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26.07.2022

04:00

AP

Strandbesucherinnen

Corona-Regelungen

Masken, Quarantäne, Testpflicht: Was gilt derzeit wo in Europa?

Von: Ozan Demircan, Gerd Höhler, Tanja Kuchenbecker, Sandra Louven, Christian Wermke

Was muss man gerade beachten, wenn man durch Europa reist? Wo gibt es noch die Maskenpflicht? Was passiert, wenn man Covid im Urlaub bekommt? Der Überblick für die Ferienzeit.

Istanbul, Athen, Paris, Madrid, Rom Die Sommerwelle rollt – und das nicht nur bezüglich des Ferienreiseverkehrs: In Europa setzt sich Omikron BA.5 durch. Seit Ende Juni ist die Subvariante des Coronavirus in vielen Ländern vorherrschend, auch in Deutschland. Die Krankheitsverläufe bleiben laut Medizinern und Virologen zwar milder als bei vorherigen Mutationen. Grund zur Entwarnung ist das allerdings nicht, denn Omikron ist ansteckender als alle Vorgänger. Viele Geimpfte infizieren sich derzeit, in Europa steigen die Fallzahlen wieder an.

Was bedeutet das für die Urlaubssaison? In welchem Land gelten welche Regeln? Wo braucht es noch eine Maske? Was passiert bei einer Infektion in den Ferien?

Ein Überblick aus Europas Tourismusdestinationen

Griechenland „empfiehlt“ Maske bei Positiv-Test

In Griechenland trifft die Corona-Sommerwelle vor allem Ferieninseln wie Mykonos, Rhodos, Paros, Kos und Korfu – und besonders junge Leute zwischen 18 und 25 Jahren. Die Sieben-Tage-Inzidenz stieg seit Ende Mai von 240 auf nunmehr 3447. Das ist fast fünfmal so hoch wie in Deutschland.

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    Experten führen den Anstieg vor allem auf die Urlaubszeit und das Gedränge an den Pools, in den Beach-Bars und Nachtklubs zurück. Auf vielen Ägäisinseln ist in diesem Sommer schon wieder mehr los als im Tourismus-Rekordjahr 2019.

    Die Virusvariante BA.5 dominiert derzeit auch in Griechenland. Der Lungenfacharzt Nikos Tzanakis rechnet damit, dass die aktuelle Infektionswelle Ende Juli ihren Höhepunkt erreicht und dann langsam abflaut. Aber eine Entwarnung bedeutet das nicht: „Im September könnten wir eine Überraschung erleben“, warnt Tzanakis.

    Die Virusvariante BA.5 dominiert derzeit auch in Griechenland. dpa

    Strand in Griechenland

    Die Virusvariante BA.5 dominiert derzeit auch in Griechenland.

    Virologen erwarten, dass sich ab August die neue Variante BA.2.75, auch „Centaurus“ genannt, in Griechenland verbreiten wird. Die neue Variante ist in dem Land bisher nicht festgestellt worden, aber die Experten erwarten, dass sie kommen wird. Die Vorsitzende des Verbands der Klinikärzte von Athen und Piräus, Matina Pagoni, rechnet damit, dass innerhalb der nächsten 20 Tage der erste Fall auftreten wird.

    Was das für die weitere Entwicklung der Pandemie bedeutet, ist noch unklar. Denn man weiß wenig darüber, wie ansteckend die neue Variante ist, welchen Schutz die bisherigen Impfstoffe bieten und wie schwer die Krankheitsverläufe sind.

    Griechenland hat zu Beginn der Reisesaison Anfang Mai die meisten Corona-Reisebeschränkungen aufgehoben. Für die Einreise braucht man weder einen Impfnachweis noch einen Test. Auch die elektronische Einreiseanmeldung ist entfallen. Die Maskenpflicht gilt nur noch im Gesundheitswesen, in Pflegeheimen und im öffentlichen Nahverkehr.

    Die Quarantäne für positiv getestete Urlauber entfällt ebenfalls. Statt der fünftägigen Quarantänepflicht gibt es jetzt bei einem positiven Corona-Testergebnis nur noch die „dringende Empfehlung“, eine Maske zu tragen und sich freiwillig selbst zu isolieren. Kontrolliert wird das aber nicht.

    Spanien hat die Inzidenz fast abgeschafft

    Wer aus der EU nach Spanien reist, wird nicht mehr kontrolliert. Im Land gilt noch eine Maskenpflicht in öffentlichen Verkehrsmitteln und Taxen sowie Krankenhäusern, Apotheken, Gesundheitszentren, Alten- und Pflegeheimen. Da auch die Infektionszahlen in Spanien wieder stark steigen, hat die Regierung vor einigen Wochen empfohlen, überall in Innenräumen wieder eine Maske zu tragen. Bislang halten sich daran aber nur die wenigsten.

    Wie hoch die Inzidenz in der Bevölkerung ist, bleibt erstmal unklar, da diese derzeit nur für Menschen erfasst wird, die älter als 60-Jahre alt sind. IMAGO/Chris Emil Janßen

    Playa de Palma auf Mallorca

    Wie hoch die Inzidenz in der Bevölkerung ist, bleibt erstmal unklar, da diese derzeit nur für Menschen erfasst wird, die älter als 60-Jahre alt sind.

    Wie hoch die Inzidenz in der Bevölkerung ist, bleibt zudem unklar: Spanien veröffentlicht seit dem Abklingen der vergangenen großen Welle nur noch die Sieben-Tage-Inzidenz für die über 60-Jährigen. Die liegt derzeit bei 326 – und damit deutlich niedriger als Ende Juni (468).

    Hinter der neuen Statistik steht der Versuch, nicht mehr jeden einzelnen Fall zu verfolgen, sondern Covid eher wie eine Grippe zu behandeln. Spanien kann sich das aufgrund seiner hohen Impfquote leisten: 93 Prozent der über Zwölfjährigen sind mindestens zwei Mal geimpft.

    Auch die Quarantäne-Regeln wurden gelockert: Isolieren muss sich nur noch, wer schwere Symptome hat. Alle anderen Positiven dürfen auf die Straße und sogar mit Maske zur Arbeit gehen. Massenveranstaltungen wie die Stierhatz in Pamplona finden wieder statt – in dichtem Menschengedränge und weitgehend ohne Covid-Einschränkungen.

    Mindestens sieben Tage Quarantäne in Italien

    In Italien stieg die Inzidenz zwischenzeitlich auf mehr als 1200, die Infektionskurve begann aber Mitte Juli schon wieder zu fallen und liegt nun bei 853. Trotzdem gelten noch sehr strenge Isolationsregelungen: Erst sieben Tage nach dem ersten positiven Test kann man sich wieder aus der Quarantäne freitesten. Diese Regelung soll bald geändert werden – künftig soll man sich schon nach 48 Stunden ohne Symptome freitesten können.

    Fas alle Corona-Regelungen in Italien sind abgeschafft. imago images/photosteinmaurer.com

    Italien

    Fas alle Corona-Regelungen in Italien sind abgeschafft.

    Bis Ende September besteht weiterhin FFP2-Maskenpflicht in allen Verkehrsmitteln außer dem Flugzeug. Bis Ende des Jahres braucht es die Maske zudem in Krankenhäusern, Arztpraxen und Altenheimen. Firmen können selbstständig entscheiden, ob sie eine Maskenpflicht für ihre Mitarbeiter erlassen.

    In geschlossenen Räumen, in denen der Abstand nicht eingehalten werden kann, etwa auch in Hotels oder Bars, gibt es bisher nur die Empfehlung, Maske zu tragen. Daran hält sich aber kaum mehr jemand.

    Ansonsten sind alle Corona-Regelungen abgeschafft, es werden keine Nachweise für die Einreise benötigt. Auch gibt es keinen „Green Pass“ mehr, einen 3G-Nachweis, den man in Italien monatelang für das gesamte Alltags- und Arbeitsleben brauchte.

    Auf der portugiesischen Insel Madeira herrscht noch 3G

    Auf Madeira, einer von Portugals Atlantikinseln, wird noch der Zutritt zu Sport- und Kultureinrichtungen, Friseuren, Restaurants, Bars und Diskotheken kontrolliert. Besucher müssen geimpft oder genesen sein oder einen negativen Schnelltest vorweisen, der nicht älter als eine Woche sein darf.

    Grafik

    Auf dem portugiesischen Festland sind die Corona-Regeln hingegen weitgehend abgeschafft. Maskenpflicht gilt nur noch in Taxen und öffentlichen Verkehrsmitteln sowie in Krankenhäusern, Pflege- und Altenheimen. Wer positiv auf Covid-19 getestet wird und keine oder nur leichte Symptome hat, muss fünf Tage lang in Quarantäne. Mit mittelstarken oder schweren Symptomen sind es mindestens zehn Tage, und die Isolation endet erst mit einem neuen, negativen Test.

    Bei der Einreise gelten wie im übrigen Schengen-Raum keine Restriktionen mehr. Im Mai hat Portugal als eines der ersten Länder in Europa einen massiven Anstieg der Infektionszahlen erlebt, der durch die neue Omikron-Subvariante BA.5 getrieben war.

    Die ließ die Sieben-Tage-Inzidenz Anfang Juni auf über 2800 schnellen. Da aber 95 Prozent der Portugiesen geimpft sind, hat sich der Druck auf die Krankenhäuser in Grenzen gehalten. Derzeit liegt die Inzidenz bei 420.

    Ohne Maske in Frankreichs ÖPNV

    In Frankreich gibt es die Maskenpflicht selbst in öffentlichen Verkehrsmitteln nicht mehr. Das Gesundheitsministerium rief die Franzosen zwar kürzlich auf, im ÖPNV wieder Maske zu tragen. Verpflichtend ist das aber nicht. Auch am Arbeitsplatz oder in Geschäften wird nur empfohlen, Maske zu tragen.

    Bei der Einreise wird für Europäer und zahlreiche andere Länder weder Impfnachweis noch Negativtest benötigt. dpa

    Frankreich

    Bei der Einreise wird für Europäer und zahlreiche andere Länder weder Impfnachweis noch Negativtest benötigt.

    Dabei wird das Land zurzeit von einer neuen Coronawelle erfasst. Die Sieben-Tage-Inzidenz liegt derzeit bei 1072. Zu Höhepunkten früherer Wellen gab es in Frankreich Inzidenzraten, die um die 4000 lagen. Die Zahlen im Krankenhaus steigen zwar weiter an. Aber die mehr als 1200 Menschen auf der Intensivstation sind noch sehr wenig im Vergleich mit den Höhepunkten der vorangegangenen Wellen.

    Bei der Einreise wird für Europäer und zahlreiche andere Länder weder Impfnachweis noch Negativtest benötigt. Besucher aus Staaten, die noch auf der orangen Liste stehen, müssen einen vollständigen Impfstatus haben oder einen Schnelltest vorweisen. Auf der Liste stehen Länder, in denen es besonders viele Neuinfektionen gibt oder wenig Impfungen erfolgt sind.

    Im ganzen Land braucht es weder einen Impf- noch Testnachweis, um an Veranstaltungen teilzunehmen oder im Restaurant zu essen. Tests sind für Ausländer kostenpflichtig und in der Apotheke für 20 Euro meist ohne Voranmeldung möglich.

    Tests sind für Ausländer kostenpflichtig und in der Apotheke für 20 Euro meist ohne Voranmeldung möglich. dpa

    Tests Frankreich

    Tests sind für Ausländer kostenpflichtig und in der Apotheke für 20 Euro meist ohne Voranmeldung möglich.

    Für die Quarantäne gilt: Wer positiv getestet und vollständig geimpft ist, muss sich sieben Tage isolieren, ab dem ersten Tag der Symptome oder dem Datum des positiven Tests. Nach fünf Tagen darf die Isolation verlassen, wer einen negativen Test vorweisen kann und seit 48 Stunden keine Symptome mehr hat. Wer nicht komplett geimpft ist, muss zehn Tage in Isolation. Nach sieben Tagen kann man sich freitesten. Kontrolliert wird diese Quarantäne aber nicht.

    Türkei will keine Touristen vergraulen

    In der Türkei wird derzeit alles Mögliche politisiert, doch bei einer Sache sind sich alle einig: Die Menschen wollen von der Pandemie nichts mehr hören – und das, obwohl auch in der Türkei die Fallzahlen wieder stetig ansteigen.

    Der türkische Tourismussektor ist wichtig für die Wirtschaft sowie die Beschäftigung im Land. imago images/Depo Photos

    Flughafen Türkei

    Der türkische Tourismussektor ist wichtig für die Wirtschaft sowie die Beschäftigung im Land.

    Während Anfang Juni noch 7322 Neuinfektionen in einer Woche gemeldet worden waren, ist diese Zahl zwischen 4. und 10. Juli auf 117.095 gestiegen. Mittlerweile liegt die Sieben-Tage-Inzidenz bei 271. „Die tägliche Infektionsrate ist 40 Mal höher als im Frühjahr, die Zahl der Krankenhauseinweisungen ist um das Dreifache angestiegen“, warnte der türkische Gesundheitsminister Fahrettin Koca kürzlich alle, die glaubten, die Pandemie sei vorüber. Doch auch er selbst sagt: „Es wird keine neuen Maßnahmen geben.“

    Vor wenigen Monaten hatte Koca noch bekannt gegeben, dass unterhalb von 1000 Infektionen pro Tag die Maskenpflicht im öffentlichen Raum fallen werde. Genau das passierte dann auch. Nur: Inzwischen liegt der Wert wieder deutlich über der 1000er-Marke.

    Doch an neue Maßnahmen denkt niemand. Eine Maskenpflicht gilt aktuell nur für Krankenhäuser und Arztpraxen. Ansonsten begegnet man auch in Restaurants, gut besuchten Bars oder öffentlichen Verkehrsmitteln kaum noch Menschen mit Maske. Für die direkte Einreise aus Deutschland und den meisten anderen Ländern sind laut Auswärtigem Amt außerdem keine Pflichtimpfungen mehr vorgeschrieben. Eine Quarantäne wird nach einer Infektion ebenfalls nicht mehr vorgeschrieben.

    Der türkische Tourismussektor ist wichtig für die Wirtschaft sowie die Beschäftigung im Land. Nach Ausbruch der Coronapandemie im Jahr 2020 entwickelte das Tourismusministerium binnen weniger Monate ein Gesundheitskonzept, um Urlaube trotz Pandemie zu ermöglichen.

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