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01.06.2022

13:49

Corona-Lockdowns in China

„Zwei Monate der Demütigung“ – Schanghaier Regierung lockert drakonische Abriegelung

Von: Dana Heide

Nach mehr als neun Wochen durften sich die meisten der rund 25 Millionen Einwohner erstmals wieder frei bewegen. Doch die Freude darüber ist getrübt.

Seit Mittwoch dürfen die meisten der 26 Millionen Einwohner ihre Wohnungen wieder verlassen. Reuters

Passanten in Schanghai

Seit Mittwoch dürfen die meisten der 26 Millionen Einwohner ihre Wohnungen wieder verlassen.

Schanghai In Schanghai ist am Mittwoch der drakonische Lockdown zum Teil aufgehoben worden. Die mehr als 25 Millionen Einwohner der chinesischen Wirtschaftsmetropole durften nach mehr als zwei Monaten, in denen sie ihre Wohnungen nur in absoluten Ausnahmefällen verlassen konnten, wieder auf die Straße treten. Barrikaden wurden teilweise abgebaut, Supermärkte wieder uneingeschränkt geöffnet.

Die Lockerungen waren angekündigt worden. Bereits am Dienstagabend, so berichten es Anwohner, seien Menschen auf die Straße gegangen und hätten die Aufhebung des Lockdowns gefeiert und Feuerwerkskörper gezündet.

Während der Rest der Welt nach mehr als zwei Jahren Coronapandemie wieder langsam zum Alltag zurückkehrt, verfolgt die chinesische Staatsführung auch in Zeiten der hochansteckenden Omikron-Variante weiter ihre Null-Covid-Strategie.

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    Mit drastischen Maßnahmen wie der Abriegelung der Metropolen Schanghai und Changchun will sie das Virus eindämmen. Die landesweiten Restriktionen führten in den vergangenen Wochen immer wieder zu ungewöhnlichen lokalen Protesten. Auch die Wirtschaft litt massiv unter den Maßnahmen.

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    Der Lockdown in Schanghai war Ende März zunächst nur für fünf Tage über einen Teil der Metropole verhängt worden, wurde dann aber rasch ausgeweitet auf die komplette Stadt und immer wieder verlängert. Trotz einer geringen Zahl an Neuinfektionen – die örtliche Gesundheitsbehörde in Schanghai meldete am Dienstag 15 Fälle – bleiben zahlreiche Einschränkungen in der Stadt weiter bestehen. So dürfen die Menschen weiterhin nicht in Restaurants essen, die meisten Schulen und Büros bleiben geschlossen.

    Schanghaier wie die 45-jährige Sophia Li können sich seit Mittwoch immerhin wieder frei in der Stadt bewegen. In der vergangenen Woche hatte sie nach wochenlanger strikter Ausgangsperre mit Genehmigung zumindest zweimal zeitweise kurz ihre Wohnung verlassen dürfen.

    In chinesischen Staatsmedien wurde die Lockerung der Maßnahmen am Mittwoch gefeiert. Bereits am späten Dienstag hatte sich die Schanghaier Regierung in einem Dankesschreiben an ihre Bürger gewandt und versprochen, „keine Mühen zu scheuen, um die vollständige Wiederherstellung des normalen Lebens zu fördern“. Im Internet hagelte es allerdings Kritik an dem Brief, viele machten mit Beiträgen ihrem Ärger und ihrer Enttäuschung über den Lockdown Luft.

    Er habe zwar von vielen Freunden Glückwünsche erhalten, schrieb Hua Shan, Chef einer Marketingberatung in Schanghai, in einem Beitrag im chinesischen sozialen Netzwerk Weibo, der inzwischen gelöscht ist. Aber: „Ich nehme keine Glückwünsche an, denn es gibt überhaupt keine Freude, sondern nur zwei Monate der Demütigung und der Angst vor der Zukunft“, so Hua.

    Auch Cameron Wilson, der seit Jahren in Schanghai lebt, blickt kritisch auf die jüngsten Lockerungen. „In Schanghai ist nichts ‚normal‘ und wird es auch in den nächsten Monaten, wenn nicht Jahren, nicht sein“, sagt er.

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