten ist, steht beiden Seiten noch viel Arbeit bevor. Die nächsten Schritte.

EU-Mandat

Das Schreiben aus London ist eingetroffen, nun zurrt die Rest-EU in drei Schritten ihre Verhandlungslinie fest: Ein Sondergipfel der 27 Staats- und Regierungschefs soll am 29. April Leitlinien bestimmen. Auf dieser Basis schlägt die EU-Kommission den Start der Verhandlungen und ein Mandat vor – also den offiziellen Auftrag für das Verhandlungsteam. Das Mandat muss dann vom Rat bestätigt werden.

Verhandlungen

EU-Chefunterhändler Michel Barnier und sein Expertenteam geben sich bis etwa Oktober 2018 für die eigentlichen Verhandlungen über den Austritt Großbritanniens und über Übergangsregelungen.

Ratifizierung

Dann muss das Austrittsabkommen auf EU-Seite vom Europaparlament gebilligt und von den übrigen Mitgliedsländern angenommen werden – ohne Großbritannien. May will den Vertrag auch dem britischen Parlament vorlegen.

Fristende

Das ganze Verfahren muss zwei Jahre nach dem offiziellen Austrittsgesuch abgeschlossen sein, also bis Ende März 2019. Eine Verlängerung ist möglich, wenn alle bleibenden EU-Staaten zustimmen.

Die Diskussionen mit der EU seien erst ganz am Anfang, sagte Clark. Er hoffe allerdings, dass Pläne für Verbindungsleitungen mit anderen EU-Ländern und weiteren Staaten fortgesetzt und ausgebaut würden. „Wenn wir ein schlaueres Stromnetz haben wollen und verschiedene Arten von Stromquellen, dann sind Verbindungsleitungen wichtig dafür.“

Ein weiterer Punkt bei den Brexit-Verhandlungen wird die Rolle des Landes im europäischen Emissionshandel (ETS) sein. Klimaschutzminister Nick Hurd sagte dem Ausschuss, Großbritannien werde weiter eine aktive Rolle bei der ETS-Reform spielen. Die Regierung in London werde aber Alternativen prüfen. Der Emissionshandel ist das zentrale Klimaschutzinstrument der EU. Kraftwerke und Industrie müssen Verschmutzungsrechte ersteigern oder bekommen eine bestimmte Menge auch gratis zugeteilt. Wer weniger Kohlendioxid ausstößt als er Rechte hat, kann die überschüssigen Zertifikate verkaufen. Wer mehr braucht, muss zusätzliche erwerben.

Die wichtigsten Neuigkeiten jeden Morgen in Ihrem Posteingang.

Von

rtr

Kommentare (1)

Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.  Selber kommentieren? Hier zur klassischen Webseite wechseln.

Herr Marc Hofmann

19.04.2017, 14:24 Uhr

Sagen wir es mal so...es liegt im Interesse von Frankreich, dass die Engländer das bekommen, was diese verlangen...es ist nämlich EDF...der französische Stromkonzern, der in England einige Kraftwerke betreibt und auch bauen will...
Die Franzosen sind eh EU Feindlich eingestellt und jetzt wird interessant zu sehen sein, wie sich EU-Deutschland hier verhalten wird....die Interessen der Franzosen liegen auf der Hand...die wollen weiter in England (Stromwirtschaft) expandieren und gute Geschäfte auf der Insel machen....Energie-Stromwirtschaft...der Sprengstoff, der das Potential hat, die EU weiter zu spalten...Frankreich wird sich auf jeden Fall nicht von Deutschland in die Energie- Stromwirtschaft hineinreden lassen...Le Pen und auch Macron sehen sowieso schon längst in Deutschland wieder das "Feindbild"...diesmal nicht als Militär dominierende Macht sondern als Wirtschaft dominierende Macht...Deutschland führt einen Wirtschafts- und Währungskrieg...gegen den Rest der Welt...und der Krieg kostet den Deutschen heute schon Steuergelder, Zinsen und Wohlstandsverlust für immer mehr Menschen...

Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

×