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30.06.2019

15:20

Carola Rackete

Was der Kapitänin der „Sea Watch 3“ jetzt droht

Von: Regina Krieger

Das „Sea Watch“-Drama ist beendet, doch die Deutsche Kapitänin wird diese Woche dem Haftrichter vorgestellt. Ein Fall, der ganz Europa spaltet.

„Sea Watch 3“: Was der Kapitänin Carola Rackete“ jetzt droht Reuters

Carola Rackete

Die Polizei nimmt die Kapitänin der „Sea Watch 3“ in Gewahrsam.

Rom Diese Bilder aus Lampedusa gingen um die Welt: Samstagnacht steigt die deutsche Kapitänin Carola Rackete von der Reling der „Sea Watch 3“ und wird von der italienischen Polizei in Empfang genommen und verhaftet. Die 31-Jährige hatte das Rettungsschiff mit 40 Menschen an Bord nach tagelangem Abwarten auf hoher See gegen italienisches Gesetz zu der Insel gebracht. Seitdem ist sie nicht im Gefängnis, sondern unter Hausarrest.

Anfang dieser Woche wird sie dem Haftrichter vorgeführt. Rackete droht eine Haftstrafe bis zu zehn Jahren und eine Geldbuße von 50.000 Euro. Vorgeworfen wird ihr außer der Verletzung der Hoheitsgewässer Widerstand und Gewalt gegen ein Kriegsschiff. Denn als sie die „Sea Watch 3“ an die Mole von Lampedusa manövrierte, war sie gegen ein Boot der Finanzpolizei gestoßen, die das Anlegen verhindern wollte. „Ich musste in den Hafen fahren, ich hatte Angst, die Situation war hoffnungslos, und mein Ziel war es nur, erschöpfte und verzweifelte Menschen an Land zu bringen“, sagte sie am Sonntag über ihre italienischen Anwälte der Zeitung „Corriere della Sera“. Mitte Juni hatte die Kapitänin die Flüchtlinge vor der Küste Libyens aus einem Schlauchboot gerettet.

Der Fall spaltet Italien – und hat zu einer Krise in Europa geführt. „Die nationalen Grenzen zu schützen ist kein Recht, sondern Pflicht. Italien lässt sich von niemandem belehren“, erklärte Innenminister Matteo Salvini, der die harte Politik gegen Flüchtlinge durchzieht. „Seenotrettung darf nicht kriminalisiert werden. Es ist an der italienischen Justiz, die Vorwürfe schnell zu klären“, erklärte Bundesaußenminister Heiko Maas.

„Menschen, die Leben retten, sollten nicht festgenommen werden. Menschen, die töten, die Hass und Leid säen und fördern, sollten es“, twitterte Siemens-Chef Joe Kaeser. In Deutschland und auch in Italien laufen Spendenaktionen, nicht alle sind auf Salvini-Kurs. Ein Aufruf der beiden deutschen Fernsehmoderatoren Jan Böhmermann und Klaas Heufer-Umlauf hat bereits mehr als 640.000 Euro gebracht, in Italien sind es schon 187.000 Euro.

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