Handelsblatt App
Jetzt 4 Wochen für 1 € Alle Inhalte in einer App
Anzeigen Öffnen
MenüZurück
Wird geladen.

02.09.2021

15:06

Corona-Schulstart

Impfen, testen, Maskenpflicht: Wie Europa die Rückkehr ins Klassenzimmer organisiert

Allein in NRW sind bereits 30.000 Schüler in Quarantäne. Einige Länder in Europa haben deutlich strengere Regeln als Deutschland – andere gar keine mehr.

„Die Schulen sollen so viel wie möglich für die Kinder geöffnet sein“, sagte Jean-Michel Blanquer kürzlich. imago images/IP3press

Frankreichs Bildungsminister im März in einer Grundschule

„Die Schulen sollen so viel wie möglich für die Kinder geöffnet sein“, sagte Jean-Michel Blanquer kürzlich.

Rom, Athen, Paris, Madrid, Brüssel, London, Stockholm Mit den zunehmenden Impfquoten kehren in Europa die Schüler dauerhaft zurück in ihre Klassenzimmer. Deutschland, wo die Schulen in den vergangenen anderthalb Jahren teilweise geschlossen waren oder Wechselunterricht organisierten, startet nun mit vergleichsweise wenigen Schutzmaßnahmen.

Allein in Nordrhein-Westfalen waren Ende August 30.000 Schülerinnen und Schüler in Quarantäne. Luftfilter sind immer noch Mangelware, und es steht der Vorwurf im Raum, den Sommer verschlafen zu haben: Der Schulstart in Deutschland verläuft nicht viel anders als im vergangenen Herbst.

Andere Länder haben besser geplant: Italien suspendiert Lehrer von der Arbeit, wenn sie nicht geimpft, getestet oder genesen sind. In Spanien und Belgien sind bereits zahlreiche Schüler geimpft und Frankreich halbiert die Klassen bei einer hohen Inzidenz. Ein Überblick.

Länder mit strengeren Corona-Regeln an den Schulen

Italien: Dort gilt für alle Schüler ab sechs Jahren Maskenpflicht im Unterricht, und an den Eingängen wird jeden Tag Fieber gemessen. Das gesamte Schulpersonal, in den Klassenräumen oder in der Verwaltung, muss eine Impfung, Genesung oder einen Test nachweisen, der nicht älter als 48 Stunden sein darf.

Top-Jobs des Tages

Jetzt die besten Jobs finden und
per E-Mail benachrichtigt werden.

Standort erkennen

    Wer keinen der drei Nachweise vorlegt, darf nicht zur Arbeit kommen. Nach fünf Tagen wird sogar das Gehalt eingefroren. Wer bei einer Kontrolle ohne Nachweis erwischt wird, muss zwischen 400 und 1000 Euro Strafe bezahlen. Laut den jüngsten Daten der Regierung sind etwas mehr als neun Prozent des Schulpersonals noch nicht geimpft.

    In Italien werden Kinder ab zwölf Jahren immunisiert. Rund ein Drittel der Altersgruppe bis 19 Jahre ist bereits durchgeimpft. Selbst wenn es in einzelnen Regionen höhere Inzidenzen und zu hohe Hospitalisierungsraten geben sollte, bleibt Italien dauerhaft beim Präsenzunterricht für fast alle. Nur in den weiterführenden Schulen müsste ein Teil der Schüler in den Fernunterricht, im schlimmsten Fall die Hälfte der Klasse.

    Corona-Pandemie

    Schulbeginn in Israel inmitten steigender Infektionszahlen

    Corona-Pandemie: Schulbeginn in Israel inmitten steigender Infektionszahlen

    Ihr Browser unterstützt leider die Anzeige dieses Videos nicht.

    Griechenland: Hier gibt es ebenfalls eine Maskenpflicht für Lehrer und Schüler. Ungeimpftes Lehrpersonal muss zweimal pro Woche in einem anerkannten Labor einen Antigen-Schnelltest machen lassen und die Kosten von zehn Euro pro Test selbst tragen. Die Betroffenen erhalten einen QR-Code als Bestätigung, den die Schulverwaltung mittels App kontrolliert.

    Schülerinnen und Schüler müssen zweimal in der Woche einen Selbsttest machen und das Ergebnis auf der Internetseite self-testing.gov.gr hochladen. Die Tests werden vom Staat bezahlt und über die Apotheken bereitgestellt.

    In Griechenland können Kinder ab zwölf Jahren geimpft werden. Laut Nationaler Impfkommission sind von den 15- bis 17-Jährigen 16,5 Prozent vollständig geimpft und von den Zwölf- bis 14-Jährigen 6,5 Prozent (Stand: 30. August).

    Schülerinnen und Schüler müssen zweimal in der Woche in Griechenland einen Selbsttest machen. dpa

    Corona-Antigen-Schnelltest

    Schülerinnen und Schüler müssen zweimal in der Woche in Griechenland einen Selbsttest machen.

    Frankreich: Wenn in einer Region die Inzidenz hoch ist, sind hier weiter halbe Klassen vorgesehen. Das wird aber von Fall zu Fall entschieden. Bildungsminister Jean-Michel Blanquer betonte: „Die Schulen sollen so viel wie möglich für die Kinder geöffnet sein.“

    Kinder, die nicht geimpft sind, werden ab der 6. Klasse für eine Woche vom Unterricht ausgeschlossen und müssen in Quarantäne, sobald ein Corona-Fall in der Klasse auftritt und sie als Kontaktperson gelten. In der Grundschule wird die Klasse eine Woche geschlossen, sobald es einen Corona-Fall gibt.

    In Frankreich können Kinder ab zwölf Jahren geimpft werden. In der Altersgruppe der Zwölf- bis 17-Jährigen haben bisher rund 62 Prozent die erste Impfung erhalten, fast 45 Prozent sind vollständig geimpft. In Vor- und Grundschulen gibt es zudem Speicheltests. Schüler müssen ab der Grundschule in Innenräumen Maske tragen, in einigen Regionen auch auf dem Schulhof.

    Spanien: Das Land setzt bei den Schulöffnungen auf seine hohe Impfquote. 26 Prozent aller Zwölf- bis 19-Jährigen sind bereits vollständig geimpft, 69 Prozent haben sogar mindestens eine Impfung erhalten.

    Die Klassengrößen sind nicht mehr beschränkt, doch auf dem Schulhof und im Gebäude werden die Klassen noch getrennt. Das ändert sich erst, wenn die 14-Tage-Inzidenz unter 25 Fälle pro 100.000 Einwohner sinkt und die Intensivstationen zu weniger als fünf Prozent mit Covid-Patienten belegt sind. Zudem sind Masken für Kinder ab sechs Jahren sowie regelmäßiges Lüften Pflicht. Eine Testpflicht in den Schulen gibt es nicht.

    Grafik

    Belgien: Hier sind bereits zwei Drittel der Zwölf- bis 17-Jährigen vollständig geimpft. Sie müssen in der Schule nur Masken tragen, solange sie nicht sitzen. Sollte sich die Corona-Lage verschlechtern, haben lokale Behörden jedoch die Möglichkeit, wieder eine komplette Maskenpflicht in den Schulen zu verhängen. In der Hauptstadt Brüssel, wo die Impfquote deutlich geringer ist, gilt die Maskenpflicht auch auf der Schulbank.

    Jeder Schüler hat außerdem einen festen Sitzplatz. Der Grund: Wenn sich ein Kind mit Corona infiziert, soll nur noch sein Sitznachbar in Quarantäne müssen und nicht mehr die gesamte Klasse. Zudem nutzt Belgien CO2-Messgeräte in den Klassenzimmern: Sobald der CO2-Gehalt in der Luft ein gewisses Level erreicht hat, piepst das Gerät, und es muss gelüftet werden. Präventive Corona-Tests für Schüler werden nur da angeordnet, wo die Corona-Fallzahlen signifikant höher liegen als im belgischen Durchschnitt.

    Länder, in denen kaum noch Corona-Einschränkungen in Schulen gelten

    England: Der Unterricht beginnt in dieser Woche ohne Masken und Abstandsregeln. Feste Klassengruppen gibt es nicht mehr, Schülerinnen und Schüler dürfen sich mischen, wie sie möchten. Regelmäßige Schnelltests sollen jedoch sicherstellen, dass Ausbrüche schnell erkannt werden.

    Positiv getestete Schüler müssen demnach zehn Tage zu Hause bleiben. Enge Kontakte müssen einen PCR-Test machen. Die gesamte Klasse wird allerdings nicht mehr präventiv nach Hause geschickt.

    Lehrergewerkschaften warnen jedoch vor einer neuen Infektionswelle binnen vier Wochen und verweisen auf Schottland. Dort sind die Schüler seit zwei Wochen zurück, und die Zahl der Fälle ist stark angestiegen. Dabei müssen in Schottland Lehrer und ältere Schüler in den ersten sechs Wochen noch Masken tragen, wenn sie außerhalb des Klassenzimmers unterwegs sind.

    Die Impfquote unter britischen Schülern ist gering, denn die Regierung hat erst im Sommer begonnen, die 16- und 17-Jährigen zu impfen. Zwölf- bis 15-Jährige werden auf Empfehlung der englischen Impfkommission bislang nur in Ausnahmefällen geimpft. Ein „exponentieller Anstieg“ der Infektionen nach dem Schulbeginn sei daher wahrscheinlich, warnt der wissenschaftliche Beirat der Regierung.

    Bildungsminister Gavin Williamson begründet die Aufhebung aller Restriktionen damit, dass die Bildung vorgehe. Im Fall von Infektionen sollen die Schulen selbst über Notfallmaßnahmen entscheiden. Restriktionen seien nur „das letzte Mittel“, heißt es in den Richtlinien des Ministeriums. Sie sollten zeitlich begrenzt und auf ein Minimum reduziert werden.

    Der Unterricht in England beginnt in dieser Woche ohne Masken und Abstandsregeln. Reuters

    Eine Schule in England im März 2021

    Der Unterricht in England beginnt in dieser Woche ohne Masken und Abstandsregeln.

    Dänemark: Dänemarks Gesundheitsminister Magnus Heunicke erklärte, dass sein Land ab dem 10. September sämtliche Restriktionen aufheben werde. „Die Regierung hat versprochen, die Restriktionen nicht länger als notwendig aufrechtzuerhalten. An diesem Punkt sind wir jetzt angelangt“, sagte der Sozialdemokrat.

    Gleichwohl betonte er, dass die Pandemie noch nicht vorüber sei. „Wir werden nicht zögern, sehr schnell zu handeln, wenn die Pandemie wieder wichtige Funktionen unserer Gesellschaft bedroht.“

    Die Aufhebung der Beschränkungen gilt auch für Schulen. In Dänemark können seit diesem Sommer auch Kinder ab zwölf Jahren geimpft werden. Etwa 60 Prozent der Zwölf- bis 19-Jährigen sind vollständig geimpft. Bislang mussten sich Schüler mehrmals in der Woche testen lassen. Das entfällt künftig. Die Regierung reagiert damit auf den Druck der Opposition.

    Mehrere Oppositionsparteien forderten, dass Covid-19 nicht mehr als eine Pandemie definiert wird, die die Gesundheit der Bevölkerung wesentlich bedroht. Mit dieser bislang geltenden Definition traten Restriktionen automatisch in Kraft, sobald bestimmte Inzidenzwerte erreicht wurden.

    Direkt vom Startbildschirm zu Handelsblatt.com

    Auf tippen, dann auf „Zum Home-Bildschirm“ hinzufügen.

    Auf tippen, dann „Zum Startbildschirm“ hinzufügen.

    ×